Gebühren-Kotau
Älter als 7 Tage

Lufthansa rebelliert gegen Frankfurter Ryanair-Rabatt

FRANKFURT - "We won`t fly to Frankfurt" - noch vor einem Jahr schloss Ryanair-Chef Michael O`Leary Flüge nach Frankfurt kategorisch aus. Nächsten März stationiert Ryanair nun sogar zwei Boeing 737-800 fest in Frankfurt, nachdem der Airport allen Neukunden bei den Entgelten bis zu 50 Prozent entgegenkommen will.

"Wir haben unsere Präsenz in Deutschland innerhalb der letzten drei Jahre verdoppelt und sehen keinen Grund, warum das nicht in diesem Tempo weitergehen soll", sagte der für das operative Geschäft zuständige Ryanair-Manager David O`Brien Mittwoch in Frankfurt. "In Frankfurt gibt es großes Potenzial für billige Flüge."

Frankfurt ist für Ryanair eine ziemlich sichere Sache - viele Passagiere wird es freuen, für Billigflüge nicht mehr an den abgelegenen Hahn fahren zu müssen. Hinzu kommen auf lange Sicht Geschäftsreisende, mit denen sich gutes Geld verdienen lässt.

Dass Frankfurt Ryanair den Markteintritt mit einer Gebührenhalbierung versüßt, lässt Condor und Lufthansa schäumen. Während Condor-Chef Ralf Teckentrup gegen eine Verzerrung des Wettbewerbs durch die Fraport AG wetterte, schaltete Lufthansa-Chef Carsten Spohr direkt in den Angriffsmodus.

Ryanair Boeing 737-800 in Frankfurt
Ryanair Boeing 737-800 in Frankfurt, © Fraport AG

Lufthansa werde in Frankfurt nicht mehr bezahlen als Ryanair, ließ Spohr Fraport-Chef Stefan Schulte über die Medien wissen. So könne Lufthansa 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Dafür sei er Ryanair-Chef Michael O'Leary sehr dankbar. Schulte wartete zu diesem Zeitpunkt gerade auf die Ankunft der Ryanair-Delegation.

Spohr eskalationsfreudig, Schulte rudert

"So sehr können uns die Ryanair-Flugzeuge gar nicht ärgern, wie uns die sinkenden Gebühren helfen werden", ging Spohr bei der Kampfansage an Fraport rethorisch in die Vollen. Letztlich droht der größte Kunde und Fraport-Großaktionär (8,44 Prozent) auch im Namen der übrigen Bestandskunden unverholen damit, die Gebühren einseitig auf Ryanair-Niveau zu kürzen.

Carsten Spohr ist für einen robusten Verhandlungsstil bekannt und der Ryanair-Rabatt gibt Lufthansa eine willkommene Steilvorlage, um eine neue Gebührendebatte am Frankfurter Drehkreuz loszutreten.

Da hilft es wenig, wenn Schulte darauf hinweist, dass der Neukunden-Rabatt für "jede neue Airline in Frankfurt (...), übrigens auch für Eurowings" gelten würde. Denn für den Moment profitiert einzig und allein Ryanair von dem Nachlass. Eurowings werde frühestens 2018 nach Frankfurt kommen, sagte Spohr.

Frankfurt steht unter Erfolgsdruck

Stagnierende bis rückläufige Verkehrszahlen passen nicht zu Ausbauplänen und zwingen den Frankfurter Flughafen, sich Günstiganbietern zu öffnen. Im dritten Quartal verlor Frankfurt 1,8 Prozent Passagiere und zählte 1,9 Prozent weniger Flugbewegungen als im Vorjahr.

Trotzdem ist der Gebühren-Kotau des Flughafens vor Ryanair schwer nachvollziehbar. Denn auch die Iren hatten dieses Mal kaum Druckmittel - im Gegenteil.

Ryanair muss nächstes Jahr 50 neue Flugzeuge platzieren, die O`Leary nach dem Brexit-Votum allein auf Kontinentaleuropa verteilen will. Zudem umwirbt Ryanair seit einiger Zeit Geschäftsreisende, die um Provinzflughäfen eher einen Bogen machen.

Das wahre Kräftemessen zwischen Lufthansa und Ryanair wird in der Wintersaison 2017/2018 beginnen - dann will Ryanair ihre Präsenz in Frankfurt sprunghaft ausbauen und wird wahrscheinlich auch Inlandslinien aufziehen. Mit freundlicher finanzieller Unterstützung des Lufthansa-Hubs.
© aero.de, dpa-AFX, Bloomberg | Abb.: Fraport AG | 03.11.2016 06:06

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Beitrag vom 04.11.2016 - 19:04 Uhr
Und dann regt ihr euch auf, das angeblich Fraport zu wenig Wertschätzung gegenüber der LH zeigt. Aber wie ist denn die Wertschätzung der LH gegenüber Fraport. Wo sind denn die ganzen neuen LH Verbindungen, welche Fraport mit der neuen Bahn möglich machte.

