Flug VN34
Älter als 7 Tage

BFU: "Bremsaktivierung" im Startlauf

Flug VN36
Flug VN36, © BFU

Verwandte Themen

MÜNCHEN - Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) teilt erste Erkenntnisse zum Beinaheunglück am Münchner Flughafen Mitte August mit. Der Flugschreiber der Boeing 787-9 von Vietnam Airlines zeichnete im Startlauf "Bremspedalbewegungen" im Cockpit auf. Die Ermittlungen dauern an.

Die Startbahn 26L des Flughafens München ist 4.000 Meter lang. Vietnam Airlines 34 reicht das am 15. August 2026 nicht. Die Boeing 787-9 stemmt sich erst weit hinter dem Pistenende in einer Staubwolke in die Luft - 271 Passagiere und 16 Crewmitglieder entgehen knapp einer Katastrophe.

Die BFU hat den Starthergang in einem ersten Zwischenbericht (PDF) rekonstrukiert - das Dokument liefert eine vorläufige technische Erklärung für den überlangen Startlauf.

"Die Startfreigabe wurde der Flugbesatzung um 11:55:47 UTC erteilt", teilte die BFU mit. 25 Sekunden später - um 13:56:12 Uhr Ortszeit - schieben die Piloten die Schubhebel nach vorne. Die knapp 241 Tonnen schwere 787-9 nimmt nur drei Sekunden Tempo auf bevor das Flugzeug zum ersten Mal eingebremst wird.

"Um 11:56:15 UTC wurden auf dem EAFR Ruderpedal-Kräfte von den beiden linken Cockpitsitz Pedalen aufgezeichnet", heißt es im Bericht. "Ebenfalls um 11:56:15 UTC zeichnete der EAFR eine Bremspedalbewegung der beiden linken Bremspedale auf."

Die Bremsaktivierung vom Kapitänssitz beträgt auf der linken Seite 15 Prozent und auf der rechten Seite 6 Prozent - und wirkt der Startbeschleunigung entgegen: "Ab 11:57:03 UTC verblieb die Indicated Airspeed für einen Zeitraum von etwa 18 Sekunden bei etwa einer Geschwindigkeit von 168 Knoten (IAS)", heißt es im Bericht.

Eine "weitere Bremsaktivierung sowohl über die Bremspedale als auch an den Bremsen" sei während des weiteren Startlaufs aufgezeichnet worden.

Um 11:57:13 UTC greift der Pilot Monitoring, ebenfalls ein Flugkapitän, vom rechten Sitz ein - und erhöht den Triebwerksschub "manuell von 100 Prozent N1 auf 101 Prozent N1".

Mit Ach und Krach kommt die Boeing 787-9 vom Feld. "Die Rotation erfolgte um 11:57:14 UTC bei einer Geschwindigkeit von 163 Knoten (IAS) auf etwa der Höhe der Pistenschwelle", so der Bericht.  Für einen Take-off von der asphaltierten Startbahn ist die 787-9 immer noch zu langsam, erst tief im Grasbereich hebt der Dreamliner ab.

"Die Reifenspuren führten über die Pistenschwelle 08R und den sich dahinter befindenden 60 Meter langen Clearway hinaus", erklärte die BFU. "Sie endeten etwa 240 Meter hinter der Pistenschwelle 08R im Grasbereich. Im und hinter dem Clearway kollidierten das Heck und die Reifen beider Hauptfahrwerke mit Teilen der Anflugbefeuerung."

BFU stellt Systemkomponenten sicher

Die Maschine erleidet einen erheblichen Heckschaden, kann nach Ablassen von 62 Tonnen Flugtreibstoff aber sicher nach München zurückkehren.

Im Cockpit hat der Pilot Monitoring die Steuerung übernommen. Dreimal fliegt die 787-9 Piste 26R an - nach einem Überflug für eine "Sichtprüfung" des Fahrwerks durch den Tower brechen die Piloten einen zweiten Anflug ab und positionieren die Maschine neu, dann gelingt die Notlandung. Alle Personen an Bord bleiben unverletzt.

Die Untersuchung dauert an. "Die BFU stellte mehrere Systemkomponenten sicher", teilte die Behörde mit. "Hierbei handelte es sich um die Brake System Control Units und die Electric Brake Actuator Controllers. Diese Geräte werden im Detail untersucht."

