A380 bleiben länger
Älter als 7 Tage   EXKLUSIV 

Emirates droht Boeing mit Rückzug aus 777X-Auftrag

Boeing 777-9
Boeing 777-9, © Fraport AG

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DUBAI - Sir Tim Clark, Chef von Emirates, hat Boeing mit einer Stornierung des Auftrags über 115 Boeing 777-9 gedroht, deren Launch Customer und bei weitem größter Abnehmer die Airline aus Dubai ist. Die Airline stoppt die Ausmusterungen von Airbus A380 - und will auch 777-300ER deutlich länger nutzen.

Flottenfrust in Dubai: "Wenn sich die für Juli 2023 geplante Zulassung (der 777-9, Red.) nochmals um ein Jahr verschiebt, werden wir das Programm vermutlich stornieren, so wie es derzeit läuft kann es nicht weitergehen", sagte Clark in einem Exklusivinterview mit dem australischen Portal "AirlinerRatings" und aero.de.

Der Emirates-Chef ist besorgt dass die jüngsten Verschärfungen der Zulassungsverfahren neuer Boeing-Flugzeuge durch die US-Luftfahrtbehörde FAA weitere Verzögerungen verursacht.

"Die FAA will jedes einzelne Flugzeug jetzt persönlich zertifizieren, das wird die Produktion nochmal erheblich verlangsamen", fürchtet Clark. "Man fragt sich, warum die FAA das tut und vor allem welche Auswirkungen das auf die 777-9 hat, an der alles neu ist."

"Komplett durcheinander"

Emirates leidet derzeit bei allen aktuell ausstehenden Flugzeugbestellungen unter Verzögerungen, die dazu führt, dass weder die 50 bestellten Airbus A350-900 noch die 30 ausstehenden Boeing 787-9 vor 2024 geliefert werden, ebenso wie die 777-9 - "wenn wir Glück haben", so Clark.

"Unser Vertrag mit Boeing ist komplett durcheinander geraten, und wir müssen das bis Ende Februar lösen, wir wollen weder die 787 noch die 777-9 stornieren, weil wir die Flugzeuge brauchen, aber wir wollen sie in dem Zustand, der vertraglich garantiert ist."

Für große Flugzeuge gibt es derzeit kein anderes Angebot auf dem Markt als die 777-9. "Wir können nirgends sonst hingehen, und was soll denn werden wenn die A380 eines Tages ausgemustert sind, was bleibt mir denn dann noch übrig?", fragt der Emirates-Chef.

Boeing hat bereits zwölf Exemplare der 777-9 für Emirates produziert, die derzeit ohne Triebwerke in den USA eingemottet sind. Allerdings sieht sich Boeing auch 2024 nur in der Lage, gerade mal drei bis fünf der bereits vorhandenen großen 777 an Emirates auszuliefern. "Wir appellieren an Boeing so ehrlich zu sein wie möglich, und auf die Frage ob sie auf dem richtigen Weg zur Zulassung im Juli 2023 sind antworten sie: ‚Ja, unter gewissen Bedingungen."

Clark macht klar, dass er nicht gewillt ist, weitere erhebliche Verspätungen der ersten Auslieferungen über 2024 hinaus hinzunehmen bei einem Flugzeug, das ursprünglich bereits seit April 2020 Teil der Emirates-Flotte sein sollte. "Wir haben bereits jetzt eine über vierjährige Verspätung. Wenn noch ein weiteres Jahr hinzukommt müssen wir die Frage stellen ob das Flugzeug überhaupt seinen Aufgaben gewachsen und wo das Problem ist," so Branchenveteran Clark.

30.000 Zyklen für die A380


Die Produktions- und Lieferprobleme beider großer Hersteller führen zu erheblichen Problemen für Emirates bei der Flottenplanung. "Wir sehen einige Lücken zwischen 2024 und 2026", erklärt Sir Tim. Daher hat sich Emirates entschieden, die Lebens- und Nutzungsdauer von bis zu 120 Flugzeugen gegenüber der ursprünglichen Planung erheblich zu verlängern.

Bei 80 der 118 aktiven A380 und 40 bis 50 Boeing 777-300ER soll die Lebensdauer um jeweils sechs bis zehn Jahre angehoben werden, um durch verspätete Auslieferungen neuer Flugzeuge sonst entstehenden Lücken vorzubeugen.

Dafür plant Emirates in Zusammenarbeit mit Airbus und der Luftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate die Anzahl der maximal zugelassenen Starts und Landungen der A380 von bisher 19.000 Zyklen (ein Zyklus entspricht je einem Start plus einer Landung) auf 25.000 oder 30.000 Zyklen zu erhöhen, um die Doppelstöcker länger nutzen zu können.

Bisher hat keine A380 von Emirates das Limit erreicht, auch die bereits ausgemusterten fünf A380 seien erheblich darunter geblieben. Die allererste mit dem Kennzeichen A6-EDA war jüngst als Teilespender für die übrige Flotte zerlegt worden - nur 13 Jahre nach ihrer Auslieferung 2008.

Bereits jetzt verlassen keine weiteren als die bisher fünf stillgelegten A380 die Flotte, anders als zuvor geplant.

Auch an Airbus sandte Tim Clark in dem Interview eine deutliche Warnung: Sollten die gleichen Probleme mit der Lackierung der A350 auch bei den ab 2024 an Emirates zu liefernden Flugzeugen auftauchen, "dann übernehmen wir die nicht, das haben wir Airbus unmissverständlich klargemacht," so der Emirates-Chef.

