Kurs aus der Krise
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Woche der Wahrheit für Lufthansa

Lufthansa Airbus A320neo
Lufthansa Airbus A320neo, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die Lufthansa steht vor einer Woche der Wahrheit. Eine Entscheidung über milliardenschwere Staatshilfen - und deren Bedingungen - rückt näher, der Dax-Konzern verhandelt bereits seit längerem wegen der weitreichenden Folgen der Corona-Pandemie mit der Bundesregierung.

"In diesen Tagen wird über die Zukunft der Lufthansa entschieden", will Konzernchef Carsten Spohr laut vorab veröffentlichtem Redetext bei der Hauptversammlung an diesem Dienstag (5. Mai) sagen.

Die Lufthansa verhandelt über Staatshilfen in Höhe von insgesamt rund zehn Milliarden Euro. Im Gespräch ist dem Vernehmen nach, dass ein Teil davon als stille Beteiligung fließt und der Bund dafür gut 25 Prozent der Anteile erhält und auch im Aufsichtsrat vertreten ist.

Spohr hatte allerdings einen größeren Einfluss des Staates auf das Unternehmen zuletzt abgelehnt - und wird dies auch bei der Aktionärsversammlung tun, die wegen der Corona-Krise nur im Internet übertragen werden soll. "Wir sind unverschuldet in diese Krise geraten. Jetzt brauchen wir staatliche Unterstützung. Aber wir brauchen keine staatliche Geschäftsführung", sagt er laut Manuskript.

Dafür bekommt Spohr Schützenhilfe. "Die Hilfen des Staates sind für die schnelle Überwindung der Krisen vorgesehen", sagte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, der Deutschen Presse-Agentur. Er warnte, die Politik dürfe sich keinen dauerhaften Einfluss sichern. "Wenn jetzt Teile der Bundesregierung diese Anfrage nutzen wollen, um sich erheblichen Staatseinfluss auf dieses Unternehmen zu sichern, ist das ein seltsames Gebaren aus der Politik", sagte der Chef des CDU-nahen Verbands.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer warnte: "Eine Direktbeteiligung mit Stimmrechten wäre ein ordnungspolitischer Sündenfall und könnte der Auftakt für eine Verstaatlichungsorgie geben." Theurer betonte, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) müsse die "Begehrlichkeiten nach Versorgungsposten im Aufsichtsrat und staatlicher Lenkung des operativen Geschäfts seitens der SPD" abwehren.

Und auch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo stellte sich hinter den Vorstand. Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies, oft ein scharfer Kritiker von Spohr, sagte der "Welt am Sonntag": "Im operativen Geschäft bieten Staatsvertreter im Aufsichtsrat keinen Mehrwert." Der dpa sagte Baublies, Posten könnten schnell zur Symbolik verkommen. "Aufsichtsräte aus der Regierung ersetzen keine Vorgaben zu Kündigungsschutz, Mitbestimmung und weiteren wichtigen Punkten unseres Positionspapiers zur Staatsbeteiligung."

Gegenwind bekommt die Lufthansa allerdings von der SPD. "Der Staat ist nicht der dumme August, der das Geld gibt und dann nichts zu melden hat", sagte Carsten Schneider, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, der Zeitung "Die Welt" (Montag). "Wer für sein Unternehmen staatliche Unterstützung beantragt, der wird auch bestimmte Bedingungen erfüllen müssen." Es gehe nicht um Einflussnahme auf den Flugplan, sondern etwa darum, ob ein angeschlagenes Unternehmen zum Beispiel Dividende zahle.

Das Dilemma des Konzerns ist groß: Von rund 760 Flugzeugen stehen etwa 700 am Boden, 3.000 Flüge pro Tag sind gestrichen, mehr als 80 000 der insgesamt 130.000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, statt 350.000 Passagieren täglich fliegen nun nur etwa 3.000 mit der Lufthansa und ihren Konzerntöchtern.

Derzeit verfügt die Lufthansa noch über mehr als vier Milliarden Euro Liquidität. Doch jede Stunde verliert sie aufgrund des Stillstands operativ eine Million Euro. Anstelle des direkten Staatseinstiegs prüft die Lufthansa auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung. An diesem Montag will der Vorstand mit dem Aufsichtsrat die Lage beraten.

Aus Regierungskreisen hieß es zuletzt, die Verhandlungen dauerten an. In einem Schreiben an die Mitarbeiter zeigte sich der Lufthansa-Vorstand zuversichtlich: "Nach unserer Einschätzung können diese Gespräche zu einem baldigen Abschluss geführt werden." Doch die Bundesregierung ist nicht der einzige Ansprechpartner. Wegen der Töchter Austrian Airlines (AUA), Brussels Airlines, Swiss und Edelweiß muss Spohr auch mit den Regierung von Österreich, Belgien und der Schweiz reden.

Staaten verlangen Zusagen

Während es aus Bern bereits die Zusage für einen milliardenschweren Kredit gibt, dauern die Verhandlungen mit Wien an. Österreich verlangt Zusicherungen und Garantien für das AUA-Drehkreuz Wien. Auch die belgische Regierung stelle Forderungen im Gegenzug für 290 Millionen Euro als Liquiditätshilfe für die Tochterfirma Brussels Airlines, berichteten die Zeitungen "L'Echo" und "De Tijd".

