Flug CSB7598
Älter als 7 Tage

Boeing 767-300F kollidierte mit Kleinbus mit sieben Insassen

Verunfallte Boeing 767-300F
NTSB-Ermittler an der Unfallstelle, © NTSB

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MIAMI - Ein Flugzeug des Onlinehändlers Amazon schießt in Miami Hunderte Meter über die Landebahn hinaus, reißt zwei Fahrzeuge mit - und tötet mindestens fünf Menschen. US-Ermittler werten Flugschreiberdaten und Videoaufnahmen aus. Doch zunächst hat etwas anderes Vorrang.

Flughafen Miami International, 6. September 2026: 21 Air Flug 7598 landet um 13:53 Uhr Ortszeit aus Puerto Rico.

Die Boeing 767-300F, ein Umbaufrachter mit Amazon-Logos, kommt nach Radaraufzeichnungen schnell rein. Der Wetterinformationsdienst warnt anfliegende Besatzungen vor Gewitterzellen rund um Miami und wechselnde Windverhältnisse am Flughafen.

Erst in der Pistenmitte setzt Flug 7598 auf Runway 30 auf, zunächst hat nur ein Fahrwerk Bodenkontakt. Die Piloten ziehen die Landung durch, können den Frachter aber nicht abbremsen.

Der Frachter pflügt durch mehrere Flughafenzäune, schießt über eine vierspurige Straße am Flughafen - und kommt erst knapp 400 Meter hinter der Landebahn zum Halt.

Zwei Fahrzeuge - einen Kleinbus und ein Toyota-SUV - reißt die 767-300F mit. Mindestens fünf Menschen sterben in den Wracks, fünf weitere sind verletzt. Drei Personen befinden sich Berichten zufolge in kritischem Zustand. 

Wie konnte es dazu kommen? Nach dem Unfall des Amazon-Frachtflugzeugs in Florida haben die Ermittler die Flugschreiber gesichert. Sie sollten noch am Montag zur Zentrale der Bundesverkehrssicherheitsbehörde NTSB gebracht und dort ausgelesen werden, sagte eine NTSB-Vertreterin.

In den kommenden Tagen werde ein Team von Dutzenden Experten die Unfallstelle untersuchen, doch zunächst habe die Bergung aller Leichen Vorrang.

Das NTSB rief Augenzeugen dazu auf, Fotos und Videos des Unfalls einzuschicken, um den Hergang rekonstruieren zu können. Einige neue Details gab die Behörde dennoch jetzt schon bekannt:

- An Bord des Frachtflugzeugs waren zwei Crewmitglieder.

- Es war der dritte Flug der Maschine an dem Tag: Zunächst flog er von Cincinnati nach Miami, dann von dort nach San Juan auf die Karibikinsel Puerto Rico und von dort wieder zurück nach Florida.

- Bei dem Unfall kollidierte das Flugzeug mit einem Kleinbus auf dem Flughafengelände. Darin saßen sieben Personen. Der Wagen gehörte einer Reinigungsfirma, die für Fluggesellschaften tätig ist.

- Danach durchbrach das Flugzeug einen Zaun und prallte mit einem Auto außerhalb des Flughafengeländes zusammen. Wie viele Personen in diesem Wagen saßen, blieb unklar.

NTSB: Verheerende Lage 

Genaue Angaben zu den Toten und Verletzten machte die Verkehrssicherheitsbehörde nicht. Nach Feuerwehrangaben sind mindestens fünf Personen tot. An der Unfallstelle musste ausgelaufener Treibstoff entfernt werden, wie es von NTSB hieß. Weiterer Treibstoff werde aus dem Flugzeug abgepumpt.

Die NTSB-Vertreterin bezeichnete die Lage vor Ort als verheerend. Überall lägen Trümmer herum. Die Piloten haben den Unfall überlebt, waren zunächst aber im Wrack gefangen.

Der Flughafen in Miami hatte nach dem Unglück vorübergehend den Flugverkehr eingestellt. Am Montag war ein Teil der Start- und Landebahnen wieder frei. Florida ist bei Touristen sehr beliebt. Am Wochenende waren wegen eines Feiertags am Montag zudem viele Amerikaner auf Reisen unterwegs. Miami zählt zu den großen Verkehrsflughäfen in den USA.

Mehrere Unfälle mit Amazon-Frachtern

Amazon setzt Frachter mehrerer Betreiber ein.

Flug 7598 markiert bereits den zweiten Runway-Overrun einer Boeing 767-300F im Auftrag des Onlineriesen innerhalb von zwei Jahren - am 19. November 2024 hatte eine Maschine des Betreibers Cargojet die Landebahn 08L am Flughafen Vancouver um rund 380 Meter überschossen.

Ausgangspunkt der Bruchlandung war laut kanadischen Ermittlern ein Problem mit den Landeklappen. Die Insassen überlebten.

Fünf Jahre vorher war eine andere 767-300F mit Amazon-Prime-Air-Logos, Atlas Air Flug 3591, im Anflug auf Houston in eine Bucht gestürzt. Beide Piloten starben. Das NTSB führte den Unfall auf menschliches Versagen zurück - nach einer unbeabsichtigen Aktivierung des Go-Around-Modus hatte die Crew die Kontrolle über das Flugzeug verloren.
© dpa, aero.de | Abb.: NTSB | 08.09.2026 06:30

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Beitrag vom 09.09.2026 - 13:39 Uhr
Nein, man muss nicht 9kts Rückenwind akzeptieren. Auch nicht die kürzeste aller verfügbaren Landebahnen. Die Fehlerkette beginnt schon viel früher, in dem Moment, als man diese Landebahn unter den vorherrschenden Bedingungen akzeptiert, obwohl es offensichtlich bessere Alternativen gab. Der Wind hat anscheinend erst im Anflug um 70 Grad gedreht, allerdings bekommt man mit der landing clearance selbst in den USA noch einen aktuellen Towerwind. Spätestens hier sollte man merken, dass eine Landung unter den gegebenen Verhältnissen nicht akzeptabel ist.
Beitrag vom 09.09.2026 - 12:00 Uhr
Muss man 9 knts Rückenwind akzeptieren?
Die Arbeitsbedingungern mögen supoptimal sein - aber: Die Amis sagen doch auch "cover your ass and do the best".
Spring man ohne zu denken aus dem Fenster, wenn es der AG fordert?
Und jetzt haben FAA bzw. NTSB und die Justiz das letzte Wort.
Ich unterstelle hierbei, dass es keine Notlage gab.


Dieser Beitrag wurde am 09.09.2026 12:06 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 09.09.2026 - 11:53 Uhr
Ich halte es diesem Fall wie immer: der Verursacher eines Ereignisses steht für mich nach Vorlage der relevanten Beweise auf Grund ermittelter Fakten fest. Der oder die Schuldigen nach Abschluss eines eventuell bevorstehenden Strafverfahrens. Jedenfalls nicht auf Grund eines Videos und erster Erkenntnisse. Bis dahin lese ich gerne interessiert weiter mit.


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