Die neuen Verbindungen gib es doch, sogar zahlreich.
Das ist ja gerade das Problem für FRA. Die PAXE können heute viel eher eine passende Verbindung von ihrem ortsnahen Flughafen finden als früher, da war es fast zwangsweise vorgegeben, wer D mit dem Flugzeug verlassen wollte war auf FRA angewiesen. D hat jetzt aber in Europa und vielleicht sogar weltweit das dichteste Flughafennetz, so dass der Passagier den für ihn günstigten Abflugort wählen kann. Der Erfolg der vielen Flughäfen in D ist gleichzeitig der Mißerfolg von FRA, dafür kann man LH nicht verantwortlich machen. Diese Strukturänderung im Luftverkehr wird sich weiter verstärken. Es wird für FRA noch schwerer, wenn BER mit seinem Zubringernetz über Abu Dhabi richtig anläuft und der neue große 150 Millionen HUB in der Türkey fertig ist. TK kann von 11 Flughäfen unter Umgehung von FRA, ohne Frequenzbegrenzungen PAXE über den neuen IST leiten. Emirates macht das ganze dann über Dubai. Die stolzen 55% Transitpassagiere in FRA sind die Achillesferse, Transitpassagier sind ja nicht an FRA interessiert und schon gar nicht an der Region Rhein-Main, die wollen günstig von A nach B, wenn das günstiger über IST oder ME3 geht, dann wird FRA weiter schrumpfen. Das FRA mit seinen zusätzlichen Kapazitäten auf Grund dieser Strukturveränderungen nichts anfangen kann, liegt nicht in der Verantwortung von LH.
Beitrag vom 04.11.2016 - 18:35 Uhr
Ich weiß nicht wie die Herren Experten darauf kommen, das Lufthansa die Verkehre aus FRA langfristig zu Gunsten von MUC reduzieren wird. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: von der Langsteckenflotte sind in MUC insgesamt 33 A330 und A340 stationiert, in FRA insgesamt 71 Flugzeuge, darunter alle B744, B748 und A380. Dazu die gesamte Flotte der LH-Cargo.
Ausserdem: das Einzugsgebiet von MUC (etwa 4,5Mio Einwohner im 60-Minutenradius) ist nicht einmal halb so groß wie das in FRA (etwa 12Mio Einwohner).
Tatsächlich ist die Wertschätzung gegenüber den größten Kunden und die Kooperationsbereitschaft der Fraport in Vergleich zur FMG sehr stark verbesserungswürdig. Aber in Gegensatz zu MUC strebt man wohl keinen 5. Stern an...
Der von Ihnen genannte Flottenvergleich beschreibt den aktuellen Zustand. Nachdem aber Fraport seinem größten Kunden kräftig ins Bein getreten hat mit langfristig negativen Folgen für LH, besteht doch die Option für LH z.B. die Flugzeeugmuster zwischen FRA und MUC auszutauschen und die Zubringerflüge weitestgehend auf MUC zu konzentrieren. Das handling der Transitpaxe in MUC ist dort konkurrenzlos günstig, nachdem LH mit dem Exclusiv-Terminal und dem Nutzungsvertrag bis 2050 von Gebührenescapaden verschont ist. LH muss sparen, auch der aktuelle Geschäftsbericht ist schlecht, nur die 800 Millionen Einsparung bei Kerosin und die Auflösung von Pensionsrücklagen retten optisch die Bilanz. Wenn der Kerosinpreis wieder steigt, sieht die Welt für LH ganz anders aus. Logistisch vernünftig wäre doch, sich auf einen Zubringerhub zu konzentrieren und zwar dort, wo es am kostengünstigsten ist.
Übrigens was das Einzugsgebiet betrifft, MUC hat schon mehr Primäpassagiere als FRA , wenn man das als Maßstab für die Attraktivität eines Flughafens für seine Region heranzieht, sieht FRA schlechter aus.
Beitrag vom 04.11.2016 - 15:46 Uhr
@RobR schrieb
Tatsächlich ist die Wertschätzung gegenüber den größten Kunden und die Kooperationsbereitschaft der Fraport in Vergleich zur FMG sehr stark verbesserungswürdig.
Warum?
Überall auf der Welt werden die Flughäfen erweitert, was in den meisten Fällen nicht nur für die Heimatairlines gemacht wird. So kann man sich Fragen, warum in LHR ein Nigelnagelneues Terminal für die Star Allianz gebaut wurde, obwohl da nicht mal eine Fluggesellschaft dieses Verbundes zu hause ist.
Und dann regt ihr euch auf, das angeblich Fraport zu wenig Wertschätzung gegenüber der LH zeigt. Aber wie ist denn die Wertschätzung der LH gegenüber Fraport. Wo sind denn die ganzen neuen LH Verbindungen, welche Fraport mit der neuen Bahn möglich machte.
Ich sehe hier eine Gegenseitigkeit aber bestimmt keine Einseitigkeit einer der beiden Parteien.
Und wenn die LH in MUC auch nicht wächst, aber die Post außerhalb von MUC abgeht wird sich MUC auch über jede kleine Airlines Freuen, welche wenigsten etwas Wachstum bringt.

Und all die hier so auf MUC halten. MUC wird bald von LH auf EW Umgestellt. Das sind dann wunderbare Erfolge...


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