SEOUL - Ende Dezember sterben 179 Menschen bei einem schweren Flugunfall am Flughafen Muan. Einen neuen Zwischenbericht zu Jeju Air Todesflug 2216 zieht Südkorea Minuten vor der geplanten Veröffentlichung zurück - das Dokument soll einen möglichen Bedienfehler der Piloten in den Vordergrund gestellt haben.
Muan, 29. Dezember 2024: Jeju Air 2216 aus Bangkok meldet im Anflug auf den Zielflughafen Vogelschlag. Die Piloten landen mit eingezogenen Fahrwerken - 264 Meter hinter dem Pistenende zerschellt die Boeing 737-800 an einem massiven ILS-Unterbau.
Der Unfall hat schlimme Folgen: 179 der 181 Insassen sterben in einem Inferno, zwei Besatzungsmitglieder überleben im Heckbereich.
Im Januar legte Südkorea einen ersten Faktenbericht zum Unfallhergang vor. Das Dokument zeichnet in erster Linie die letzten Flugminuten nach:
Um 08:54:43 Uhr Ortszeit meldet sich Jeju Air 2216 in Muan zur Landung an, die Piloten erkennen im Anflug auf Landebahn 01 unterhalb des Flugzeugs Vögel. Kurz darauf fliegt die 737-800 durch einen Schwarm Gluckenten.
Um 08:56:56 Uhr erklärt Flug 2216 einen Mayday-Notfall. Im Endanflug auf Runway 01 ziehen die Piloten die 737-800 nach rechts auf Landebahn 19. Die Maschine setzt ohne Fahrwerke auf, rutscht mit hoher Geschwindigkeit über die Piste - und wird um 09:02:07 Uhr beim Aufprall gegen den ILS-Unterbau zerrissen.
Die Localizer-Anlage in Muan war auf 19 massiven Betonpfeilern von je drei Meter Höhe und 26 Zentimeter Durchmesser installiert.
Im Nachgang stellte Südkorea auch an sieben anderen Regionalflughäfen im Land Hindernisse dicht hinter der Auslaufzone fest - ILS-Antennen wurden teils auf Stahlträgern, teils auf massiven Betonblöcken montiert.
Eklat vor PressekonferenzUmso mehr sorgt jetzt ein neuer Zwischenbericht für Irritationen.
Der Bericht der Transportsicherheitsbehörde KTSB sollte am Samstag veröffentlicht werden, Familien der Opfer erhielten vorab Einsicht. Eine neue Erkenntnis der Ermittler: Die Piloten sollen zunächst nicht das schwer in Mitleidenschaft gezogene Triebwerk #2, sondern irrtümlich Triebwerk #1 abgeschaltet haben.
Laut Hinterbliebenenanwälten stellt der neue Zwischenbericht vor allem auf den Vogelschlag und den vermeidlichen Pilotenfehler ab - und klammert die baulichen Aspekte des Flughafens Muan aus.
Eine angesetzte Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Zwischenberichts wurde kurzfristig abgesagt, nachdem Opferangehörige im Raum protestiert hatten. Medienteams des südkoreanischen Verkehrsministeriums sammelten bereits an anwesende Journalisten verteilte Kopien des Dokuments wieder ein.
"Die Familien haben zum Ausdruck gebracht, dass das Ergebnis von ihren Erwartungen abweicht und dass die Veröffentlichung nur eines Teils der laufenden Untersuchung irreführend sein könnte", teilte das Verkehrsministerium in einer Stellungnahme mit.
© aero.de | Abb.: KTSB | 21.07.2025 13:17
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Beitrag vom 22.07.2025 - 13:42 Uhr
Zudem da der Aufbau der ILS Antennen ( die wiegen keine zig Tonnen) auf einem deutlich fragileren Fundament ebenfalls ausreichend gewesen wäre.
Eine stabile Bodenplatte wäre OK, wenn sie eben mit dem Boden eingelassen ist und ein Flugzeug einfach darüber rutschen kann. Der Grund für die gewählte Konstruktion am Flughafen Muan ist einfach: Erde ist billiger als Stahl oder teure fragile Stützen, die genau für einen Crash ausgelegt sind.
