Pilotenstreiks im Sommer?
Älter als 7 Tage

Die Atempause bei Lufthansa ist vorbei

Lufthansa Airbus A321
Lufthansa Airbus A321, © Lufthansa

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FRANKFURT - Bei der Lufthansa ist der hehre Versuch gescheitert, sich hinter verschlossenen Türen mit den Piloten grundsätzlich zu einigen. Nun herrscht wieder normales Tarifgeschäft. Die Streikgefahr steigt - und das nicht nur in den Cockpits der Lufthansa-Mainline. Das ist die aktuelle Lage.

Die Atempause im Dauerkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren rund 5.000 Stammpiloten hat nichts Greifbares gebracht.

"Wir sind jetzt wieder in ganz normalen Tarifverhandlungen", heißt es bei dem Unternehmen ebenso wie bei der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), nachdem vertrauliche Gespräche im "geschlossenen Raum" ohne Ergebnis beendet worden sind.

Damit steigt für die Passagiere die Streikgefahr im Sommer deutlich, obwohl VC-Tarifvorstand Marcel Gröls betont: "Ich kann mir gut vorstellen, dass wir ohne Streiks auskommen."

Noch sind knapp drei Monate Zeit, bis zum Ende des Monats Juni die Friedenspflicht ausläuft. Die Partner haben Verhandlungstermine vereinbart, einen Stillstand der Tarifgespräche gibt es nicht. Klar ist aber, dass die VC ihre noch nicht öffentlich kommunizierten Forderungen hochtreiben wird, nachdem sie mit ihren Ideen zur strategischen Ausrichtung des größten Luftverkehrkonzerns Europas offenbar nicht durchgedrungen ist.

Mit der Einrichtung des geschlossenen Raums, aus dem tatsächlich nichts nach außen gedrungen ist, war die Lufthansa im Herbst ihren wichtigsten Angestellten weit entgegengekommen. Hier konnte vergleichsweise frei gesagt und diskutiert werden, was einer Gewerkschaft in öffentlicher Debatte sonst schnell als unzulässiges Tarifziel ausgelegt würde.

So ist es der VC bereits einmal im Jahr 2015 gegangen, als das Landesarbeitsgericht Hessen einen Pilotenstreik wegen unzulässiger Ziele stoppte. Seitdem sind die Piloten in ihren öffentlichen Äußerungen extrem vorsichtig.

Offensichtlich bleibt, dass die VC ihren Einflussbereich bei der Lufthansa-Kerngesellschaft über den Konzerntarifvertrag (KTV) erhalten und für ihre Mitglieder gute Karrierechancen sichern will. Das funktioniert nur, wenn der Geltungsbereich des Tarifs nicht weiter zusammengedampft wird.

In der Vergangenheit hatte sich die VC in einem Extra-Vertrag die Zahl von 325 Flugzeugen zusichern lassen, die ausschließlich mit KTV-Piloten besetzt werden durften. Nachdem Lufthansa in der Corona-Flaute diesen Vertrag gekündigt hatte, ist im "geschlossenen Raum" offenbar keine Nachfolgeregelung gefunden worden.

Konzernchef Carsten Spohr treibt nunmehr die Planungen für den neuen Flugbetrieb "City Airlines" wieder voran, der perspektivisch die Lufthansa-Zulieferflüge an die Drehkreuze Frankfurt und München übernehmen könnte.

Der Kuchen der VC-Piloten würde kleiner, so dass eine bessere Bezahlung der Co-Piloten, die dann immer länger auf ihre Beförderung zum Kapitän warten müssten, eines der ersten Ziele der VC ist. Die Tarifkommission hat zudem zahlreiche Details zur Arbeitszeit auf die Agenda gesetzt, wie sie in einem Podcast erläuterte.

An der Streikbereitschaft der VC dürfte die Lufthansa-Geschäftsführung keine Zweifel hegen. Vor dem nur zehn Monate währenden Stillhalteabkommen hatte die Gewerkschaft am 2. September 2022 den Betrieb lahmgelegt, 800 Flüge verhindert und mit einer weiteren, längeren Streikrunde schon sehr konkret gedroht.

Zur vorläufigen Beruhigung der Gemüter hatte das Unternehmen die Grundgehälter der Piloten in zwei Schritten um 980 Euro erhöht, was je nach Einkommensstufe zwischen 5,5 und 20 Prozent mehr bedeutete. Die VC hatte ursprünglich einen automatisierten Ausgleich oberhalb der gegenwärtigen Inflation verlangt.

Die Pilotengewerkschaft hat zudem einen Hebel - auch bei den deutschen Tochterfirmen Eurowings und Cityline sind Tarifthemen offen. "Ab Juli sind Lufthansa, Eurowings und Cityline zeitgleich streikfähig", heißt es aus dem Gewerkschaftsumfeld.

Ebbe auf dem Arbeitsmarkt

Die äußeren Umstände haben sich seit dem Herbst für die Piloten nicht verschlechtert. In den USA zahlen die Gesellschaften erfahrenen Kapitänen nach überstandenem Corona-Schock bis zu 500.000 Dollar im Jahr. Und auch die Lufthansa sucht händeringend fliegendes Personal, während die ersten Boomer-Jahrgänge in Rente gehen.

Ausbildungschef Matthias Spohr hat angesichts stabiler Nachfrage und guten geschäftlichen Aussichten gerade erst bestätigt, dass man künftig jedes Jahr 500 neue Jungpiloten und Pilotinnen benötige, statt bislang zwischen 150 und 300.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 06.04.2023 10:30

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Beitrag vom 07.04.2023 - 17:37 Uhr
@ flydc9 Erklären Sie doch mal, was aus Ihrer Sicht die "besseren" Piloten, die nicht in D sind, so ausmacht.

Teuerer wird der LH Tarifvertrag sicher durch zahlreiche MTV Goodies und Überganfsversorguns-/Altersversorgungsthemen, bis hin zu betrieblichen FU Absicherungen. Natürlich wird der Laden immer komplexer, alleine, weil sehr viel mehr miteinander verzahnt werden muss und dezentral gesteuert wird.
Bei der Kostengünstigkeit der überhaupt nicht so hübschen Töchter muss man auch mal betrachten, dass diese von Muttern mit Transferleistungen und Know How schön gerechnet werden. Wenn die LH Technik z.B. bei der Tochter am Flieger anrückt, kostet das nur einen Teil dessen, was für die gleiche Leistung am Flieger der Mutter berechnet wird. Gesteuert wird dies dann aus der Konzernzentrale, die sich ja angeblich nicht in die Entscheidungen Ihrer Teilbetriebe einmischt. Wer's glaubt...
Die Schließung der eigenen Flugschule war ein Kardinalsfehler. Mein Tip ist, dass es schwierig wird, dad Volumen fremd zu schulen. Natürlich lässt sich sowas wieder mit einem Sack voll Geld wieder neu hochziehen. Dies als Profitcenter aufzuziehen, wird aber nicht klappen. Zudem hat Spohr durch die Behandlung seines Pilotennachwuchses auf Wartelisten, die abenteuerliche Interpretation von Verträgen , wodurch trotz Pilotenmangel gekündigte GW'ler nicht beschäftigt werden, bis hin zur Entscheidung das Personal der Konzerngesellschaften künftig bei der Vergabe von Flugzeugen gegeneinander auszuspielen auszuspielen, Jahren klar gemacht, was zukünftige Mitarbeiter von LH zu erwarten haben.
Sich am freien Markt mit Piloten einzudecken, war bei LH immer sehr selektiv, weshalb es auch da wohl nicht mehr geschafft haben, als schon bei den Tests in Hamburg. Um dort Massen zu rekrutieren müsste man seine Standards senken. Wundern würde mich das nicht, man würde aber ein weiteres wichtiges Asset aufgeben. Vor etwa 10 Jahren sollen einmal an über 80% schwerer Zwischenfälle Piloten beteiligt gewesen sein, die nicht selbst ausgebildet wurden.
Kann man jetzt deswegen eklatante Gehaltssteigerungen rausschlagen? Ich glaube nicht. Spohr lässt sich nicht durch die Manege treiben. Lieber lässt er Flieger stehen, verärgert Kunden mit schlechtem Service und zahlt 500mio direkte Streikkosten. Von indirekten Kosten gar nicht zu sprechen. Diese sollen dann demnächst den Kosten der streikenden Betriebe direkt zugerechnet werden. Langfristig wird er sich aber im Zweifel auch nicht den Marktbedingungen verschließen können. Spätestens, wenn US Airlines, oder solche vom Golf, Stationierungen hier in Deutschland anbieten, wird es spannend. Oder aber, wenn die FAA EU Lizenzen anerkennt.




Beitrag vom 07.04.2023 - 15:27 Uhr
Die von EWL schon, die sind da ziemlich transparent. Die Tabelle von März 2023 ist öffentlich. Wenn man das zusammenzählt, Grundgehalt und Dutypay bei 70Std/Monat kommt man für den FO 1. Stufe auf 58K/Jahr.

