Weltuntergangs-Flugzeug
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Boeing steigt aus E-4B-Nachfolgeprojekt aus

Boeing E-4B
Boeing E-4B, © US Air Force

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WASHINGTON - In einem Nuklearkrieg wäre die E-4B wahrscheinlich das wichtigste Flugzeug der USA. Doch die Suche nach einem Nachfolger für die betagte fliegende Kontrollzentrale gestaltet sich schwierig - der logische Lieferant Boeing scheidet freiwillig aus dem Rennen um den Milliardenauftrag aus.

Die vier von der US Air Force als fliegende Kommandozentralen genutzten E-4B "Nightwatch" sind deutlich in die Jahre gekommen. Daher hat das Pentagon bereits 2020 ein Programm für einen möglichen Nachfolger gestartet.

Nun hat sich Boeing aus diesem SAOC-Projekt zurückgezogen (Survivable Airborne Operations Center). Das Unternehmen wollte sich nicht in einem weiteren Fix-Preis-Vertrag verfangen.

Wie "Reuters" zuerst berichtete, hat die US Air Force daraufhin Boeing aus dem Wettbewerb gestrichen, da sich die beiden Parteien nicht auf die Verteilung von Datenrechten und Vertragsbedingungen einige konnten.

"Wir behandeln alle neuen Vertragsmöglichkeiten mit zusätzlicher Disziplin, um sicherzustellen, dass wir unsere Verpflichtungen einhalten und die langfristige Gesundheit unseres Geschäfts erhalten", sagte das Unternehmen in einer Stellungnahme. "Wir bleiben zuversichtlich, dass unser SAOC-Ansatz die umfassendste, technisch reifste und risikoärmste Lösung für den Kunden und Boeing ist."

Milliardenverluste mit Fixpreisen

Mit Programmen wie dem T-7-Trainer, der KC-46 oder der VC-25B hat sich die Verteidigungssparte des US-Unternehmens schon eine blutige Nase geholt. Überschreitet ein Programm nämlich den vereinbarten Kostenrahmen, muss der Hersteller dafür geradestehen. Allein im vergangenen Jahr hatten Festpreis-Verträge für einen Verlust in Milliardenhöhe gesorgt.

Der zweite Knackpunkt war das Recht an den technischen Daten: die behalten die Firmen in der Regel, um sich lukrative Einnahmen bei der Instandsetzung nicht entgehen zu lassen.

Das US-Militär will bis 2028 die Summe von 8,3 Milliarden Dollar in den E-4B-Nachfolger investieren. Die Maschine auf Basis der Boeing 747-200 wird oft auch als Weltuntergangs-Flugzeug ("Doomsday Plane") bezeichnet, weil sie im Fall eines nuklearen Angriffs die Rolle der Befehlszentrale der USA übernehmen soll.

Die Vergabe des Vertrages plant die USAF für kommendes Jahr. Nach dem Ausscheiden Boeings befindet sich allerdings nur noch ein Kandidat im Rennen: Die Sierra Nevada Corporation.

Gebrauchte Jumbos

Die offizielle Vertragsausschreibung geht von der Modifizierung von zwei bis vier Flugzeugen aus. Sie spricht von einer "sehr großen Plattform" und stellte klar, dass die Regierung "gewillt ist, gebrauchte kommerzielle Flugzeuge in Betracht zu ziehen".

Aus Sicherheitsgründen kommt nur ein Vierstrahler infrage, und ausländische Produkte wie Airbus A380 dürften chancenlos sein. Also läuft es wieder auf einen Jumbo Jet hinaus, nur in einer moderneren Ausführung. Damit bleibt nur die 747-8 übrig.

Schwierige Suche

Doch Boeing hat ja bekanntlich die Produktion seines ehemaligen Flaggschiffs eingestellt und das letzte Exemplar von insgesamt nur 155 Einheiten der 747-8 am 31. Januar 2023 ausgeliefert. Auf die Passagiervariante entfielen nur 48 Stück. Davon fliegen allein 19 Jets bei der Lufthansa. Der Rest verteilt sich auf Air China (7), Korean Air (10) sowie auf VIP-Kunden (8) und ungenannte Käufer (2).

Die zwei ursprünglich für Transaero vorgesehenen 747-8I hat sich die Air Force bereits als Basis für die neue Air Force One (VC-25B) gesichert. Fast alle Airline-Jumbos befinden sich derzeit im Liniendienst, so dass sich die Suche nach geeigneten Flugzeugen als nicht ganz einfach erweisen dürfte.
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: USAF | 08.12.2023 06:28

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Beitrag vom 08.12.2023 - 09:18 Uhr
Man stelle sich 4 A380 von Emirates als Weltuntergangsflugzeuge der USAF vor. ;) Natürlich würden sie ihren Dienst tun, allerdings wäre es gleichzeitig ein Armutszeugnis für die USA die es offensichtlich nicht schafft selbst solche Flugzeuge zu produzieren.
Bisher ist es nur ein Armutszeugnis für Boeing selbst bei denen die Rechenabteilung es offensichtlich nicht schafft ein Projekt angemessen zu budgetieren und den Konzern dann Milliardenbeträge kostet. Man hat sich offensichtlich zu sehr daran gewöhnt alles billig anzubieten um Aufträge zu bekommen und dann anschließend das Budget um ein Vielfaches zu überschreiten. Evtl. war es das für Airbus daher kein Verlust den Tankerauftrag nicht bekommen zu haben, Boeing hat dieser Auftrag Milliardensummen und viel Ansehen (sofern es noch vorhanden war) gekostet.


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