"Riesenproblem"
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Junge Piloten kehren dem Cockpit den Rücken

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LONDON - Die Krise hat Tausende Piloten weltweit den Job gekostet. Erste Airlines stellen inzwischen zwar wieder systematisch Cockpitpersonal ein - die Schockwelle von 2020 wird aber noch lange nachwirken. Experten warnen vor einem Corona-Knick auf dem Arbeitsmarkt für Verkehrspiloten.

Mark Charman hat nach wie vor keinen einfachen Job. Rissen Airlines dem Chef des Personaldienstleisters Goose Aviation qualifizierte Bewerber vor der Krise förmlich aus den Händen, hat der abrupte Flugstopp im Frühjahr 2020 zu einem Infarkt auf dem Arbeitsmarkt geführt.

Freistellungen, Kurzarbeit - und Entlassungen: Piloten durchlebten 2020 weltweit die schweresten Karriereturbulenzen seit der Finanzkrise.

Als Goose Aviation kürzlich 30 Stellen für einige 737 Frachter zu vergeben hatte, gingen binnen 48 Stunden mehr als 400 Bewerbungen ein, verdeutlichte Charman die aktuelle Lage gegenüber der Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Von einer Entspannung kann - zumindest auf dem europäischen Arbeitsmarkt - noch keine Rede sein. Dennoch sieht Pilotenprofi Charman Fluggesellschaften "vor einem Riesenproblem". Warum?

Pilotenvermittler gelten als Pulsmesser der Branche. Der Arbeitsmarkt nimmt Erholungstendenzen vorweg - Airlines bereedern meist mit einigen Monaten Vorlauf. Die meisten Chancen auf einen neuen Job haben Piloten laut Charman derzeit bei Frachtairlines. Die Lage helle sich aber auch sonst wieder auf.

"Sie wollen über die Einstellung von Piloten sprechen - das ist nicht Ihr Ernst," bekam Charman laut einem Blogeintrag bis vor Kurzem auf Nachrichten von Goose von Airlines zu hören. Inzwischen antworteten Personalplaner konzilianter: "Vielen Dank, dass Sie sich melden - lassen Sie uns nächsten Monat reden."

Timing ist in der aktuellen Phase ohnehin alles. "Die Mehrheit der Piloten war seit Anfang 2020 nicht mehr in der Luft", sagte Charman. "Wir gehen davon aus, dass es einen Mangel an Piloten geben wird, die auf dem neuesten Trainingsstand und einsatzbereit sind, wenn die Fluggesellschaften wieder einstellen."

Sorge vor dem Corona-Knick

Ein demographischer Corona-Knick könnte die Knappheit verschärfen. "Piloten mit wenigen Flugstunden sind vom Markt quasi verschwunden", sagte Charman. "Wir vernehmen, dass viele von ihnen ihre Pilotenkarriere aufgegeben haben und in ihre früheren Berufe zurückgekehrt sind." Die meisten werden "wohl nie wieder" an ihren Pilotenjob anknüpfen.

Airbus geht seit letzter Woche von einer zügigeren Erholung der Luftfahrt aus als zuletzt - und hat sein Lieferziel für 2021 von 566 auf 600 Flugzeuge hochgeschraubt. Boeing errechnete 2020 - auf dem Höhepunkt der Luftfahrtkrise - einen weltweiten 20-Jahres-Bedarf von 763.000 Piloten.

In den USA fahren Airlines bereits wieder ihre Rekrutierungsziele für das Cockpit hoch: Delta Air Lines will in den nächsten 12 Monaten 1.000 neue Piloten an Bord holen, American Airlines plant 1.350 Neueinstellungen bis Ende 2022.

Der Konkurrent United will bis 2030 jedes Jahr 1.100 neuen Piloten die Uniform anpassen - und lässt das Ausbildungs- und Karriereprogramm "Aviate" wieder anlaufen.
© aero.de | Abb.: CAE | 03.08.2021 14:38

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Beitrag vom 04.08.2021 - 11:41 Uhr
In diesen Karriere- Ebenen wird Erfahrung hervorgehoben und wertgeschätzt. Wenn einer schon 30 Jahre lang fliegt, interessiert seine Meinung niemanden.
Was bringt die "Erfahrung" von 30 Jahre fliegen dem Management? Was hat das mit der Leitung eines Konzerns zu tun? Außerdem sitzen im Management der LH doch schon genügend von der Sorte, die sollten es doch wissen wenn da was Verwertbares dabei ist.
Beitrag vom 04.08.2021 - 11:26 Uhr
Es ist so heuchlerisch. "Experten warnen...". In diesen Karriere- Ebenen wird Erfahrung hervorgehoben und wertgeschätzt. Wenn einer schon 30 Jahre lang fliegt, interessiert seine Meinung niemanden.

Das ist richtig, aber mit dieser Erfahrung sind Piloten ja nicht alleine.
Fragen Sie mal zB. Ingenieure mit 30+ Jahren Berufserfahrung ob ihre Erfahrung von deren Managemnt wertgeschätzt wird oder ob sie eher als Problem angesehen wird ...
Beitrag vom 04.08.2021 - 09:40 Uhr
>
Von der Bahn sicher nicht...


Natürlich nicht, dafür müsste sie ja auch sauber sein, pünktlich kommen und in den Sicherheitsbereich fahren ...


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