F-35
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Das neueste Frankenstein-Flugzeug der US Air Force

US Air Force flickt zwei F-35 zusammen
US Air Force flickt zwei F-35 zusammen, © USAF

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SALT LAKE CITY - Wegwerfen ist zu schade: In einer einzigartigen Aktion will die US Air Force aus zwei verunfallten F-35 Lightning II wieder ein funktionsfähiges Kampfflugzeug basteln. Der Ansatz ist nicht völlig neu - die US Air Force hat in der Vergangenheit bereits andere Jets zusammengeflickt.

Mission Impossible? Selbst die US Air Force nennt das ganze ein "unmöglich erscheinendes Vorhaben".

Trotzdem arbeitet ein Team aus dem F-35-Programmbüro, dem 388th Fighter Wing, dem Ogden Air Logistics Complex und dem Hersteller Lockheed Martin auf der Hill Air Force Base in Utah am Zusammenfügen von zwei verunglückten Lightnings.

Im Mittelpunkt steht die Maschine mit der Konstruktionsnummer AF-211 (USAF-Kennung 17-5269) der 421st Fighter Squadron aus Hill. Bei dieser F-35A hatte ein Versagen des Bugrads im Juni 2020 zu schweren Schäden des vorderen Rumpfs geführt. Seitdem war sie in Hill eingelagert.

Da der hintere Teil unbeschädigt blieb, kam das F-35 Joint Program Office (JPO) auf die Idee, die Maschine wieder in die Luft zu bringen. Nur fehlte eine intakte Bugsektion. Genau die war so ziemlich das Einzige, was bei der AF-27 heil blieb. Die F-35A mit der Kennung 10-5015 hatte am 23. Juni 2014 bei einem Triebwerksbrand schwere Schäden erlitten.

Beim Start kam es zu einem Materialversagen in der dritten Stufe des Niederdruckverdichters. Teile einer aus dem Vollen gefrästen Laufscheibe mit Leitschaufeln (Integral Bladed Rotor, IBR) durchschlugen den Rumpf und beschädigten den Hochdruckverdichter. Das entstehende Feuer konnte erst nach sieben Minuten gelöscht werden.

Auf der Rumpfoberseite klaffte ein 25 mal 18 Zentimeter großes Loch. Da die Schätzung der Reparaturkosten auf mehr als 50 Millionen Dollar kam, schrieb die Air Force den Jet als Totalverlust ab und verwendete ihn seit 2019 in Hill als Übungsobjekt für die Behebung von Gefechtsschäden.

In den letzten Jahren hatte das JPO-Büro bereits aus Kostengründen die Bemühungen intensiviert, Teile und Systeme aus verunfallten F-35 wieder für die Lightning-Flotte nutzbar zu machen. Aber der "Franken-Bird" erreicht ein ganz neues Niveau.

"Alle Sektionen des Flugzeugs können theoretisch getrennt und wieder zusammengefügt werden. Aber bis dato wurde das noch nie gemacht. Das ist die erste F-35 ‚Frankin-bird‘ bis jetzt", sagt Lockheed-Ingenieur Scott Taylor.

Vorarbeit für neue Verfahren

Um die Segmente zusammenzuführen, musste das Team neue Werkzeuge, Gerüste und Ausrüstung entwerfen. Dabei hatten die Konstrukteure die Mobilität im Blick: Im Gegensatz zu den statischen, automatisierten Montagegestellen (Jigs) auf der Endmontagelinie in Fort Worth lassen sich die extra für die Franken-Lightning gebauten Vorrichtungen an jeden Ort transportieren. Daher können sie im Bedarfsfall auch international zum Einsatz kommen.

Trotzdem bleibt die Reparatur ein mühsames Unterfangen. Auch wenn man laut Air Force "einige Monate vor dem Plan" ist, soll es mit der Fertigstellung noch bis März 2025 dauern.

Dennoch dürfte sie sich nicht nur angesichts der neuen Instandsetzungs-Erfahrungen lohnen: Schließlich kostet eine neue F-35A derzeit rund 70 Millionen Dollar.

Frankenstein-Vorfahren

Das Verfahren ist nicht neu. Unter anderem ließ die US Navy aus Komponenten von Schweizer F-5E Tiger und eigenen F-5F drei neue Doppelsitzer "zusammenstoppeln". Das bekannteste Beispiel dürfte jedoch die "Franken-Hornet" sein. Im Jahr 2006 begann das finnische Unternehmen Patria mit der "Erschaffung" einer neuen Hornet.

Als Basis diente eine F/A-18C der finnischen Luftstreitkräfte, die 2001 bei einer Kollision in der Luft schwer beschädigt wurde. Die Maschine mit der Kennung HN-413 hatte zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 500 Flugstunden absolviert.

Aus Kanada kaufte man den vorderen Rumpf einer CF-188B und schuf so einen weiteren Doppelsitzer. Das Projekt nahm rund 100000 Arbeitsstunden in Anspruch. Am 3. Dezember 2009 startete der Jet - jetzt als F/A-18D mit der Kennung HN-468 – zu seinem erneuten Jungfernflug. Eine längere Karriere war ihm jedoch nicht vergönnt: Schon am 21. Januar 2010 stürzte er bei einem Testflug ab. Die Besatzung konnte sich mit ihren Schleudersitzen retten.
© FLUG REVUE - Patrick Hoeveler | Abb.: USAF | 09.12.2023 13:37

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Beitrag vom 10.12.2023 - 10:31 Uhr
Was sollen diese spöttischen Kommentare hier? Es ist völlig normal, havarierte Flugzeuge zu verwerten, das machen alle Streitkräfte; und wenn die Überprüfung nun ergibt, dass man aus den unbeschädigten Teilen der Havaristen noch eine F-35 zusammen bekommt, warum in aller Welt sollte man darauf verzichten?! Fiskalisch gesehen ist diese Vorgehensweise überaus verantwortungsbewusst, und die US-Luftwaffe wird sich freuen, dass ihr Bestand nur um eine Maschine schrumpft, nicht um zwei.
Könnten wir Deutsche was von lernen.
Beitrag vom 10.12.2023 - 01:20 Uhr
Ein Flugzeug "zusammenschustern"?
Da konnte man doch die Experten von Boeing um fachliche Unterstützung bitten...

Ich weiß auch nicht wie man auf die Idee kommen kann ein Flugzeug zu flicken! Die spinnen die Amis!!
Beitrag vom 10.12.2023 - 01:19 Uhr
Die Amis müssen es ordentlich notwendig haben wenn sie schon ihre Bomber flicken müssen....


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