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Neuer Wirbel um Air Berlin – Anlegerschützer rudern zurück

Air Berlin A320
Air Berlin A320 (D-ABDU) am 5. März 2014 in Frankfurt, © world-of-aviation.de

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BERLIN - Neuer Wirbel um Air Berlin: Erst warf ein Anlegerschützer Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft vor, mit der zweimaligen Verschiebung der Bilanzvorlage gegen die Berichtspflichten zu verstoßen. Nach heftiger Gegenwehr des Unternehmens ruderte sein Verband, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), am Montag zurück.

Unterdessen fürchtet die Bundesregierung laut "Handelsblatt", dass Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold als Strohmann für den Großaktionär Etihad agieren könnte, um trotz einer erwogenen Anteilsaufstockung der Araber die Verkehrsrechte der Fluglinie zu sichern. "Wir stimmen keinem rechtlich zweifelhaften Modell zu", zitiert die Zeitung ungenannte Regierungsvertreter.

Die Air-Berlin-Aktie verlor nach den Berichten am Montag erneut deutlich an Wert. Am Abend ging das Papier als schwächster Wert im SDax mit einem Minus von 7,11 Prozent auf 1,75 Euro aus dem Handel. Die Gesellschaft hatte als Grund für die erneute Verschiebung der Bilanzvorlage vergangene Woche angeführt, dass sie an Maßnahmen für eine Rekapitalisierung arbeite. Damit sollten Eigenkapital und Liquidität gestärkt werden.

SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer nahm am Montag einen Vorwurf seines Kollegen Michael Kunert vom Wochenende zurück. "Es gibt keine gesetzliche Regelung, die Air Berlin verpflichtet hätte, bis heute einen Abschluss vorzulegen", zitierte "Spiegel Online" Bauer am Montagabend. Ohnehin sei die SdK nicht wirklich für die nach britischem Recht organisierte Fluglinie zuständig und besuche auch nicht deren Hauptversammlungen in Großbritannien, bekannte der Verband.

Kunert hatte laut "Berliner Zeitung" (Samstag) den Verdacht geäußert, dass die Gesellschaft ihre Bilanz absichtlich zurückhalte, weil eine akute Insolvenzgefahr bestehe. "Air Berlin verstößt hier ganz klar gegen die Berichtspflichten", zitierte die Zeitung den SdK-Mann. Der Fall dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben. Die Finanzaufsicht Bafin sah allerdings keinen Handlungsbedarf. Jede Aktiengesellschaft habe bis Ende April Zeit, um ihren Jahresabschluss vorzulegen, sagte eine Behördensprecherin der Zeitung. Diesen Zeitrahmen hatte auch Air Berlin genannt.

Das Unternehmen hatte Kunerts Vorwürfe zurückgewiesen und der SdK mit rechtlichen Schritten gedroht. "Die Behauptungen von Herrn Kunert sind falsch und unserer Meinung nach geschäftsschädigend", sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Air Berlin verstoße nicht gegen die im Handelsgesetzbuch geregelten Publizitätspflichten. "Zudem verfügt das Unternehmen über ausreichend Liquidität und hat darüber hinaus weiteren Spielraum durch ein noch nicht in Anspruch genommenes Anteilseignerdarlehen."

Die Bundesregierung fasst Air Berlins Zukunftspläne laut "Handelsblatt" derweil nur mit "spitzen Fingern" an. Das Unternehmen müsse nachweisen, dass seine Kontrolle in deutscher oder europäischer Hand bleibe, zitiert die Zeitung politische Kreise. Medienberichten zufolge prüft Air Berlin den Abschied von der Börse. Dabei solle die arabische Fluggesellschaft Etihad ihren Anteil von knapp 30 Prozent auf 49,9 Prozent aufstocken. Die übrigen Anteile sollen einige der übrigen Gesellschafter übernehmen, allen voran Firmengründer Hunold.

Irritiert zeigt sich die Regierung laut "Handelsblatt" über die Konstruktion der angeblich geplanten GmbH, deren Top-Anteilseigner zwei Personen sein sollen. Es gebe den Verdacht, dass die beiden stellvertretend für Etihad investierten, um vorzugeben, dass die Airline weiter mehrheitlich in deutscher Hand bleibe. Die Mehrheit der Europäer ist notwendig, da viele Verkehrsrechte davon abhängen. Hunold wies die Vorwürfe der Zeitung zufolge zurück.

Air Berlin ist seit Jahren angeschlagen. Das Eigenkapital war zuletzt aufgebraucht, der Schuldenberg lag bei mehr als 800 Millionen Euro. Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer hatte im November trotz Sparanstrengungen einen Verlust für 2013 angekündigt - es wäre der fünfte Fehlbetrag in sechs Jahren. Analysten rechnen mit einem operativen Minus von 110 Millionen Euro. Unter dem Strich dürfte der Fehlbetrag mit 175 Millionen Euro noch größer ausfallen.
© dpa-AFX | Abb.: Bjoern Schmitt / world-of-aviation.de | 31.03.2014 20:56


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