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Keine Beteiligung an Ausschreibung

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Airbus verliert Jahrhundertgeschäft für US-Tankflugzeuge

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Boeing 767 NextGen Tanker, © The Boeing Company
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WASHINGTON - Der Airbus-Konzern EADS ist beim «Jahrhundertgeschäft» mit der US-Luftwaffe für 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar aus dem Rennen. Der US-Partner Northrop Grumman zog das gemeinsame Angebot am Montag zurück. Er begründete das mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die Ausschreibung sei voll auf den Konkurrenten Boeing zugeschrieben worden. Airbus-Chef Thomas Enders warf der US-Regierung «Voreingenommenheit» vor.

Das Pentagon äußerte sich «enttäuscht». Zugleich wies das Verteidigungsministerium den Vorwurf unfairer Wettbewerbsbedingungen zugunsten des amerikanischen Konkurrenten Boeing zurück, dem nunmehr das Feld allein überlassen ist.

Schon vor drei Monaten hatte Northrop Grumman (NGC) gedroht, das Handtuch zu werfen, weil mit gezinkten Karten gespielt werde. So hatte Boeing Einsicht in das Airbus-Preisangebot erhalten und konnte sein Angebot darauf abstimmen. NGC/EADS hatte den Tankerauftrag 2008 bereits gewonnen gehabt, auf Protest von Boeing aber wieder aberkannt bekommen.

«Die jetzige Ausschreibung ist klar maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz», sagte Enders telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Paris. «Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb.» US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte 2009 erklärt, er könne auch nur mit einem Boeing-Angebot leben.

Northrop Grumman sei überzeugt, «dass wir im derzeitigen Umfeld keine Chance haben, zu gewinnen, egal wie gut unser Angebot ist», sagte Enders. Er könne «dieser Einschätzung nur folgen». Auch die US- Luftwaffe wisse, dass der Airbus-Tanker gegen Boeing «alle fünf internationalen Ausschreibungen der letzten Jahre gewonnen» habe.

«Politische Bewertungen überlasse ich anderen. Für mich ist nur klar, dass unter den derzeitigen Bedingungen ein Antritt von uns ökonomisch nicht sinnvoll ist», sagte Enders. Verlierer sei die Air Force, die «jetzt die zweitbeste Lösung bestellen» müsse.

Washington sieht fair strukturierten Wettbewerb


Der stellvertretende US-Verteidigungsminister William Lynn betonte am Montagabend in einer schriftlichen Stellungnahme, Northrop Grumman habe sich bei einer ersten Ausschreibung 2008 preismäßig und auch in anderen Bereichen als sehr wettbewerbsfähig erwiesen. «Wir sind fest davon überzeugt, dass der derzeitige Wettbewerb fair strukturiert ist und dass beide Unternehmen effektiv miteinander konkurrieren können.» Änderungen bei der Ausschreibung seien nicht erfolgt, um den einen oder anderen Bewerber zu bevorzugen, fuhr Lynn fort. «Das Ministerium unterstützt transatlantische Bande in der Verteidigungsindustrie stark.»

Northrop-Chef Wes Bush warnte seine Landsleute, dass die USA ihren Verbündeten bei der Betankung in der Luft bald unterlegen sei würden. Das Boeing-Konkurrenzmodell sei kleiner und leistungsschwächer. «Wir sind uns einig, dass sich die militärischen Anforderungen für den neuen Tanker seit der letzten Ausschreibung nicht geändert haben.»

Die US-Luftwaffe muss 534 Tanker/Frachter ersetzen. Das verspricht langfristig ein Geschäft von 100 Milliarden Dollar. Im ersten Los geht es um 68 Maschinen für zwölf Milliarden Dollar und undatierte Folgeaufträge für 111 Flugzeuge. «Mit der Entscheidung des Ministeriums, ein kleineres und weniger leistungsfähiges Modell zu beschaffen, sollte der Steuerzahler natürlich davon ausgehen, dass die Rechnung auch viel niedriger ausfällt», ätzte Northrop-Chef Bush.

Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Die KC-767 basiert auf dem alten Verkehrsjet B767, der von Airbus völlig vom Markt verdrängt wurde. Nach dem Verlust der ersten amerikanischen Ausschreibung hat Boeing sein Modell überarbeitet.

KC-767 NextGen einziges Angebot


Die KC-767 «NextGen» hat Cockpit-Displays aus der 787, doch den engeren 767-Rumpf. Boeing wirbt für die KC-767 mit dem Argument, die Produktion jederzeit auf jedem von der Air Force gewünschten Niveau garantieren zu können. Außerdem verbrauche die KC-767 24 Prozent weniger Treibstoff als der größere und schwerere Airbus-Tanker.

Die KC-767 wurde bisher nur nach Japan und Italien verkauft, wo Boeing Teile fertigen lässt. Wo sie offen mit dem Airbus-Tanker konkurrierte wie in Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und 2008 in den USA, hatten stets die Europäer die Nase vorn. Nach der Neuausschreibung des US-Auftrags hatten Northrop Grumman und Airbus 2009 über die Bevorzugung von Boeing im Pentagon geklagt.

EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten. NGC sollte die militärischen Komponenten zuliefern. Northrop warb damit, das Projekt würde 48 000 Arbeitsplätze in den USA schaffen, mehr als Boeings KC-767. Als Kompromiss hatte Northrop eine Teilung des Auftrags im Verhältnis 60 zu 40 ins Spiel gebracht.

EADS wollte mit dem Tankerwerk auch seine Abhängigkeit vom Euro- Raum mindern. «EADS wird weiter in den USA aktiv bleiben», versicherte Enders. Er verwies dabei auf die jüngst 100. Auslieferung eines Hubschraubers an die US Army und das Airbus Engineering Center in Mobile, Alabama.

© dpa | Abb.: Northrop Grumman | 08.03.2010 22:35




Leser-Kommentare (34)

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10.03.2010 10:25
Ich frage mich, warum die Europäer nicht lauthals gegen die Ausschreibungsbedingungen protestiert haben.
Will man die Amerikaner noch als Kunden für andere Militärprodukte?


Aber das haben einige europäische regierungen doch getan, nur haben Sie von Obama keine Antwort erhalten, nicht einmal eine Reaktion, was unter diplomatischen Gescihtspunkten einem Affront gleichkommt.
10.03.2010 10:14
@karle
Genau so ist es. Punkt.

Die einzige Chance ist vielleicht das für "Spitzenbelastung" noch eine kleine Anzahl von ca. 20 Tankern mit größerer Leistung zugekauft werden. Dafür bräuchte man aber keine Fabrik in USA und somit ist auch dafür die Chance ziemlich klein. Zumindest wenn dies Politisch und nicht von Militärs entschieden wird.
10.03.2010 10:13
Ich frage mich, warum die Europäer nicht lauthals gegen die Ausschreibungsbedingungen protestiert haben. Will man die Amerikaner noch als Kunden für andere Militärprodukte?

Ich könnte mir vorstellen, dass Teileinheiten der US-Armee mit der A400M ganz glücklch wären. Zumindest mal in der Zivilausstattung, militärische Extras würden sich die Amerikaner sicherlich selbst einbauen. Damit meine ich weder, das man ALLE Hercules, noch Galaxies oder Globemasters ersetzen kann, sondern sich nur punktuell verstärken könnte. Sollte man hintenrum leichtes Interesse dafür wahrgenommen haben, ist es sicherhlich sinnvoller auf potenzielle Gewinne aus einem entwickelten und bezahlten Modell zu verzichten als auf Deckungsbeiträge für ein hochdefizitäres, noch nicht fertiggestelltes und reines Militärprojekt. Oder woher sollen denn sonst die ganzen Exportkunden für das Modell kommen? Außer einen möglichen Riesenauftrag aus Saudi-Arabien sehe ich hierfür keine signifikanten Bestellungen.

P.S.: Wer an dem hohen Defizit der A400M Schuld ist, ist zweitrangig. Entscheidend ist, wie das Defizit wieder abgebaut werden kann.


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