Auf Google Earth kann mit sich mit StreetView die Pfosten für die Befeuerung der Anflugmittellinie ansehen. Massive Stahlpfosten mit einem Klappmechanismus für einfache Wartung. Wenn das überall in Korea so gebaut wurde, dann wird eine Umrüstung einfach teuer.
Beitrag vom 22.07.2025 - 09:58 Uhr
Erstaunlich ist , dass nun auch im Fall Air India Rückzüge gemacht werden. Für beide Fälle: Nein, die Piloten können es nicht gewesen sein eher ist ein Defekt in der Technik zu suchen. Mal sehen was am Ende dabei herauskommt.
Beitrag vom 21.07.2025 - 18:15 Uhr
Ich will das niemanden vorwerfen, aber der Versuch der Angehörigen die Schuld eher beim Flughafen als bei den Piloten zu suchen, kann ich mir eigentlich nur damit erklären, dass hier auch Schadensersatzgeld einklagbar wäre?
Die Meinungen zu dem Bericht waren auch auf AVH alles andere als positiv. Als Einziges Fazit "Der Copilot war Schuld" zu veröffentlichen, ohne Fakten/Beweise kam auch bei nicht finanziell motivierten Lesern nicht wirklich gut an.
Eine waagerechte Betonplatte auf einem 3-4m hohen Erdwall am Ende der Auslaufzone einer Piste ist eine objektiv ganz blöde Idee, ich denke da sind wir uns alle einig, oder?
Das Ding hat wie eine Klinge durch fast die gesamte 737 geschnitten.
Zudem da der Aufbau der ILS Antennen ( die wiegen keine zig Tonnen) auf einem deutlich fragileren Fundament ebenfalls ausreichend gewesen wäre.
Auch die Maßnahmen des Flughafens gegen Vogelschlag (der eigentliche Auslöser der Notlandung) sollten Teil der Betrachtung werden.
Denn letztendlich soll der Unfallbericht ja aufzeigen, wie ein solches Unglück in Zukunft vermieden werden kann.
"Copiloten sollen keine Fehler mehr machen" reicht da als Fazit nicht.
Dieser Beitrag wurde am 21.07.2025 18:16 Uhr bearbeitet.
Kommentare (6) Zur Startseite
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Eine stabile Bodenplatte wäre OK, wenn sie eben mit dem Boden eingelassen ist und ein Flugzeug einfach darüber rutschen kann. Der Grund für die gewählte Konstruktion am Flughafen Muan ist einfach: Erde ist billiger als Stahl oder teure fragile Stützen, die genau für einen Crash ausgelegt sind.
Auf Google Earth kann mit sich mit StreetView die Pfosten für die Befeuerung der Anflugmittellinie ansehen. Massive Stahlpfosten mit einem Klappmechanismus für einfache Wartung. Wenn das überall in Korea so gebaut wurde, dann wird eine Umrüstung einfach teuer.
Die Meinungen zu dem Bericht waren auch auf AVH alles andere als positiv. Als Einziges Fazit "Der Copilot war Schuld" zu veröffentlichen, ohne Fakten/Beweise kam auch bei nicht finanziell motivierten Lesern nicht wirklich gut an.
Eine waagerechte Betonplatte auf einem 3-4m hohen Erdwall am Ende der Auslaufzone einer Piste ist eine objektiv ganz blöde Idee, ich denke da sind wir uns alle einig, oder?
Das Ding hat wie eine Klinge durch fast die gesamte 737 geschnitten.
Zudem da der Aufbau der ILS Antennen ( die wiegen keine zig Tonnen) auf einem deutlich fragileren Fundament ebenfalls ausreichend gewesen wäre.
Auch die Maßnahmen des Flughafens gegen Vogelschlag (der eigentliche Auslöser der Notlandung) sollten Teil der Betrachtung werden.
Denn letztendlich soll der Unfallbericht ja aufzeigen, wie ein solches Unglück in Zukunft vermieden werden kann.
"Copiloten sollen keine Fehler mehr machen" reicht da als Fazit nicht.
Dieser Beitrag wurde am 21.07.2025 18:16 Uhr bearbeitet.