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COMAC C919 in Shanghai Pudong zu Erstflug gestartet

SHANGHAI - Beim ersten Start einer COMAC C919 konnten Millionen Zuschauer den Testpiloten über die Schulter gucken. Das chinesische Staatsfernsehen übertrug Livebilder aus dem Cockpit, als der Prototyp nach mehr als acht Jahren Entwicklungszeit am Freitag in Shanghai Pudong abhob.

China kann Raumschiffe ins All schießen, ist Marktführer bei Elektroautos und hat das Land in Rekordzeit mit einem dichten Netz von Hochgeschwindigkeitszügen überzogen. Nur beim Bau von Passagierflugzeugen tat sich die nach technischem Fortschritt lechzende Volksrepublik bislang schwer.

COMAC C919 - Erstflug am 05. Mai 2017
COMAC C919 - Erstflug am 05. Mai 2017, © CCTV

Doch auch das ändert sich. Nach mehrjähriger Verzögerung hob mit der C919 am Freitag in Shanghai die große Hoffnung des chinesischen Flugzeugprogramms zu ihrem Jungfernflug ab.

Kommandant ist Testpilot Kapitän Cai Jun, der Staffelführer der zweiten Staffel des Flugtestzentrums ist, und eine Erfahrung von 10.300 Flugstunden mitbringt. Der vom restlichen Verkehr freigehaltene Testflugraum befindet sich östlich des Flughafens. Die maximale Flughöhe beim Erstflug soll 3.000 Meter nicht übersteigen, so dass die Druckkabine noch nicht benötigt wird.

Nachdem der staatliche Hersteller COMAC im vergangenen Jahr mit dem kleinen Regionaljet ARJ-21 loslegte, folgt mit der C919 nun der erste große Mittelstreckenflieger aus chinesischer Fertigung.

Die Maschine soll mit 158 bis 174 Sitzen und einer Reichweite von 4.075 Kilometern mit Boeings 737 MAX und dem Airbus A320neo konkurrieren, zwei der meistverkauften Flugzeuge der Welt. Mindestens zwei bis drei Jahre wird COMAC laut Kennern noch testen müssen, bevor die C919 für das EIS bei China Eastern Airlines bereit ist. Erst dann kann die Aufholjagd Fahrt aufnehmen.

Bis 2024, so sagt es die Internationale Luftfahrtorganisation IATA vorher, wird China zum größten Passagiermarkt der Welt aufsteigen. Mehr als 6.000 neue Flugzeuge im Wert von rund einer Billion Euro dürften chinesische Airlines in den nächsten zwei Jahrzehnten ordern. Ein riesiges Geschäft also, das Peking nicht länger allein dem europäisch-amerikanischen Duo überlassen will.

"Natürlich ist es unser Ziel, ein dritter großer Spieler auf dem Markt zu werden", sagt Yang Shao, der Chinas bekannteste Schule für Luftfahrtechnik in Beihang leitet. Die C919 sei allerdings nur "der erste Schritt". COMAC schreibt der C919 ein Absatzpotenzial von mindestens 2.000 Einheiten zu.

COMAC C919
Diese Perspektive gab es bisher bei keinem anderen Erstflug, © CCTV

Bis China auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern fliegen kann, ist es auch nach Ansicht andere Luftfahrtexperten noch ein weiter Weg. Wegen Verzögerungen bei der Entwicklung, die ursprünglich schon 2016 abgeschlossen sein sollte, werde COMAC der Konkurrenz zur Markteinführung der C919 "um Jahre hinterherhinken", glaubt der Flugzeugexperte und Autor Derek Levine.

COMAC werde seine Maschinen dank massiver staatlicher Hilfe zwar günstig anbieten können. Vor allem ein höherer Kerosinverbrauch würde den Kostenvorteil für Fluglinien aber schnell wieder aufzehren.

Selbst Chinas Staatsmedien blieben am Freitag zurückhaltend in ihrer Bewertung. In den kommenden Jahrzehnten würden chinesische Flieger zwar sicher zu einer "starken Alternative" werden. Kurzfristig sei es jedoch "unrealistisch", dass die Vorherrschaft von Airbus und Boeing gebrochen wird, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

COMAC solle vielmehr wie bisher auf Kooperationen mit den westlichen Herstellern setzen. Schließlich war das auch bisher das Erfolgsrezept.

COMAC C919 - Erstflug am 05. Mai 2017, © China Aviation Review

Peking hatte Airbus und Boeing bereits vor Jahren verpflichtet, gemeinsam mit Comac Endmontage-Fabriken zur Auslieferung ihrer Flugzeuge in China zu betreiben. Die westlichen Hersteller können so zwar umso mehr Maschinen verkaufen - geben aber auch viel Wissen an die Chinesen preis, die schnell lernen.

Unterschätzen will den neuen Spieler in der Branche ohnehin niemand. "COMACs Erfolg ist politisch von Peking gewollt", sagt der Vertreter eines westlichen Herstellers hinter vorgehaltener Hand. Egal wie gut die Maschinen tatsächlich sind: Am Ende könnten staatliche Airlines auch einfach zum Kauf der Jets verdonnert werden.

COMAC C929

Die Vorbestellungen für die C919 können sich in der Tat bereits sehen lassen. 570 Exemplare sind laut COMAC von 23 meist chinesischen Gesellschaften bislang geordert worden. Und der nächste Schritt ist schon in Planung: So bald wie möglich wollen die Chinesen zusammen mit Russland mit dem Bau der C929 beginnen.

Das Großraumflugzeug soll Platz für 300 Passagiere bieten und bis zu 9.000 Kilometer weit fliegen können - noch einmal ein deutlicher Schritt nach vorn.
© aero.de, dpa-AFX, FLUG REVUE | Abb.: COMAC | 05.05.2017 08:25


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