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Boeing zweifelt an jedem dritten 777X-Auftrag

Boeing 777-9
Boeing 777-9, © Boeing

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CHICAGO - Boeing fürchtet wegen erneuter Verzögerungen bei der Entwicklung um mehr als ein Drittel seiner Bestellungen für die 777X. Der Konzern bezifferte seinen Auftragsbestand am Montag auf nur noch 191 Maschinen des Typs, 38 Prozent weniger als zuvor auf der Website des Konzerns angegeben.

Boeing schliddert von der einen Krise in die nächste: weil sich die Erstauslieferung der 777-9 auf Ende 2023 verschiebt, können einige Kunden von ihren Bestellungen zurücktreten.

Boeing erklärte den verringerten Auftragsbestand mit einer Bilanzierungsregel, nach der der Konzern gefährdete Bestellungen von der Liste nehmen müsse.

Boeing hatte vergangene Woche weitere Verzögerungen bei der Entwicklung und Zulassung des Modells bekanntgegeben. Mit der Verschiebung auf Ende 2023 liegt die erste Auslieferung rund drei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan.

Laut Konzernchef Dave Calhoun benötigt Boeing den Zeitpuffer, um strengere Anforderungen der Zulassungsbehörden "hinsichtlich Firmware und Hardware" der Flugsteuerungsysteme umzusetzen. 

Ende 2020 verbuchte Boeing in diesem Zusammenhang eine Sonderbelastung von 6,5 Milliarden US-Dollar, wodurch der Konzern für das Gesamtjahr einen Rekordverlust von 11,9 Milliarden Dollar verkraften musste.

In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC warnte Boeing davor, dass die Belastung bei der 777X im Fall von Stornierungen, Produktionskürzungen und Problemen bei Flugtests noch höher ausfallen könnte.

Bei der 777X handelt es sich um die spritsparende Neuauflage des langjährigen Verkaufsschlagers Boeing 777. Maschinen dieser Größe werden im Langstreckenverkehr eingesetzt, und dieses Geschäft wird sich nach Einschätzungen aus der Branche als Letztes von dem Einbruch infolge der Corona-Krise erholen.

Boeing hat die Produktion der 777 und 777X sowie des kleineren Langstreckenjets 787 "Dreamliner" stark gekürzt. Gleiches tat sein europäischer Rivale Airbus bei seinen Modellen A350 und A330neo. Wegen Qualitätsproblemen hat Boeing die Auslieferungen der 787 im November 2020 gestoppt - inzwischen stauen sich 80 Dreamliner an den Werken.

Emirates schwenkt auf 787 um

Die arabische Boeing-Großkundin Emirates hat bereits angedeutet, einen weiteren Teil ihrer Bestellungen von der 777X auf den "Dreamliner" umzuschreiben. Üblicherweise können Airlines von Aufträgen zurücktreten, wenn sich die Auslieferung eines Flugzeugs mehr als ein Jahr verspätet.

Dadurch hatte Boeing bereits Bestellungen über mehr als 1100 Exemplare seines Mittelstreckenjets 737 Max aus dem Bestand streichen müssen, nachdem das Unternehmen erst das Modell nach zwei tödlichen Abstürzen und einem behördlichen Startverbot mehr als anderthalb Jahre lang nicht ausliefern konnte.
© dpa-AFX | Abb.: Boeing | 02.02.2021 08:34

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Beitrag vom 08.02.2021 - 16:11 Uhr
@FW 190:
Ihre Aussage hat was an sich, vielleicht geht Boeing wegen der EASA vorsichtshalber auf Nummer sicher und haut gleich einen Zeitpuffer rein.
Es könnte sich irgendwann bestätigen, dass einige der spekulativ angeführten technischen Gründe einiger weniger Foristen sich dann als Nichtig herausstellen.
Beitrag vom 08.02.2021 - 13:15 Uhr
Wenn man sich die Aussagen der EASA ansieht, könnte hier Hintergrund der ganzen Spekulationen und Vermutungenzu finden sein. Also war es zu früh sich gegenseitig Unwissenheit oder Besserwisserei vor zu werfen....

"Die EASA hat Boeing ein eigenes Pflichtenheft für die Zulassung der 777X vorgelegt. Neue Verzögerungen der 777X gehen laut einem Medienbericht unmittelbar auf strengere Anforderungen der Europäer zurück ..."

Aber erst einmal draufhauen.
Beitrag vom 05.02.2021 - 08:05 Uhr

Das ist ein tiefgreifendes und systematisches Problem.
Das fing mit den B787 Batterien an, führte zu MCAS bei der Max.

Ich denke, dass sind 2 verschiedene Probleme
- die 787 war ein Greensheet Flieger, wo Boeing sehr viel neues probiert hat und auf Grund der Vielzahl der Neuerungen auch eine lange Lernkurve hatte. Dazu kam, dass man zuerst vieles outgesourced hatte und dann wieder alles zurück nehmen musste. Hier hat sicher die FAA auch genau hingeschaut und die Zulassung lief genau ab. Generell ist das auch das was ich von einem Pionier der Luftfahrt erwarte. Sie müssten auch den gleichen Weg gehen, für einen 737 Nachfolger.
- 747-8, 737MAX und 777x waren nur Updates. Man hat versucht mit kleinen Changes, Verbesserungen hin zu kriegen und das Grandfathering jedenfalls bei der 737 sehr weit ausgereizt. Das fällt ihnen nun auf die Füsse. Diese Überreizung des Grandfathering geht die FAA nicht mehr mit und damit muss nicht nur das Update auf Zuverlässigkeit sondern das Gesamtsystem auf Flugtüchtigkeit geprüft werden.

Bei den Aktoren der 777x könnte ich mir vorstellen, dass in der Grundversion nur analoge Regelkreise gab, nun will man die Werte in der Flugsteuerung aktiv nutzen und ein Computer kann nur digital. Wegen Grandfathering hat man nun den Regelkreis nicht angetastet sondern einen Sensor daran gebaut, der aus dem Regelkreis digitale Daten macht und umgedreht, dann den Regelkreis steuert. Nun wollten sie diese Sensoren als ein kleines Update der Flugsteuerung zertifizieren. Jetzt schaut aber die FAA genauer hin und sie müssen alles neu zertifizieren d.h. sie hätten auch gleich den analogen Regelkreis durch digitale Schrittmotoren ersetzen können.

Vermutlich sind in meinen Überlegungen Fehler, weil ich keine Ahnung von Flugzeugbau habe aber ich vermute so in diese Richtung liegen die Probleme bei Boeing.

Auch der dritte virtuelle AoA Sensor in der MAX10 ist vermutlich ein grösseres Update mit aufwendigen Zertifizierungen, wenn man das Grandfathering genau auslegt und vermutlich tut das FAA seit einem Jahr.

Dieser Beitrag wurde am 05.02.2021 08:08 Uhr bearbeitet.


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