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Austrian: die "Friendly Airline" ist 60

Buchausgabe AUA 60
Jubiläumsausgabe zu 60 Jahre AUA, © Austrian Airlines -Metroverlag
WIEN - Noch vor ihrem Erstflug fusionierten die private "Air Austria" und die staatliche "Austrian Airways" am 30. September 1957 zur "Austrian Airlines AG". In die Luft ging es sechs Monate später, mit norwegischen Piloten, die dafür extra eingebürgert wurden. Die "Friendly Airline" setzte vom Start weg auf Charme.

Zu den Gründungsvätern zählte auch der Industrielle Hans Lauda, Großvater von Niki Lauda, der 30 Jahre später in Österreich mit einer eigenen Airline antrat.

Aller Anfang ist schwer


Zwölf Jahre nach Wiederaufnahme des zivilen Flugverkehrs war der Flughafen Wien fest in Händen internationaler Fluglinien. Mit einer Auslastung von 23 Prozent hatten die vier von der norwegischen Fred Olsen Flyselskap gecharterten Vickers Viscounts einen schweren Stand.

Trotz viel Sympathie aus der Privatwirtschaft litt die junge AUA vom Start weg unter ihrer dünnen Kapitaldecke. In ihrem zweiten Betriebsjahr schaffte sie es in Europa gerade auf den vorletzten Platz. Hinter ihr lag nur noch die Airline des Großherzogtums Luxemburg.

Eine "LEX Austria" der Bundesregierung sorgte nur drei Jahre nach dem Erstflug für die erste Restrukturierung. Zuvor wurden die vier Fred Olsen-Flugzeuge durch sieben eigene Vickers Viscount 837 ersetzt. Im Inland und Richtung Schweiz kamen auch zwei "antike" Douglas DC-3 zum Einsatz.

AUA Lineup 60ties VIE
AUA Line-Up am VIE in den Sechzigern, © Austrian Airlines

Den viermotorigen Turboprops folgten erste Jets, 1962 startete Austrian mit sechs Sud Aviation Caravelles ins Düsenzeitalter. 1971 wurde die gesamte Flotte auf Flugzeuge der Douglas DC-9 Familie umgestellt, die bis Ende des Jahrhunderts das Rückgrat der Airline bildeten.

Licht am Ende des Tunnels

Nach einer weiteren Sanierungsphase und dem Einsatz von viel Knowhow ihres späteren Qualiflyer-Partners Swissair schrieb die junge Airline 1971 erstmals schwarze Zahlen, trotz herber Verluste im Inlandsverkehr und ersten Interkontversuchen. 1969 startete Austrian mit einer von Sabena gemieteten Boeing 707 von Wien nach New York.

1972 stiegen bei Austrian bereits mehr als eine Million Passagiere ein. Zeitgleich bekam die Airline im Inland ersten Wettbewerb zu spüren. Flugkapitän Joe Stöckl startete mit drei Boeing 707 weltweit auf Charterstrecken, Rolf Seewald mit seiner Rheintalflug auf der inländischen "Langstrecke" von Wien zum Bodensee, zwei Swarovsky-Erben gründeten in Innsbruck die Tyrolean und Formel 1-Champion Niki Lauda nach seinem Unfall die Lauda Air.

Bis 2000 gingen alle privaten Gründungen in der teilstaatlichen AUA auf, mit Ausnahme von Montana, die nach mutmaßlichem Waffenschmuggel im Jahr 1981 die Segel strich.

Durch die Übernahmen wuchs die Flotte bis 2009 auf über 100 Flugzeuge, die jährlich fast 12 Millionen Fluggäste beförderte. Dazu umspannte ihr Heimatmarkt inzwischen das gesamte Gebiet der ehemaligen Donaumonarchie.

Mit über 50 Zielen in Osteuropa baute Austrian ihren Heimatstandort Wien zur bedeutendsten Drehscheibe im europäischen Ost-West-Verkehr aus. Im Jahr 2000 trat sie der Star Alliance bei.

Aus eigenen Ressourcen konnte die Airline aber nicht mehr wachsen. Kurz nach ihrem 50. Geburtstag ging die Republik für ihren Fahnenträger auf Partnersuche. Ernsthaftes Interesse zeigte lediglich die Deutsche Lufthansa, die mit Austrian auch über die Star Alliance hinaus bereits eine enge Kooperation verband.

Unter den Flügeln des Kranichs


Im September 2009 übernahm Lufthansa Austrian zu einem "negativen Kaufpreis": auf den absehbar langen Sanierungsweg gab der Staat dem neuen Eigner noch 500 Millionen Euro als "Entwicklungshilfe" mit.
 
"Abbau, Umbau, Ausbau", umriss der damalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber die Mammutaufgabe, die nunmehr vor der inzwischen 50 Jahre alten Airline stand. Genauer gesagt vor den "Austrianern".

Der Abbau kostete rund 2.000 Mitarbeitern den Job, gleichzeitig buchte das Management fast 30 Flieger aus, das Netz wurde gestrafft und gleich zwei Betriebsübergänge verlangten den verbliebenen Mitarbeitern eine harte Entscheidung ab: entweder sie akzeptieren einen neuen, deutlich schlankeren Tarifvertrag oder es droht das "Aus" der Traditionsairline.

AUA Flotte am Star Alliance Terminal VIE
AUA Line-Up am Star Alliance Terminal VIE, © Manfred Groihs

Was dann geschah, nennt AUA-Vorstand Kay Kratky "ein österreichisches Wirtschaftswunder". Vier Jahre nach der Übernahme gelang der Turnaround, Lufthansa investierte 500 Millionen Euro in die Erneuerung ihrer Europaflotte und auch die Langstrecke wurde aufgestockt.

Mit zwei weiteren Boeing 777 und 17 spritsparenden Embraer 195 ist Austrian heute wieder auf Wachstumskurs. Trotz Eurowings werde Austrian das bleiben, was sie vom Start weg war: "The friendly Airline" als Botschafter Österreichs, betonte Kratky am Mittwoch auf einer Feier am Gründungsort der rot-weiß-roten Airline..
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: Austrian Airlines | 01.10.2017 10:01


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