Geplatzter Boeing-Deal
Älter als 7 Tage

Embraer ist auf der Suche nach einem neuen Partner

Embraer E175-E2
Embraer E175-E2, © Embraer

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SÃO JOSÉ DOS CAMPOS - Nach dem geplatzten Deal mit Boeing ist Embraer auf der Suche nach einem neuen Partner - das hat Präsident Francisco Gomes Neto angedeutet. Die Möglichkeiten auf dem internationalen Markt sind überschaubar, doch die Überlebenschancen des brasilianischen Flugzeugbauers hoch.

"Wir überarbeiten unsere Strategie für die kommenden fünf Jahre, zweifellos gibt es dabei auch Initiativen für potenzielle Partnerschaften", sagte Gomes Neto. "Möglicherweise sogar eine Produktionspartnerschaft." Wer genau dafür in Frage käme, wollte er bei dieser Gelegenheit nicht sagen, dafür sei es "noch zu früh".

Im Mai hatte Boeing den avisierten Zusammenschluss mit Embraer in letzter Minute platzen lassen. Ein teures und tiefgreifendes Ärgernis für Embraer: neben den 4,2 Milliarden US-Dollar, die Embraer nicht von Boeing bekommen hat, sind dem brasilianischen Flugzeugbauer eigenen Angaben zufolge 90 Millionen Euro Kosten mit der Vorbereitung des Deals entstanden. Plus 10 Millionen US-Dollar in jedem Monat, um den sich das Geschäft verzögert hat.

Inmitten der Covid-19-Krise steht Embraer nun ohne Partner da. Dennoch könnten die Vorzeichen schlechter sein: kein einziger Kunde hat nach Angaben der Geschäftsführung Aufträge storniert.

Neue Chancen in der Krise

Branchenbeobachter prophezeien zudem für die kommenden Jahre eine verstärkte Nachfrage nach Jets in der Größenordnung der Embraer E175-E2 bis E195-E2 und des Airbus A220.

Das weckt Begehrlichkeiten bei potenziellen Investoren. Mitsubishi hat erst im Juni für gut 550 Millionen US-Dollar die CRJ Series von Bombardier gekauft – und die Mittel für das eigene Regionaljet-Programm Spacejet für die kommenden zwei Jahre gekürzt. 

Als naheliegende Alternative zu Boeing bleibt die chinesische COMAC. Das staatliche Unternehmen könnte sich mit einem Einstieg in Embraers Zivilflugzeugsparte über Nacht einen wettbewerbsfähigen und gefragten Jet für 80 bis 160 Passagiere einkaufen.

Die Hindernisse eines solchen Geschäftes dürften insbesondere politischer Natur sein. Noch präsentiert sich der brasilianische Präsident als enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, der seit Jahren im Handelsstreit mit China liegt. Doch beide Präsidenten geraten in diesen Wochen zunehmend unter Druck - dass sie es in solchen Fällen mit Allianzen nicht allzu genau nehmen, haben sie während ihrer Amtszeit mehrfach bewiesen.
© aero.de (boa) | Abb.: Embraer | 12.06.2020 12:00

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Beitrag vom 13.06.2020 - 19:39 Uhr
Bei einem Regierungswechsel in Brasilien würde ich auch den Iran als Partner sehen.
Dieser hat Kapital, bald auch keine Sanktionen mehr und durch eine eigene Straße auch Bedarf.
Beitrag vom 13.06.2020 - 17:06 Uhr
Ich kann da als Investor nur China sehen.


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