JFK
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New Yorks Hoffnungsträger Terminal One

New York JFK Terminal 1
New York JFK Terminal 1, © NY Port Authority

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NEW YORK -  Klotzen, nicht kleckern. Nach diesem Motto baut New York seinen Drehkreuzflughafen JFK im Stadtbezirk Queens am Marschland der Jamaica Bay, nahe der Atlantikküste gelegen, aus. Herzstück ist das 9,5 Milliarden Dollar teure Bauprojekt New Terminal One.

"Wir wollen JFK nicht nur zu einem der Top-Flughäfen der Welt machen, sondern zu dem Top-Flughafen überhaupt", postulierte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul mit amerikanischem Selbstbewusstsein, als sie am 13. Dezember 2021 feierlich die ersten Schaufeln Sand für die neue Großbaustelle wegschippte.

"Wir beweisen, dass wir weiter groß träumen können und finanzieren", bekannte die Politikerin, die sich bei Präsident Biden und Senatsmehrheitsführer Chuck Schumer für deren Unterstützung bedankte. "Das ist der Katalysator, um die Leute aus der Pandemie zu holen und um ihnen Jobs zu verschaffen. Jetzt ist der richtige Moment, um große Infrastrukturprojekte anzuschieben."

Bis etwa 2030 soll ein neues Zentralterminal anstelle der bisherigen Terminals 1, 2 und 3 (2013 abgerissen) mit 23 neuen Gates für internationale Passagiereentstehen. Das finale Bautempo bis zur Fertigstellung wird vom künftigen Verkehrswachstum abhängig gemacht. Die ersten neuen Gates sollen schon 2026 öffnen.

New York werde damit wieder mehr Besucher aus aller Welt gewinnen, so die Gouverneurin. Die Stadt habe während der Pandemie buchstäblich "auf den Knien gelegen" und müsse sich nun wieder aufrappeln. Sie selbst verbringe mehr Zeit am Flughafen als alle anderen, gab sich die Rechtsanwältin Hochul als Vielfliegerin zu erkennen.

New Yorks Hafenbehörde, der auch die Flughäfen unterstehen, feiert gerade ihr einhundertjähriges Bestehen. Und vor 100 Jahren habe New York mit der Spanischen Grippe eine vergleichbare Herausforderung überstanden, sich erholt und danach sogar einen Wirtschaftsboom verzeichnet, verbreitete Hochul Hoffnung. "Hier werden Sie Premium Service erhalten, auch wenn Sie in der Economy Class reisen."

Ein Großprojekt

22.300 Quadratmeter Fläche wird das neue Terminal 1 bieten. 10.000 Arbeitsplätze, davon 6.000 für Bauarbeiter, sollen entstehen. Die Bauaufträge gehen ausschließlich an gewerkschaftlich organisierte Unternehmen, die, laut Vertrag, anteilig auch ethnische Minderheiten und Frauen zu 30 Prozent beschäftigen müssen. Außerdem werden kleinere und ortsansässige Betriebe bevorzugt.

Ursprünglich hatte der T1-Flughafenausbau schon 2020 beginnen sollen, doch die Pandemie erzwang eine Verschiebung. Nun gelang der Wiederanschub mit politischem Rückenwind aus Washington D.C. und mithilfe eines privaten Konsortiums. Es darf anschließend die von ihm neu gebaute und weitgehend finanzierte Infrastruktur in JFK bis zum Jahr 2060 an Airlines und Geschäfte verpachten; zehn Jahre länger, als es zunächst geplant war.

Die Hafenbehörde kümmert sich derweil mit eigenen Investitionen in Höhe von 2,9 Milliarden Dollar um die Verkehrs- und Infrastrukturanbindung, darunter um ein neues Umspannwerk, denn alle Bodenfahrzeuge werden von Dieselbetrieb auf batterieelektrische Antriebe umgestellt. Warmes Wasser im Gebäude erzeugt künftig eine eigene Solaranlage auf dem Dach.

Partner bei dem Mammutprojekt sind Carlyle, JLC Infrastructure, die gewerkschaftseigene Ullico, Reach Airports (ein Joint Venture von Carlyle und dem Flughafen München), und CAG Holdings. Das Konsortium beauftragte bereits die Baufirma AECOM Tishman und die Architekturfirma Gensler mit der Ausführung.

Mehr Passagierkomfort

Das neue Terminal soll mit viel neuer Technik auch für die Passagiere angenehmer zu nutzen sein, etwa durch eine "berührungsfreie" Abfertigung mithilfe der Erkennung biometrischer Merkmale, digitale Passagierflussüberwachung und Warteschlangenerkennung, auch seitens der Transportschutzbehörde TSA.