Derzeit sind bei Emirates alle 134 Boeing 777 in der Luft, viele allerdings nur für Fracht. Außerdem waren Mitte Februar 62 von 118 A380 im aktiven Einsatz. Bereits für Juli erwartet Emirates, dass die Nachfrage erstmals über jener des Vergleichsmonats 2019 liegt. Und das bei dann deutlich höheren Flugpreisen durch die knapper gewordenen Kapazitäten mit weniger Flugzeugen als vor der Pandemie.

Emirates hatte ihren Programmauftrag 2019 von 150 auf 126 777X zurückgedreht, elf Flugzeuge davon stehen noch unter dem Vorbehalt einer Bestätigung durch die Airline.
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Boeing, Lufthansa | 24.02.2022 06:57

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Beitrag vom 25.02.2022 - 11:05 Uhr
Die B779 ist Emirates auf den Leib geschneidert worden. Sie können den Flieger quasi garnicht stornieren, wie auch.

Mit über 4 Jahren Verspätung dürfte Emirates wohl das Recht für eine Stornierung haben benötigt aber trotzdem Flugzeuge. Flugzeuge werden meist im Betrieb immer besser und nicht bei der Zulassung. Emirates wird wohl Zahlen für die A350 kennen.

Das Recht ist das eine.
Den Ersatz haben das andere.
Ich denke auch, Qatar operiert den A35k ja aus dem Golf, den sehe ich eigentlich als logischen B77W nachfolger.

Denn die Frage ist schon, warum Emirates überhaupt die Füsse so lange still gehalten hat. Die A35k ist genauso gross wie die B77W, nur wesentlich leichter und effizienter.
Leider fehlt wohl etwas an Leistung.
Das stimmt so nicht. Es fehlt keine Leistung. Der A350-1000 hat zwar ein geringeres Schubgewichtsverhältnis von ca. 1,34 kN/t zu 1,46 kN/t bei der 777-300ER aber die neue 777-9 mit geleichem MTOW hat auch "nur" 1,37 kN/t. Die besseren Flügel brauchen weniger Schub für die gleiche Performance.

Ja, aber das heisst halt nicht das sie den A35k auch voll auf die Strecken bringen die Emirates will. Das GE90 ist halt schon ein Monster.


Ohne neues Triebwerk kriegt Airbus den A350 wohl auch nicht gestreckt, und das RR Advanced + Ultrafan kommt wohl nicht vor 2030, und auch der Open rotor wird wohl nichts werden so schnell.

Natürlich kann man den A350-1000 einfach strecken mit den aktuellen Triebwerken. Er hat dann halt weniger Reichweite. Dann kann Emirates aber weniger Fracht mitnehmen. Deswegen mag Emirates auch den A380 nicht so sehr. Ist der voll mit Passagieren, passt neben den Koffern kaum noch Fracht in den Laderaum.

Natürich kann man einen flieger immer weiter strecken, in der theorie.
Das er voll dann nurnoch vom einen ende zum anderen ende der Runway kommt, wen störrt es.
4m gehen glaube ich noch mit den 4 Türpaaren, dann hätte man 77m.
Aber man braucht mehr Schub oder mehr Flügel oder beides.
Und ein neues Triebwerk.

Klar die B78T wäre von der größe und vom CASM super. Nur kaufen fast alle den A359 weil der stretch dann wohl halt doch zuviel Einschränkungen mit sich bringt.


Umweltschutz ist vielfältig. Es gibt da auch Lärmschutz. Open rotor hat nur dann eine Chance, wenn die Triebwerke nicht lauter sind als die bisherigen.

CFM entwickelt einen, oder plant einen.
RR geht den Weg advanced core + GTF.
Pratt ist auch den Weg GTF gegangen, und will das PW 1000G wohl auch in richtung WBs entwickeln.

Schwer zu sagen was es wird. AUch schwer einzuschätzen was GE9X wirklich an verbesserungen bringt. GE behauptet es hat 10% auf das GE90, falls es wirklich einige % auf das Trent XWB hat wird es wieder schwer für Airbus.
Das Problem bei Boeing kann sein das in den 4 Jahren das GE9X ja nicht weiter entwickelt wird, wenn dann 2024 die B777x in den Dienst geht und gegen Ende des Jahrzehnts kommen
A350neo und B787Max mit neuen GTF Triebwerken, wird Boeing ein Problem haben.
Beitrag vom 24.02.2022 - 19:37 Uhr
Was ist denn das Problem bei den A350?

Laut der Meldung von letztem Dez:
 https://simpleflying.com/emirates-airbus-a350-order/

..könnte Boeing die A350-Slots vorziehen - so der Kunde das wünscht.
No Way!!! Don’t let Boeing even touch an Airbus :-)
Von daher versteh ich das Jahr 2024 im Artikel nicht. 2023 sollte doch kein Problem sein, oder?

Beitrag vom 24.02.2022 - 18:27 Uhr
Was ist denn das Problem bei den A350?

Laut der Meldung von letztem Dez:
 https://simpleflying.com/emirates-airbus-a350-order/

..könnte Boeing die A350-Slots vorziehen - so der Kunde das wünscht.

Von daher versteh ich das Jahr 2024 im Artikel nicht. 2023 sollte doch kein Problem sein, oder?



Dieser Beitrag wurde am 24.02.2022 18:27 Uhr bearbeitet.


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