Wieso der Flugkapitän mutmaßlich mehrfach während des Starts mit beiden Füßen auf die Bremse trat, ist der Untersuchung zufolge noch unklar. In dem Zwischenbericht gehe es um eine reine Sachverhaltsdarstellung, erläuterte ein BFU-Sprecher. Über die Pedale der Boeing 787 lässt sich das Flugzeug am Boden sowohl lenken als auch bremsen.

Eine Bewertung und Analyse der Unfallursache gebe es erst im Abschlussbericht, der voraussichtlich etwa ein Jahr nach dem Unfall vorliegen werde.

Cockpit warnt vor voreiligen Schlüssen

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit warnt vor voreiligen Schlüssen. Ob der Pilot während des Starts auf die Bremsen trat oder ob es ein technischer Fehler war, gehe aus dem Bericht nicht hervor. "Das kann eine menschliche Ursache haben, eine technische oder eine Kombination von beiden", sagte der Experte Sebastian Kloth von der Vereinigung Cockpit.

"Grundsätzlich ist es natürlich so, wenn wir starten, dann betätigen wir nicht die Bremsen", erläuterte der Pilot Kloth. Wenn man einen Startvorgang abbrechen wolle, komme die automatische Bremse zum Einsatz. Alternativ könne der Startvorgang auch komplett manuell abgebremst werden. Die manuelle Bremse bediene man über Pedale, über die auch Heck und Seitenruder gesteuert werden.

Aufgrund dieser Bauweise könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass der Pilot während des Startvorgangs in Einzelfällen die Bremsen versehentlich betätige.

Auffallend sei, dass das Flugzeug während des Starts 18 Sekunden lang die gleiche Geschwindigkeit beibehalten habe, statt zu beschleunigen, sagt Kloth. "Das ist bei der Geschwindigkeit eine Riesenstrecke." Was in dieser Phase technisch passiert sei, welche Informationen der Besatzung zur Verfügung gestanden hätten und wie die Situation im Cockpit wahrgenommen worden sei, wisse man nicht, betonte er. "Bei der Interpretation muss man sehr vorsichtig sein."

In dem Zwischenbericht fehle die Stellungnahme der Piloten, die bei der Unfalluntersuchung bedeutend sei. Die Fluggesellschaft Vietnam Airlines gab zunächst keine Stellungnahme zu dem Zwischenbericht ab.

Pilotenwechsel wirft Fragen auf

Im Cockpit saßen dem Bericht zufolge vier Piloten. Einer von ihnen übernahm in der Luft den Platz von dem für den Start verantwortlichen 64 Jahre alten Kollegen, obwohl dieser demnach eine Flugerfahrung von deutlich mehr Stunden hatte.
© aero.de, dpa | Abb.: BFU | 29.09.2026 06:37

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 07.10.2026 - 20:56 Uhr
Mein Basic:
abwarten, bis belastbare Fakten vorliegen.
Beitrag vom 07.10.2026 - 20:55 Uhr
Zitat fliegerschmunz:
Das zughörige BASIC heisst:
Beim T/O-run bremst man nicht !
Ein unglaubliches Versagen der beiden an den controls.

Zitat BFU:
Warum die Bremsen des Startes aktiviert wurden, kann die BFU derzeit noch nicht sagen. Möglich ist nach dem Zwischenbericht sowohl eine Eingabe durch die Besatzung als auch ein technisches Problem an dem Flugzeug. Auch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren untersuchen die Ermittler.

Dann fehlt es den Mitarbeitern der BFU wohl auch an den Basics...
Beitrag vom 02.10.2026 - 14:21 Uhr
Vielleicht sollte man ähnlich wie Israel Piloten aus gewissen Ländern bzw. Piloten welche in gewissen Ländern ihre Ausbildung absolviert haben einfach verbieten in die EU einzufliegen aber das wäre wohl zu viel Service Public.

@Enzym: Ich fände es schon klasse, wenn sich Forenteilnehmer, die schon 20 Mal wegen rechter Thesen und Beleidigungen aus dem Forum geflogen sind, sich nicht zum 21. Mal anmelden könnten, um weiter ihre kruden rassistischen Ideen zu posten.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

FLUGREVUE 09/2026

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden