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Erster Strafprozess zur 737 MAX endet mit Freispruch

Boeing 737 MAX 8 Simulator
Boeing 737 MAX 8 Simulator, © TRU Simulation

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DALLAS - Der ehemalige Chef-Testpilot der Boeing 737 MAX ist in einem Prozess um seine Rolle bei der Zulassung des Pannen-Flugzeugs freigesprochen worden. US-Staatsanwälte warfen ihm vor Gericht in Texas vor, Behörden falsche und unvollständige Angaben zu dem Assistenzsystem gemacht zu haben.

Dadurch seien Airlines und deren Piloten nicht über die Funktionsweise der Software unterrichtet worden, hieß es in der Anklage. Die Geschworenen sprachen den Piloten Mark Forkner in der Nacht zum Donnerstag am vierten Tag des Verfahrens frei, wie aus Gerichtsunterlagen hervorging.

Das System mit der Bezeichnung "MCAS" sollte den Piloten der 737 MAX helfen, das Flugzeug in der richtigen Trimmung zu halten. Es wurde notwendig, weil die Maschine eine modifizierte Version der 737 aus den 60er Jahren ist. Die MAX bekam größere Triebwerke - und dadurch konnte in manchen Fällen die Nase des Flugzeugs nach oben gehen.

Die Software sollte dann gegensteuern - und leicht korrigieren. Doch wie sich herausstellte, konnte MCAS auch in anderen Situationen eingreifen und die Maschine hart nach unten lenken - und zwar wesentlich stärker als ursprünglich bekanntgegeben. Bei den zwei Abstürzen in Indonesien 2018 und in Äthiopien 2019 waren Piloten nicht darauf vorbereitet.

Bei den Unglücken kamen 346 Menschen ums Leben. Die 737 MAX war während der Untersuchungen für 20 Monate mit Flugverboten belegt worden. Die Krise kostete Boeing Milliarden. Ermittlungen gegen den Konzern selbst waren am Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump mit einem 2,5 Milliarden Dollar schweren Vergleich beigelegt worden.

Boeing hatte der US-Luftverkehrsbehörde FAA ursprünglich mitgeteilt, dass MCAS nur in einer seltenen Situation eingreifen solle - wenn das Flugzeug scharfe Kurven bei hoher Geschwindigkeit mache. Doch im November 2016 stellte Chef-Testpilot Forkner im Flugsimulator fest, dass das System auch bei deutlich niedrigerem Flugtempo aktiv wurde.

"Also habe ich die Regulierer belogen (unwissentlich)", schrieb Forkner danach einem Kollegen im firmeninternen Chat. Dieser Austausch war bekannt, seit Boeing ihn 2019 veröffentlichte - und Forkner stand seitdem im Visier der US-Ermittler. Sie warfen ihm schließlich vor, seine Erkenntnisse nicht der FAA gemeldet zu haben.
© dpa-AFX | Abb.: TRU Simulation | 24.03.2022 08:48

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Beitrag vom 25.03.2022 - 09:41 Uhr
"Also habe ich die Regulierer belogen (unwissentlich)", schrieb Forkner danach einem Kollegen im firmeninternen Chat. Dieser Austausch war bekannt, seit Boeing ihn 2019 veröffentlichte - und Forkner stand seitdem im Visier der US-Ermittler. Sie warfen ihm schließlich vor, seine Erkenntnisse nicht der FAA gemeldet zu haben.

Also wenn das nicht für eine Verurteilung reicht verstehe ich die Welt nicht mehr. MUSS er nicht die FAA in einem solchen Fall informieren? Reine Spekulation: Hier werden andere Personen gedeckt. Bei Boeing und bei der FAA. Hoffnung: Die Schuldigen kommen doch noch auf die Anklagebank.


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