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Norwegian stationiert Langstrecken-Crews in Thailand

Norwegian Boeing 787-8
Norwegian Boeing 787-8, © Norwegian, CC

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OSLO - Mit aggressiven Ticketpreisen wagt Europas drittgrößte Günstigairline Norwegian Ende des Monats den Schritt auf die Langstrecke. Für unter 200 Euro in einer brandneuen Boeing 787-8 nach Bangkok oder New York? Ab Oslo bald kein Problem! Die günstigen Preise haben allerdings einen Haken: Norwegian stellt 787-Crews nicht selbst an und stationiert die Piloten außerhalb norwegischer und europäischer Arbeits- und Sozialgesetze.

Rishworth Aviation, ein Dienstleister für Crew-Leasing und Fremdbereederungen, schreibt derzeit wieder Verträge für Kapitäne und Erste Offiziere für Norwegians 787-Flotte aus.

Die Mindestanforderung für einen Kapitän beträgt laut Stellenanzeige 5.000 Flugstunden, davon mindestens 1.500 Stunden als Pilot in Command auf Boeing-Jets. Zum Vergleich: ein bei Emirates neu eingestellter Boeing 777-Kapitän muss mindestens 7.000 Flugstunden insgesamt und 3.000 Command-Stunden vorweisen können.

Erste Offiziere will Norwegian bereits ab verhältnismäßig geringen 1.500 Flugstunden Erfahrung mit bis zu 291 Passagieren an Bord Langstrecke fliegen lassen. Bei Emirates brauchen F/Os mit weniger als 4.000 Stunden Erfahrung gar nicht erst vorsprechen.

Norwegians 787-Piloten müssen zwar eine JAA/EASA-Lizenz und einen EU-Pass haben, ihre Operational Base wird aber nicht Oslo, sondern Bangkok sein. Nach Informationen unserer Redaktion werden Erste Offiziere und Kapitäne zu Vertragslöhnen von 5.000 Euro beziehungsweise 9.000 Euro angeheuert und erhalten mit ihrer monatlichen Gehaltszahlung 1.000 Euro Spesen.

Für die Abführung von Steuern, eine Krankenversicherung oder Pensionsleistungen fühlt sich Norwegian nicht zuständig. Weil für die meisten Piloten Bangkok wohl eher ein Layover als tatsächlicher Wohnsitz bleiben wird, dürften Reisekosten ihren Nettolohn weiter schmälern.

"Wir sagen, es ist heute viel zu teuer, Langstrecke zu fliegen, und wir tun etwas dagegen", sagte Norwegian Vorstandschef Bjoern Kjos im April in einem Gespräch mit der BBC. Die Piloten wissen, was Kjos damit meint.

Norwegian hat auf eine aero.de-Anfrage zur Bereederung ihrer Langstreckenflotte nicht reagiert.
© aero.de | Abb.: Norwegian | 24.05.2013 09:32

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Beitrag vom 17.07.2013 - 11:43 Uhr
Der Trend der sich hier andeutet ist besorgniserregend. In der Schifffahrt sieht man ja wo es endet. Die Schiffe sind in sonstwas für die Niedriglohnländern angemeldet und die Arbeitsplätze in Deutschland gehen flöten. Vermutlich werden die Piloten in Thailand mit den Gehältern nicht am Hungertuch knabbern, aber ich habe immer noch das Gefühl dass die Kommunikation im Cockpit in Deutschland und sicherlich auch den Skandinavischen Ländern besser ist. Es gibt schon einen Grund warum es immer zwei Piloten gibt.
Die Luftverkehrssteuer müssen alle Airlines zählen, aber die Lohnsteuer und Lohnnebenkosten nur die Airlines, die von hier aus operieren. Hier müsste die Politik ansetzen und die Luftverkehrssteuer drastisch erhöhen und die Lohnsteuer für das fliegende Personal samt Nebenkosten abschaffen.
Dann hätten diese ganzen künstlichen Konstrukte relativ schnell ein Ende.
Beitrag vom 16.07.2013 - 20:52 Uhr
Norwegian fliegt im Winter von Deutschland aus auch auf die Kanaren....... diese Firma greift alle Airlines in Deutschland an, egal ob LH , Condor oder TUIfly ........
Beitrag vom 26.05.2013 - 11:59 Uhr
Hab ich das in Frage gestellt? Doch wohl nicht, beansprucht es noch nur die geringste Zeit eines normalen Fluges...
Und falls manuell geflogen wird, sollte man die Systeme schon beherrschen!
Ja, und sie werden auch beherrscht.


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