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Jede zweite Airbus A320neo und alle Airbus A220 und Embraer E2 stemmen sich mit Pratt & Whitney-Triebwerken der Serie PW1000G in die Luft. Eine 2023 gestartete Rückrufaktion dauert an.
Scheiben der ersten und zweiten Stufe der Hochdruckturbine, Blisks der siebten und achten Stufe des Hochdruckverdichters und die hinteren Scheiben wurden aus einem verunreinigten Metallpulver gebrannt - dadurch drohen Risse. Erst Ende 2023 stellte Pratt & Whitney den Fehler der laufenden Produktion ab.
Rund 3.000 Triebwerke weltweit müssen geprüft, runderneuert oder ausgewechselt werden. Der rund acht Milliarden US-Dollar teure Mammutrückruf stresst Fluggesellschaften auch an der Schwelle zum neuen Jahr. Fehlende Ersatztriebwerke und -teile zwingen betroffene Flugzeuge in oft mehrmonatige Liegezeiten.
Ende Oktober hielten Fluggesellschaften weltweit 835 Flugzeuge GTF-Triebwerken am Boden, vermerkt der Flottentracker "Cirium" von "Flightglobal" - rund 90 mehr als noch im Sommer. Von 1.912 Airbus A320neo mit GTF-Triebwerken fielen laut der Momentaufnahme zuletzt 720 Flugzeuge aus, 38 Prozent der globalen Flotte.
Einzelne Flugzeuge haben 2025 komplett verpasst: ITA Airways, eine Lufthansa-Beteiligung, stellte die A320neo EI-HJD am 20. Januar in Neapel ab - dort steht sich das Leasing-Flugzeug, Monatsrate 350.000 Euro, noch immer Fahrwerke in den Bauch. ITA Airways will will Pratt & Whitney für Flottenausfälle in den Airbus-Teilflotten A320neo und A220 mit 150 Millionen Euro in Regress nehmen.
Unter den 459 Airbus A220 der Weltflotte meldeten Airlines 86 Flugzeuge für 30 Tage oder länger ab. Swiss entlastet die Teilflotte 2026 mit einer temporären Stilllegung aller neun A220-100. Die GTF-Triebwerke der Teilflotte will die Lufthansa-Tochter an ihren A220-300 verwenden.
Ein Lichtblick: Von weltweit 184 Embraer E2 fielen zuletzt nur noch 29 Flugzeuge aus. Pratt & Whitney will das "AOG-Problem" bis Ende 2026 weitgehend lösen. Wizz Air rechnete zuletzt allerdings noch bis Ende 2027 mit Flottenausfällen - die Günstigairline ist in ihrer Flotte besonders stark von der Rückrufaktion betroffen.
Nicht jede Liegezeit steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der GTF-Problematik, auch andere Wartungsarbeiten legen Airlines - soweit möglich - eher auf Wintermonate. Laut "Cirium" verzeichneten Teilflotten mit CFM LEAP-Triebwerken, die an Airbus A320neo und Boeing 737 MAX laufen, Ende Oktober allerdings nur eine Ausfallquote von 3,5 Prozent.
An dem GTF-Programm ist auch der deutsche Hersteller MTU beteiligt. Bis zu 18 Prozent eines GTF-Triebwerks stammen von MTU, der Dax-Konzern betreibt zudem eine von weltweit drei Endmontagelinien für das Triebwerk.
Das Rückrufprogramm komme weiter voran - und auch die Durchlaufzeiten in den sogenannten Wartungs-Shops verkürzten sich weiter, hatte MTUs Finanzchefin Katja Garcia Vila im Oktober erklärt.
Startbeschränkungen bei gefrierendem Nebel
Kurz darauf musste Airbus Fluggesellschaften eine weitere Hiobsbotschaft in Zusammenhang mit dem Triebwerk überbringen. Der Hersteller hatte Betreiber im November über Änderungen der bestehenden Verfahren für den Betrieb der Triebwerke am Boden bei Vereisungsbedingungen ins Bild gesetzt.
Die Einschränkungen gelten für Starts bei schlechten Wetterbedingungen mit gefrierendem Nebel und einer Sichtweite von weniger als 150 Metern. Airbus steht den Angaben zufolge in engem Austausch mit den Fluggesellschaften. Zudem arbeite die RTX-Tochter Pratt & Whitney an einer Lösung.
© aero.de, dpa | Abb.: Airbus | 02.01.2026 06:18







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