Ministerpräsidentin Sophie Wilmès habe in einem Brief an Spohr eine klare Perspektive des Brüsseler Flughafens als Drehkreuz angemahnt. Zur Debatte stehe auch eine Staatsbeteiligung mit einem möglichen Vetorecht bei der Unternehmenspolitik, etwa bei Reisezielen.

In Deutschland fordern die Linksfraktion im Bundestag und Umweltschützer, staatliche Hilfen an Forderungen zu koppeln. "Steuermilliarden für die Lufthansa darf es nur gegen Zusagen beim Klimaschutz geben", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Der Linken-Haushaltspolitiker Victor Perli mahnte, eine Vereinbarung mit dem Bund müsse den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie Klimaziele beinhalten.

"Eine Umstrukturierung des Konzerns auf dem Rücken der Beschäftigten ist nicht zu akzeptieren. Die Lufthansa muss im Gegenzug zu den Staatshilfen ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden", sagte Perli.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 04.05.2020 07:37

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Beitrag vom 06.05.2020 - 19:41 Uhr
Egal wer hier welche Lösung für die Beste hält, müssen sich die Betroffenen Unternehmen sowieso auf alle Eventualitäten einstellen. Die Schweiz hat bereits die Kreditgarantien bestätigt, Österreich bereitet auch eine eventuelle Herauslösung der Austrian aus der LH Gruppe (durch Schutzschirm und Insolvenz in Eigenverantwortung) vor um dann gemeinsam mit z.B. der IAG den Hub Wien neu zu strukturieren, falls die Verhandlungen mit Herrn Spohr zu keinem gemeinsamen Nenner führen. Aber es ist eben nichts fix. Auch Belgien will noch weiter verhandeln. Im Endeffekt heißt es nun abwarten und Tee trinken. Vielleicht sind wir Ende der Woche schon schlauer.

Dieser Beitrag wurde am 06.05.2020 19:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 04.05.2020 - 11:56 Uhr

Nach der Insolvenz wird es keine Lufthansa mehr geben, wie man sie vorher kannte. Und den Passagieren ist es wichtig schnell 8wenn es geht ohne Umsteigen) und günstig um die Welt zu fliegen. Jede neue Fluggesellschaft, die das dann anbietet, wird ihr Geschäft machen

Das ist die Frage zu den Passagieren, ich sehe zwar keinen Unterschied zu heute, aber whatever...

Was ist mit den anderen Fragen? Wenn Sie schreiben, die Insolvenz wäre das Beste, dann haben Sie ja antworten darauf.

Zur Erinnerung: Was hätte das alles für Konsequenzen? Was muss Lufthansa alles verkaufen (Technik, Swiss, Aua, usw)? Bekommt die LH irgendwo noch Geld oder anderes (Rabatt auf Flieger, Fuel, usw) wenn man vorher genau die Leute um ihr Geld gebracht hat?
Ah, und zu guter letzt, was sagen sie den den Mitarbeitern der LH, der Zulieferern usw. wenn sie alle ihre Job verlieren? Oder der Vorstand neue Arbeitsverträge einfach diktieren kann?

Ja, lieber Airbusfahrer, sie haben ja so recht. Leider hauen in diesem Forum immer wieder die gleichen einfach mal so Ihre Thesen raus und widersprechen anderen ohne dabei ohne auf die Argumente des Gegenübers einzugehen, bzw. sie picken sich nur das raus wovon sie eine meist rot-grün gefärbte Meinung haben. Auf diese Trolle antworte ich schon gar nicht mehr.

Re. Drohung eines Schutzschirmverfahrens, sehe ich das allerdings nicht so Kritisch wie manche Experten, sh. hierzu auch ein Kommentar in der Wirtschaftswoche

 https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/lufthansa-spohrs-gefaehrliche-drohung-mit-der-schutzschirm-insolvenz/25784162.html

Zum einen wurde in Amerika gezeigt, dass man sogar mehrmals eine Insolvenz durchlaufen kann und man dennoch Vertrauen der Finanzmärkte bekam. Zum anderen sind alle Airlines in einer vergleichbaren Lage. Da man nicht ohne Airlines in dieser Welt auskommen wird und es nach der Krise auch Gewinner gibt, die zur Zeit allerdings auch angeschlagen oder angezählt sind, wird sich das mit dem Vertrauen nicht nachhaltig negativ auswirken. Trotz aller Einschnitte, die es dann für Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Investoren gibt, kommt auch wieder eine Zeit des bergauf. Sometimes you win some sometimes you lose some.

Jetzt muuß die Devise lauten lauten so viel Wertschöpfung wie möglich in unserem Land und erweitert Europa zu halten.

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2020 14:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 04.05.2020 - 11:49 Uhr
Einfach nur zum Fremdschämen, was sich erwachsene Menschen hier immer so gegenseitig um die Ohren hauen. Wie wäre es denn mit Sachlichkeit und ein wenig mehr Toleranz bzw. Akzeptanz zwischen allen Forenteilnehmern?


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