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Wizz Air rechnet noch 2020 mit vollständiger Erholung

Wizz Air Airbus A320
Wizz Air Airbus A320, © Airbus

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BUDAPEST - Wizz Air-Chef József Váradi positioniert Europas achtgrößte Airline für starkes Wachstum nach der Krise und will weiter neue Flugzeuge von Airbus abnehmen. Die Airline will bis Jahresende an den Normalzustand vor der Krise anknüpfen - und schmiedet langfristige Pläne mit dem Airbus A321XLR.

In der vergangenen Woche schaffte es nur eine europäische Fluggesellschaft mit ihrem verbliebenen Sitzangebot unter die Top Ten der weltweiten Airlines: Wizz Air, bisher achtgrößte Gesellschaft Europas, mit Sitz in Budapest. Damit lag sie mit gut 890.000 Sitzen pro Woche auch weltweit auf Rang acht noch vor Air China.

"Das hätten wir uns vor wenigen Monaten auch nicht träumen lassen, genauso wenig, dass wir plötzlich Langstrecken über den Nordatlantik fliegen und Frachtflüge nach China", erklärte Wizz Air-Chef József Váradi jetzt in einem von "Aviation Week" veranstalteten Webinar.

Mit Stopps in Island hatte Wizz Air mit ihrem neuesten Flugzeugtyp A321neo gestrandete Touristen aus Los Angeles, Miami und New York nach Osteuropa zurückgeholt. Für die ungarische Regierung flogen die A321neo insgesamt 50 Frachtflüge nach China, um medizinische Ausrüstung einzufliegen.

"Derzeit fliegen regulär nur vier bis fünf unserer Flugzeuge, 120 stehen am Boden, wir bedienen nur etwa drei Prozent unseres normalen Flugaufkommens. Trotzdem werden wir als einer der Nutznießer aus der Krise hervorgehen", ist Váradi überzeugt. "Das Corona-Virus wird uns zu einem besseren Unternehmen machen."

Das mag auf den ersten Blick überraschen, denn erst vergangene Woche hatte auch Wizz massive Maßnahmen zur Kostensenkung umgesetzt: Lohnsenkungen für die Angestellten um 14 Prozent und in der Chefetage sogar um 22 Prozent, außerdem wurden etwa 19 Prozent der Mitarbeiter entlassen. "Der Personalabbau gilt für etwa ein Jahr", so Váradi.

Über Wizz Air
Typ Linienfluggesellschaft
Basis Budapest
Maschinen 111
Destinationen 147
Routen 678
© Daten bereitgestellt von ch-aviation
Seinen unerschütterlichen Optimismus gründet der Wizz Air-Chef auf verschiedene Faktoren: Seine Gesellschaft verfügt über erhebliche Bargeld-Reserven. "Gerade jetzt ist Cash am wichtigsten, selbst wenn das Grounding 18 Monate lang dauern sollte haben wir genügend Liquidität."

Er zeigt sich überzeugt dass gerade die aktuelle Krise für Wizz Air ganz neue Möglichkeiten in Europa bieten wird, "da gilt es ein Vakuum zu füllen, wir werden unseren Wachstumskurs beibehalten".

Dazu macht Wizz Air eine zur Zeit seltene Ankündigung, die bei Airbus für Erleichterung sorgen dürfte: "Wir werden weiterhin unsere bestellten Flugzeuge abnehmen, wir erhalten in den nächsten zwanzig Monaten insgesamt 25 neue Airbus-Jets." Genau in denen liegt einer der Stärken, derer Wizz sich bewusst ist, denn das Orderbuch enthält derzeit 178 A321neo und 20 A321XLR-Jets.

Keine Transatlantikflüge mit A321XLR

"Die A321 ist heute das beste Flugzeug das es gibt für Kurzstrecken, die A321 zu haben ist ein strategischer Vorteil mit einer 20prozentigen Kostenersparnis gegenüber älteren A320. Indem ich mehr A321neos bekomme erhöhe ich den Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz", freut sich Váradi.

Auch mit den kommenden A321XLR allerdings seien keine Transatlantikflüge geplant. "Die gehen in bestehende Märkte, wo wir auch quasi Langstrecken bedienen wie etwa von Teneriffa nach Nursultan in Kasachstan", erklärt Váradi.

Einen wesentlichen Expansionsschritt unternimmt Wizz Air in diesem Jahr mit ihrem Joint Venture in Abu Dhabi, wo mit einem lokalen Partner Wizz Air Abu Dhabi startet. "Da kommt uns die Krise entgegen, das starten wir jetzt früher und größer als geplant", kündigt Váradi an.

Der Billigflieger will sich trotzdem weiter schwerpunktmäßig auf Osteuropa fokussieren und erwartet schon in den kommenden Monaten, den Betrieb schnell wieder hochzufahren.

"Jüngere Freizeitreisende als Kundengruppe werden am schnellsten zurückkommen, die werden wir auch mit sehr günstigen Tarifen gezielt ansprechen", kündigt Váradi an. "Geschäftsreisen werden wegen der starken Rezession weniger werden, Airlines, die eher dieses Segment bedienen werden in den kommenden Jahren zu kämpfen haben. Glücklicherweise fliegen wir die meisten jungen Leute in Europa, Dienstreisende sind bei uns marginal."

Er geht davon aus, dass in zwei bis drei Monaten wieder etwa ein Drittel der Flugkapazität angeboten werden kann und schon in etwa einem halben Jahr das gesamte Angebot bestehender Strecken wieder geflogen werden könnte.

Allerdings sieht der Airline-Chef ein großes Problem mit uneinheitlichen Regelungen bei künftigen Reisebestimmungen selbst innerhalb Europas: "Die Nationalstaaten haben wieder das Handeln übernommen und die EU hat nicht die Kraft das zu ändern, EU-Institutionen und Strukturen haben in miserabler Weise versagt", kritisiert der Wizz Air-Chef.
© aero.de, Andreas Spaeth | Abb.: Airbus | 25.04.2020 00:12


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