Und was ist mit den restlichen Zuschlägen? Energy Bonus, Travel Allowance...da kommt man bei 120h Sommer / 70h Winter auf 72k.
Sie sprachen von Einstiegsgehältern. Ich habe das auf die 70Std bezogen. Dann müssten Sie auch Gleiches mit Gleiches vergleichen. Was kosten ein FO auf der gleichen Stufe mit den gleichen BH? Was verdient denn ein LHA FO mit 120BH im Monat? Wierviel Spesen bekommt er denn?
Man steigert je nach Erfahrungsstunden, nicht automatisch jedes Jahr usw. Da ist noch Luft bis auf die vergleichbaren 70K. Man steigert je nach Erfahrungsstunden, nicht automatisch jedes Jahr usw.

Da habe ich andere Infos. Das Basic Salary steigert sich jedes Jahr automatisch. Da kommt man mittlerweile auf höhere Gehälter als bei EWG (zumindest bei den Kapitänen)
Die aktuelle Tabelle vom März 2023 in Palma gibt es bei EW unter Career-Crew... usw.
Auch wenn der Sprung beachtlich ist, ist es unterschiedlich. Die MTV Gimmicks zu vergleichen, da wäre ich vorsichtig, das könnte nach Hinten losgehen ;-)

Das muss man sich im Detail anschauen.
Können wir machen 42 Tage Urlaub vs. 30, 35 freie Tage/Quartal vs. 30, ...
Wer weiß schon was kommt? Da könnte man ja auch jetzt schon die kommende, aber noch unbekannte, VTV Erhöhung der LHA berücksichtigen. Da wird der Abstand schnell wieder stimmen.

Ist die schon verhandelt?
Keine Ahnung, aber Sie haben den noch kommenden MTV bei EWE in Spiel gebracht.
Eigentlich nicht, wo sehen Sie da Komplexität? Es gibt eine Zentralverwaltung, alle Basen auf einem AOC, Vergütung je nach Base-Bedingungen. Wenn es zu kompliziert wird, dann schließt man die Basis und bedient es von sonstwo, siehe Wien. Ryanair macht es vor, Wizz auch. Ich vermute, die Gewerkschaften haben da ihre Lektionen gelernt.

Alleine schon, was rechtliche Rahmenbedingungen angeht. Und welche Begehrlichkeiten diverser Gewerkschaften aus verschiedenen Ländern haben.
Unbestritten. Aber das macht es doch nicht komplexer. Die rechtlichen Rahmenbedingungen muss man einmal klären und dann vielleicht mal bei Änderungen nachbessern. Die GW sind bei 4 Ländern weniger als man in D im Haus hat. Da ändert sich auch nicht monatlich was. Wie gesagt, wenn es da eine größer Komplexität gäbe, Ryan, Wizz usw. haben da keine Probleme damit.

Dieser Beitrag wurde am 07.04.2023 15:39 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 07.04.2023 - 13:26 Uhr
Die von EWL schon, die sind da ziemlich transparent. Die Tabelle von März 2023 ist öffentlich. Wenn man das zusammenzählt, Grundgehalt und Dutypay bei 70Std/Monat kommt man für den FO 1. Stufe auf 58K/Jahr.

Und was ist mit den restlichen Zuschlägen? Energy Bonus, Travel Allowance...da kommt man bei 120h Sommer / 70h Winter auf 72k.

Man steigert je nach Erfahrungsstunden, nicht automatisch jedes Jahr usw. Da ist noch Luft bis auf die vergleichbaren 70K. Man steigert je nach Erfahrungsstunden, nicht automatisch jedes Jahr usw.

Da habe ich andere Infos. Das Basic Salary steigert sich jedes Jahr automatisch. Da kommt man mittlerweile auf höhere Gehälter als bei EWG (zumindest bei den Kapitänen)

Auch wenn der Sprung beachtlich ist, ist es unterschiedlich. Die MTV Gimmicks zu vergleichen, da wäre ich vorsichtig, das könnte nach Hinten losgehen ;-)

Das muss man sich im Detail anschauen.

Wer weiß schon was kommt? Da könnte man ja auch jetzt schon die kommende, aber noch unbekannte, VTV Erhöhung der LHA berücksichtigen. Da wird der Abstand schnell wieder stimmen.

Ist die schon verhandelt?

Eigentlich nicht, wo sehen Sie da Komplexität? Es gibt eine Zentralverwaltung, alle Basen auf einem AOC, Vergütung je nach Base-Bedingungen. Wenn es zu kompliziert wird, dann schließt man die Basis und bedient es von sonstwo, siehe Wien. Ryanair macht es vor, Wizz auch. Ich vermute, die Gewerkschaften haben da ihre Lektionen gelernt.

Alleine schon, was rechtliche Rahmenbedingungen angeht. Und welche Begehrlichkeiten diverser Gewerkschaften aus verschiedenen Ländern haben.


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