Deren Systeme sollen dank offener Architektur für künftige Technologien nachrüstbar bleiben. Im gesamten Terminal wird ein kostenloses Hochgeschwindigkeits-WLAN zur Verfügung stehen.

New York JFK Terminal 1
New York JFK Terminal 1, © NY Port Authority
 
Der John F. Kennedy Airport ist New Yorks wichtigster internationaler Flughafen. Laut Hafenbehörde hängen allein 300.000 Arbeitsplätze in der Region vom Flughafen JFK ab, die pro Jahr 16,2 Milliarden Dollar Lohn und Gehalt einnehmen. Der Flughafen erzeuge jährliche Verkaufsumsätze in Höhe von 45,7 Milliarden Dollar für die Region.

Vor Corona, im Jahr 2019, lag das Verkehrsaufkommen in JFK bei 31,1 Millionen Passagieren. 2020 brach die Zahl der Fluggäste auf nur noch 8,27 Millionen ein. Seit April 2021 wird die Trendwende verzeichnet, die Zahlen stiegen seitdem wieder um 50 Prozent. Im Dezember 2021 bedienten 112 Airlines wieder 465 Ziele in 75 Staaten und flogen, allein im Dezember, 34.918 Mal.

Mit Abstand die wichtigsten Airlines sind Home Carrier JetBlue, Delta und American. Wichtigste internationale Route ist London-Heathrow.

Delta baut in JFK aus

Nur zwei Tage nach dem Startschuss für ihr New Terminal One gab Gouverneurin Hochul die nächste JFK-Terminalerneuerung bekannt: Branchenriese Delta erweitert, privat finanziert, Terminal 4 um zehn zusätzliche Flugzeugpositionen und vergrößert den eigenen Ankunfts- und Abflugbereich.

Schon 2023 soll das 1,5 Milliarden Dollar teure Projekt fertig sein. Es schafft 1500 neue Jobs, davon 1000 bei gewerkschaftlich organisierten Baufirmen.

Mit der gewaltigen Runderneuerung von JFK ist New York City im Begriff, eine lange Zeit fast unlösbar scheinende Mammutaufgabe erfolgreich zu bewältigen. War JFK doch als runtergekommen, überlastet und chaotisch verschrien.

New York, mit über 20 Millionen Einwohnern im Ballungsraum, setzt dennoch nicht nur auf einen Flughafen, sondern auf viele Standorte, darunter den Stadtflughafen LaGuardia und Newark im direkt benachbarten New Jersey. Alle diese Standorte wurden bereits wesentlich modernisiert und sind für weitere Ausbauten vorgesehen.
© FLUG REVUE - Sebastian Steinke | Abb.: NY Port Authority | 22.05.2022 07:19

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Beitrag vom 22.05.2022 - 17:55 Uhr
Es können natürlich nicht überall auf der Welt IHK Standarts herrschen aber fast 10 Mrd. für ein einziges Terminal und 1,5 Mrd. für 10 Gates ist schon heftig. Der ganze BER hat inkl. 10 Jahren Verspätung 6 Mrd. gekostet ... und die T1 Erweiterung in München 600 Mio für 6 Gates und Vorbau.


Da könnte man ja (fast) sagen:
'Der BER war ja glatt ein Schnäppchen" 😉.


"Die Bauaufträge gehen ausschließlich an gewerkschaftlich organisierte Unternehmen, die, laut Vertrag, anteilig auch ethnische Minderheiten und Frauen zu 30 Prozent beschäftigen müssen. Außerdem werden kleinere und ortsansässige Betriebe bevorzugt."
>
Dann haben die öffentlichen Bauträger in den USA mittlerweile den unseren sehr viel voraus.
Wenn es wirklich so passiert, dann: Chapeau!
Aha
Beitrag vom 22.05.2022 - 17:31 Uhr
Es können natürlich nicht überall auf der Welt IHK Standarts herrschen aber fast 10 Mrd. für ein einziges Terminal und 1,5 Mrd. für 10 Gates ist schon heftig. Der ganze BER hat inkl. 10 Jahren Verspätung 6 Mrd. gekostet ... und die T1 Erweiterung in München 600 Mio für 6 Gates und Vorbau.



"Die Bauaufträge gehen ausschließlich an gewerkschaftlich organisierte Unternehmen, die, laut Vertrag, anteilig auch ethnische Minderheiten und Frauen zu 30 Prozent beschäftigen müssen. Außerdem werden kleinere und ortsansässige Betriebe bevorzugt."

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