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Wie sich das Lufthansa-Drehkreuz gerade neu erfindet

Baustelle T3
Baustelle T3, © Fraport

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FRANKFURT - London-Heathrow wird ausgebremst statt ausgebaut. Andere Großdrehkreuze in Europa wittern ihre Chance. Der Frankfurter Flughafen investiert vier Milliarden Euro in neue Terminalkapazität - und kann im europäischen Vergleich einen "wichtigen Wettbewerbsvorteil" ausspielen.

Heathrow läuft am Limit: 80,9 Millionen Passagiere, viel mehr als 2019 kann der Londoner Hauptflughafen kaum stemmen.

Eine dritte Start- und Landebahn soll LHR bis auf 135 Millionen Passagiere Systemkapazität katapultieren - doch das Projekt droht juristisch am Klimaschutz und politisch am Unwillen der britischen Regierung zu scheitern.

Heathrow-Chef John Holland-Kaye warnte zuletzt eindringlich vor der realen Möglichkeit, dass Heathrow "inmitten des EU-Austritts" nach unten durchgereicht wird: Paris CDG könnte "bereits 2022" Heathrow als größten Knotenpunkt im europäischen Luftverkehr ablösen, sagte Holland-Kaye.

Nicht viel besser sieht es derzeit in Amsterdam aus. Am Schiphol-Airport gilt eine bei 71,7 Millionen Passagieren 2019 weitgehend ausgereizte Begrenzung auf maximal 500.000 Flugbewegungen pro Jahr. Unter strengen Lärmauflagen darf Amsterdam bis 2023 gerade einmal 40.000 zusätzliche Flüge annehmen und auf 80 Millionen Passagiere wachsen.

Flughafen Frankfurt Terminal 3
Flughafen Frankfurt Terminal 3, © Fraport AG / Christoph Mäckler Architekten

Am Frankfurter Flughafen wird derzeit hingegen mit Hochdruck betoniert: im Süden des Airports, der letztes Jahr trotz schwindender Dynamik 70,5 Millionen Fluggäste zählte, realisiert Flughafenbetreiber Fraport das Terminal 3 für zunächst 21 Millionen Passagiere. Geplante Inbetriebnahme: 2023.

Vier neue Flugsteige

Für eine zuletzt noch ungeklärte Lagerung von belastetem Bauaushub hat Frankfurt in dieser Woche eine Lösung gefunden: bis Herbst 2020 soll der Abraum zur sachgerechten Endlagerung auf externe Deponien verteilt werden.

2021 will Fraport den Terminal-3-Finger G in Betrieb nehmen, um T1 und T2 zu entlasten. Mit Eröffnung der 13 G-Gates ist geplant, den Eckwert von 104 auf 107 Flugbewegungen pro Stunde anzuheben. Nach Abschluss der Ausbauarbeiten darf FRA zu Spitzenzeiten bis zu 126 Flüge pro Stunde über seine drei Pisten abwickeln.

"Der neue Flugsteig G, als erster Teil des neuen Terminal 3, soll in der zweiten Jahreshälfte 2021 baulich fertiggestellt werden - zunächst mit einer Kapazität von bis zu fünf Millionen Passagieren pro Jahr", sagte ein Fraport-Sprecher aero.de.

Unter den Interessenten für den neuen Flugsteig sind Airlines, die Frankfurt bereits anfliegen. "Wir gehen davon aus, dass auf die Inbetriebnahme eine Entlastung der Bestandsterminals folgt." Als potenzieller G-Nutzer gilt die seit 2017 am Frankfurter Flughafen vertretene Billigairline Ryanair.

"Berechtigte Alternative für Inlandsflüge"

Vom Terminal 3 spreizen sich im ersten Bauabschnitt die Flugsteige G, H und J ab - ein Pier K für weitere vier Millionen Passagiere ist in der Langfristplanung fest vorgesehen.

"Fraport hat 2019 etwas über 70 Millionen Passagiere im Terminal 1 und 2 am Flughafen Frankfurt begrüßt", sagte der Sprecher. "Mit dem vollausgebauten Terminal 3 (4 Flugsteige G, H, J und K) würde die Kapazität auf zusätzlich 25 Millionen Passagiere pro Jahr anwachsen. Wird Flugsteig K ausgeklammert, sind es zirka 21 Millionen Passagiere pro Jahr."

Viel entscheidender als diese Zukunftsreserve ist die Anbindung des T3 - in nur acht Minuten sollen Passagiere das neue Terminal über ein Transportsystem vom Fernbahnhof am T1 erreichen. Bei der absehbaren Verlagerung des innerdeutschen Anreiseverkehrs von der Luft auf die Schiene hat Frankfurt durch den hauseigenen ICE-Knoten einen "wichtigen Wettbewerbsvorteil".

"Der Flughafen Frankfurt ist einer der intermodalsten Orte in ganz Europa", sagte der Sprecher. Der Fernbahnhof biete mit annähernd 200 Zügen pro Tag eine sehr gute Vernetzung "und eine berechtigte Alternative für Inlands- beziehungsweise Zubringerflüge". Die Bedeutung guter "Schiene-Luft-Konnektivität" werde weiter zunehmen.
© aero.de | Abb.: Fraport AG | 07.03.2020 15:27

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Beitrag vom 08.03.2020 - 19:26 Uhr
Danke für den Hinweis. Das wusste ich nicht. Schade, dass ich da nicht wohne.
Beitrag vom 08.03.2020 - 16:35 Uhr
Solange es keinen Deal mit der Bahn gibt, dass ich mein Zugticket als Teil meines Flugtickets buchen kann und damit in die entsprechenden PAX-Rechte bei Verspätungen bekomme, braucht man mir mit dem tollen Bahnanschluss nicht zu kommen.
Der Münchner Flughafen macht Spass. Frankfurt, naja...

Buche einen Flug bei Lufthansa ab Mannheim, Karlsruhe, Bonn, Dortmund, Aachen... Schon hast du diese Vorteile.
Beitrag vom 08.03.2020 - 13:21 Uhr
Das wirkt schon etwas so, als wollte sich Fraport selbst Mut zusprechen ...

In der aktuellen Krise wird massiv in Online-Kommunikation investiert. Viele klassisch orientierte Führungskräfte machen jetzt zum ersten Mal Erfahrungen mit Online Konferenzen.
Die notwendige Infrastruktur dafür wird jetzt aufgebaut und auch die bisherigen Hardcore-Verweigerer machen damit jetzt ihre Erfahrungen.
Inwieweit das langfristige Auswirkungen auf das Geschäftsreise-Verhalten haben wird, bleibt abzuwarten.

Im Touristiksektor hingegen dürfte 2020 ein einmaliger Ausrutscher nach unten werden und 2021ff. eher Nachholbedarf zeigen.

Wie sich das insgesamt auf Fraport und ihren eher Business-lastigen Home-Carrier LH auswirkt, ist schwer abschätzbar.
Aber so wie Fraport in diesem Text weiteres Wachstum fast schon beschwört, machen die sich da scheinbar auch Gedanken ...


Dieser Beitrag wurde am 08.03.2020 13:23 Uhr bearbeitet.


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