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Die Schlussrechnung der Lufthansa-Rettung

Lufthansa Cargo Boeing 777F
Lufthansa Cargo Boeing 777F, © Lufthansa

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FRANKFURT - Zu Anfang der Pandemie liefen bei Lufthansa pro Stunde eine Million Euro Verlust auf. Der Staat sprang Lufthansa mit Kreditlinien und Stillen Einlagen zur Seite. Als Sicherheit hinterlegte Lufthansa eigene Aktien. Dieser Rettungsdeal war für den Steuerzahler nicht ohne Risiko - hat sich aber gelohnt.

Gute zwei Jahre nach der spektakulären Lufthansa-Rettung hat der deutsche Staat die letzten Anteile an dem Airline-Konzern verkauft. Der bundeseigene Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hat dabei einen Gewinn von 760 Millionen Euro realisiert.

Ein Teil der Aktien ging an den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, der als größter Einzelaktionär des MDax-Konzerns seinen Anteil auf 17,5 Prozent aufstockte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr dankte am Mittwoch erneut der Bundesregierung und den Steuerzahlern für die Unterstützung in der schwersten Krise des Unternehmens.

Die Finanzagentur des Bundes hatte am Dienstagabend in Frankfurt mitgeteilt, der Bund habe die in der Corona-Krise aufgebaute Beteiligung an der Lufthansa beendet. Mit 1,07 Milliarden Euro überstiegen die insgesamt erzielten Erlöse aus dem Aktienpaket den eingesetzten Betrag von 306 Millionen Euro deutlich.

Der WSF war im Juni 2020 über eine Kapitalerhöhung in den Besitz von gut 20 Prozent sämtlicher Lufthansa-Aktien gekommen und hatte dafür nur den Nennwert von 2,56 Euro pro Stück zahlen müssen. Der Großteil des nun realisierten Gewinns erklärt sich aus der Differenz zum deutlich höheren Börsenkurs von derzeit um die 6 Euro.

Lufthansa hat zudem nach eigenen Angaben 92 Millionen Euro Zinsen für Kredite und Stille Einlagen des deutschen Staats gezahlt. Diese sind bereits zum November 2021 vollständig zurückgeführt worden.

Die Stillen Einlagen I und II, aus denen Lufthansa zeitweise 2,5 Milliarden Euro gezogen hatte, waren mit rund 4,0 Prozent verzinst. Zudem zahlte Lufthansa 2021 einen Koupon über 19 Millionen Euro.

"Lufthansa ist wieder vollständig in privater Hand", stellte Spohr fest. Mit dem vorzeitigen Ende des staatlichen Engagements, das noch bis Oktober 2023 hätte andauern dürfen, kehrt das Unternehmen vollständig in die Normalität zurück.

Es durften bereits seit der Rückführung der stillen Einlagen im November 2021 wieder Boni an die Manager und perspektivisch auch Dividenden an die Eigentümer gezahlt werden. Auch die Übernahme ausländischer Fluggesellschaften ist wieder möglich, wobei Lufthansa im Rennen um die italienische Alitalia-Nachfolgerin ITA zuletzt ins Hintertreffen geraten ist.

Neu ist hingegen der immer größere Einfluss des Aktionärs Kühne. Dieser hat zwar in Interviews angekündigt, sich aus dem operativen Geschäft heraushalten zu wollen, strebt aber nach Informationen des "Handelsblatts" mindestens einen Sitz im Aufsichtsrat an. Vorgesehen sei Kühnes Vertrauter Karl Gernandt, der spätestens zur nächsten Hauptversammlung am 9. Mai 2023 in das Kontrollgremium einziehen soll. Die schweizerische Kühne Holding AG des Hamburger Milliardärs lehnte dazu eine Stellungnahme ab.

Im Zuge der nun beendeten Staatsbeteiligung hatte Lufthansa zwei Aufsichtsräte berufen, welche die Interessen des WSF berücksichtigen sollten. Es handelte sich um die Hamburger Hafen-Chefin Angela Titzrath und den früheren Chef des Flughafens München, Michael Kerkloh. Beide sind laut Unternehmen ordentlich bestellt und müssen nun keineswegs automatisch zurücktreten.

Lufthansa verkauft Tafelsilber

Das Unternehmen verlässt die staatliche Obhut mit einem höheren Schuldenstand, weil die kostspieligen Staatshilfen mit Mitteln privater Geldgeber abgelöst wurden, nachdem die Insolvenzgefahr überwunden war. Mit einem Teilverkauf von Lufthansa Technik will der Konzern Milliarden für den Schuldenabbau erlösen.

Auch die Hilfen der Schweiz wurden inzwischen zurückgezahlt - die Schweiz hat dabei rund 60 Millionen Franken an Zinsen und Gebühren verdient.

Spohr hatte stets betont, dass er lieber am Kapitalmarkt verschuldet sei als beim Steuerzahler. Noch offen sind aber Staatshilfen aus Österreich (210 Millionen Euro) und Belgien (287 Millionen Euro), wie das Unternehmen in seinem jüngsten Quartalsbericht mitgeteilt hat.

Deutschland, Österreich, die Schweiz und Belgien hatten dem Lufthansa-Konzern nach dem Zusammenbruch des Luftverkehrs infolge der Corona-Pandemie unter die Flügel gegriffen. Insgesamt sagten sie dem Konzern neun Milliarden Euro zu, der Löwenanteil der Summe stammt aus Deutschland, dem Heimatland der Lufthansa.

Sechs Milliarden Euro einschließlich des Aktienpakets entfielen auf den WSF, während die staatliche KfW-Bank einen Kredit über eine Milliarde Euro beisteuerte. Das Gesamtvolumen von 9,0 Milliarden Euro hatte Lufthansa nicht ausgeschöpft.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 16.09.2022 09:44


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