PPV-Flottenzusage
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Piloten strengen Schiedsverfahren gegen Lufthansa an

Lufthansa Airbus A320
Lufthansa Airbus A320, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die Perspektivvereinbarung (PPV) garantierte Lufthansa-Piloten 325 Flugzeuge unter Kerntarif. Lufthansa hat den Deal mit den Piloten Ende 2021 gekündigt. Jetzt soll ein Schiedsgericht klären, an welche Flottengröße Lufthansa seither noch gebunden ist. Dazu gibt es höchst unterschiedliche Sichtweisen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wittert einen Verstoß gegen die in der Perspektivvereinbarung (PPV) zugesicherte Mindestflottengröße bei Lufthansa und Lufthansa Cargo.

Ein gegen den Konzern gerichtetes Schiedsgerichtsverfahren soll Klarheit schaffen. Die Einberufung hatte Cockpit bereits Ende 2024 angekündigt, danach nach eigenen Angaben aber weitere Einigungsversuche unternommen.

"Wir haben der Arbeitgeberseite über Monate hinweg mehrere Gelegenheiten eingeräumt, mit uns gemeinsam die unterschiedlichen Sichtweisen aufzuarbeiten", sagte Cockpit-Präsident Andreas Pinheiro. "Trotz zweier Gespräche und mehrfacher anwaltlicher Schreiben wurden unsere Argumente weder konstruktiv beantwortet noch inhaltlich entkräftet."

Lufthansa hatte den Konzernpiloten 2017 über die PPV eine Flottenuntergrenze von 325 Flugzeugen im Kerntarif garantiert, die Vereinbarung Ende 2021 aber rasiert.

Die PPV-Flottenzusage war Anno 2017 ebenso schlank wie konkret: 103 Interkont- und 174 Kontflugzeuge bei Lufthansa, zehn Frachter bei Lufthansa Cargo und 38 Maschinen bei Germanwings - in Summe: 325 Maschinen. Germanwings gibt es inzwischen nur noch als AOC.

Durch die Kündigung der PPV fallen Lufthansa und Cockpit stufenweise auf die Basis des Konzerntarifvertrags (KTV) zurück. Die Flottenzusage löst sich also nicht in Luft auf, Lufthansa konnte aber ab 2022 einen Sinkflug einleiten. Genau das macht Lufthansa seither.

Der intern auch "Abschmelzungsphase" genannte Prozess sah zunächst einen Abbau von 23 Kontflugzeugen in grob gleichen Schritten zwischen 2022 und 2027 vor. "2027 sind wir wieder genau dort, wo wir 2017 losgelaufen sind, nämlich im KTV", heißt es in einem internen Cockpit-Schreiben aus dem Jahr 2024, das aero.de vorliegt.

Laut Cockpit blutet die Kernflotte auf dem Weg dahin allerdings schneller - und mehr - aus als nach Lesart der Gewerkschaft zulässig wäre.

Freiwilligenprogramm und GWI-Aus helfen Lufthansa

Lufthansa stützt dies laut Kreisen auf Tarifmechanismen, die aus Konzernsicht mehr Spielraum für interne Flottenverlegungen zulassen: Über ein Abfindungsprogramm hatten 389 Konzernpiloten Lufthansa in der Krise verlassen - rund 250 mehr als vorgesehen. Entlang strenger KTV-Logik bedingen weniger KTV-Piloten auch weniger KTV-Flugzeuge.

Ein früherer Cockpit-Präsident hatte schon Ende 2021 intern auf einen breiten Korridor hingewiesen, in dem sich Lufthansa durch die hohe Inanspruchnahme des Freiwilligenprogramms beim Flottenabbau wird bewegen können: Neben der zähen Reduktion um 23 Flugzeuge sei ein Abbau "um bis zu 72 Flugzeuge" auf einen Schlag möglich.

Die Pilotenvertretung warf Lufthansa 2024 zudem vor, die PPV-Zusage mit einer Bande über das entkernte Germanwings-AOC weiter auszuhöhlen.

Cockpit will jetzt klären, was gilt. "Die Einleitung des Schiedsverfahrens markiert einen weiteren Tiefpunkt der Sozialpartnerschaft", sagte Arne Karstens, Sprecher der Group-Tarifkommission (GTK).

Der Ausgang des Verfahrens ist laut Konzernkreisen völlig offen. Im Falle eines Erfolgs des Schiedsverfahrens wäre Lufthansa laut Cockpit zur Zahlung von Vertragsstrafen "in Millionenhöhe" verpflichtet.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 19.12.2025 13:02


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