Neustart in Frankfurt
Älter als 7 Tage

Condor legt den Schutzschirm ab

Condor Boeing 757-300
Condor Boeing 757-300, © Condor

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FRANKFURT - Condor will an diesem Donnerstag, rund ein Jahr nach der Pleite des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook in eine neue Zukunft aufbrechen. Wenn an der Frankfurter Messe die Gläubiger zusammenkommen, müssen sie über ein Sanierungskonzept entscheiden. Das ist in einem wichtigen Punkt unvollständig.

Das Unternehmen aus dem untergegangenen Reich des deutsch-britischen Reisekonzerns Thomas Cook will das im April aufgelegte Schutzschirmverfahren verlassen, ohne einen neuen Investor präsentieren zu können. An seine Stelle würde bei Zustimmung der Gläubiger ein sogenannter Treuhänder treten, die SG Luftverkehrsgesellschaft.

Das bisherige Management bliebe im Amt und ein erneuter Investorenprozess soll erst starten, wenn sich die Lage in der coronageplagten Luftverkehrsbranche wieder beruhigt hat. "Das kann in 12, aber auch erst in 36 Monaten der Fall sein", sagt eine Unternehmenssprecherin. Die Kabinengewerkschaft Ufo rechnet mit einer Entscheidung nicht vor dem Jahr 2025.

Ermöglicht wird der komfortable Schwebezustand mit einem langfristigen Kredit der staatlichen KfW-Bank über 550 Millionen Euro. Mit ihm ist ein anderer, weit kürzer laufender Kredit abgelöst worden, der Condor eigentlich in den Schoß der polnischen Staatsfluglinie Lot überführen sollte. Doch in der Corona-Krise gerieten die übernahmewilligen Polen selbst in Not und sagten den fest vereinbarten Deal am Ostermontag ab.

Condor startet mit 51 Flugzeugen und 4.200 Mitarbeitern in die neue Ära. Die Beschäftigten zweier Thomas-Cook-Schwestergesellschaften sowie einige Verwaltungsmitarbeiter haben in den vergangenen Monaten ihre Jobs verloren. Das Programm wird pandemiebedingt zunächst schmal ausfallen, denn Vorstandschef Ralf Teckentrup rechnet für den Winter nur mit einer Kapazität von 10 bis 15 Prozent des üblichen Angebots.

Im Sommer will "Tecke" bereits wieder 70 Prozent fliegen und die Beschäftigten nach Bedarf aus der Kurzarbeit zurückholen. Vorerst gibt es den Lohnersatz bis zum Jahresende 2021.

Mitarbeiter helfen bei der Sanierung

Condor fliegt nach eigenen Angaben zu sehr wettbewerbsfähigen Kosten. Unter dem Schutzschirm, der mildesten Form deutscher Insolvenzverfahren, hat sich das Unternehmen in Eigenverwaltung von einigem Ballast befreit. So wurde die teure Firmenzentrale direkt am Frankfurter Flughafen gekündigt und ein neues Domizil im nahen Neu-Isenburg gemietet, das nicht einmal ein Viertel der bisherigen Miete kostet.

Noch wichtiger sind Sanierungs-Tarifverträge mit den Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit. Sie bringen deutliche Kostenvorteile und schließen bei einer schlimmen Entwicklung nicht einmal Entlassungen aus - ein Zustand, von dem die große Lufthansa nur träumen kann.

Doch wer könnte die Condor einstmals übernehmen? Den meisten Fluggesellschaften dürfte nach überstandener Pandemie das nötige Kapital fehlen. Im ersten Investorenprozess vor Corona hatten sich neben der Lot-Mutter PGL noch die Finanzinvestoren Apollo und Greybull für den deutschen Ferienflieger interessiert.

Die wichtigen Reiseveranstalter haben der Condor in der Vergangenheit stets den Rücken gestärkt, weil sie nicht von den Konzernen Lufthansa und Tui abhängig sein wollen. Auch unter Corona-Bedingungen buchen die Touristiker in den wenigen verbliebenen Maschinen die Sitzplätze für ihre Pauschalreisen. "Condor ist für uns ein sehr verlässlicher Partner, mit dem wir weiterhin sehr eng zusammenarbeiten", sagt beispielsweise ein Alltours-Sprecher. Zum 31. Oktober hat Condor mit Varadero auf Kuba ein erstes Langstreckenziel wieder aufgelegt, mit angeblich sehr guter Buchungslage.
© dpa-AFX | Abb.: Condor | 19.10.2020 07:15

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Beitrag vom 19.10.2020 - 14:28 Uhr

Du hast was verwechselt und statt "Lufthanse" irrtümlich "Condor" geschrieben.


Mit sicherheit nicht, die LH war vor Corona ein profitables und erfolgreiches unternehmen.
Dann lag marktversagen vor.

2019 lag der ebit bei etwa 2 mrd Euro. Dennoch hat das Geschäftsmodell bereits vor corona gewackelt Was sich in der Bilanz abzeichnet. Die Umsätze waren die seit 2018 rückläufig. Der Aktienkurs legte ebenfalls einen kontinuierlichen Abwärtstrend hin. Die Nettoverschuldung stieg bis Ende 2019 auf 6 mrd Euro.

Du Zukunftsaussichten waren auch ohne corona offen.
Beitrag vom 19.10.2020 - 11:22 Uhr

Du hast was verwechselt und statt "Lufthanse" irrtümlich "Condor" geschrieben.


Mit sicherheit nicht, die LH war vor Corona ein profitables und erfolgreiches unternehmen.
Dann lag marktversagen vor.
Beitrag vom 19.10.2020 - 10:02 Uhr
Ich halte die Condor "Rettung" mit Staatsgeld weiterhin für einen großen Fehler.
In einem vor Wettbewerb nur so strotzendem Markt hat man die Marktbereinigungskräfte wie bei Alitalia ausgeschaltet.
Das ist Staatswirtschaft per Se, wie im Kommunismus.
So kann ein Markt sich natürlich nicht konsolidieren, den zum freien oder sozialen Markt gehört eben auch die schöpferische Zerstörung.

Condor war wenn überhaupt in den besten Touristik jahren marginal profitabel. Auf Kosten der Investitionen.
Sie fliegen uraltes Gerät, und kleinste Ansteige beim Spritpreis reichen um die Sache unrentabel zu machen.

Nun hat man einen Präzedenzfall geschaffen, indem man ein völlig unbedeutendes Unternehmen ohne jeden Gesamtwirtschaftlichen Mehrwert gerettet hat.
Ein Unternehmen mit nur 4000 Angestellten.
Mit 500 Mio. staatskredit gerettet.

Das war ein Verbechen gegen den Markt.



Du hast was verwechselt und statt "Lufthanse" irrtümlich "Condor" geschrieben.


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