Insolvenz
Älter als 7 Tage   EXKLUSIV 

Primera Air entlässt Mitarbeiter ohne Gehalt fristlos

Primera Air in Stansted
Primera Air in Stansted, © Stansted Airport

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LONDON - Für 99 Euro über den Atlantik - Primera Air hat sich mit Dumpingpreisen in die Insolvenz geflogen. Mehrere Passagiere hängen seit 02. Oktober fest. Die Mitarbeiter der dänisch-lettischen Langstreckenairline haben nun Post aus Malta bekommen. Ihr Gehalt wird nicht mehr ausgezahlt.

"Ich schreibe Ihnen nach der traurigen Nachricht, dass Primera Air Insolvenz angemeldet hat", heißt es in dem Schreiben. Gleich mehrere Mitarbeiter haben das Dokument auf Facebook veröffentlicht.

"Unter diesen Umständen müssen wir leider Ihren Arbeitsvertrag mit der Aviation Staffing Limited (…) kündigen", setzt der Unterzeichner fort. "Um Zweifel zu vermeiden, der letzte Tag Ihres Arbeitsverhältnisses ist das Datum dieses Briefes." Der 03. Oktober.

Primera Air lagerte ihre Personalgeschäfte an Aviation Staffing aus. Die Firma sitzt in Malta. "Unglücklicherweise muss ich klarstellen, dass das Unternehmen kein Geld hat, um Ihren Einsatz bis zum letzten Tag Ihres Arbeitsverhältnisses zu bezahlen", schließt der Geschäftsführer das knappe Kündigungsschreiben an die betroffenen Mitarbeiter mit einer weiteren Hiobsbotschaft.

Die fragen sich nun, wie sie von ihrem Einsatzort nach Hause kommen. Denn auch für die Flugtickets stehen nach aktuellem Stand der Dinge keine Gelder zur Verfügung. "Einige Kollegen mussten ihre Rückflüge nach Großbritannien aus eigener Tasche bezahlen", schreibt ein Mitarbeiter auf Facebook.

Primera-Mitarbeiter erhalten die Kündigung
Primera-Mitarbeiter erhalten die Kündigung, © ASTA

Primera Air steht offenbar auch beim Flughafen Stansted tief in der Kreide - der Airport hat vier Flugzeuge der Airline wegen nicht bezahlter Gebühren an die Kette gelegt.

Primera Air ist nach Skywork, VLM, Azur Air Germany und Small Planet Airlines Deutschland die fünfte Airline, die es nicht in die Wintersaison schafft. Nach Darstellung des Managements ging der Airline wegen eines zehn Millionen Euro teuren Korrosionsschadens an einem Flugzeug und Lieferverzögerungen neuer Airbus A321neo das Geld aus.
© aero.de | Abb.: Stansted Airport | 04.10.2018 15:33

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Beitrag vom 05.10.2018 - 17:22 Uhr
Ohne die windigen Geschäftsmodelle mancher Airlines zu verteidigen, ist es nicht auch ein wenig zu kurz gedacht, da gleich auf die Politik oder EU zu schimpfen?
Wir leben in einem freien Markt und ärgern uns persönlich ja gern über zu viel Regulierung.
Nun ist es halt möglich, mit wahrscheinlich dünnem Kapital und wenig Ahnung eine Airline zu gründen und das Personal über Leasing oder was weiß ich, zu beschaffen. Nur ist eben jenes Personal ja auch mündig und muss sich ja nicht über solche Agenturen anbieten.
Und auch der Kunde, der dann im Regen steht, könnte sich besser bilden, bevor er das für ihn augenscheinlich beste Ticket anklickt.


Sie scheinen etwas falsch verstanden zu haben. Leider sind es inzwischen sehr viele die wie Sie die Wirtschaft verstehen. Das ist aber keine soziale Marktwirtschaft sondern ein Manchesterkapitalismus, wie ihn viele - insbesondere links drehende - Ideologen unterstellen. Das ist falsch. Eine soziale Marktwirtschaft ist eine Marktwirtschaft mit notwendigen Staatseingriffen für Rahmenbedingungen und sozialer Abfederung, deshalb auch Soziale Marktwirtschaft. Das bedeutet eben, der Staat hat dort einzugreifen, wo schlicht kein Markt möglich ist.

Kurz: Sie können nicht drei Autobahnen nebeneinander bauen und diese im Wettbewerb gegeneinander antreten lassen. Ähnlich ist es mit der Luftfahrt. An einem Slot kann nur ein Flugezug und nicht drei auf einmal starten. Diese Regulierung ist vom Staat durchzuführen, und zwar immer unter dem Aspekt der Gleichstellung aller Beteiligten. Das können Sie keinem Privatem überlassen, aber auch keiner EU-Bürokratie. Sondern der Staat setzt den gesetzlichen Rahmen dazu und ein staatliches Unternehmen (dazu wurden diese erfunden) übernimmt die formale und inhaltliche Umsetzung und Abwicklung der gesetzlichen Vorgaben. Das ist etwas ganz anders, als wie Sie es heutzutage, insbesondere mit der EU, erfahren. Denn den Krümmungsradius einer Gurke oder die Währung unterschiedlicher Volkswirtschaften geht den Staat und eine EU nichts an. Sie hat nur dafür zu sorgen, daß Gurken produziert werden können und Volkswirtschaften funktionieren. Wenn sie aber eine dänisch-lettischen Gesellschaft mit angestelltem Personal in Malta haben, ist etwas oberfaul in den Volkswirtschaften und den nationalstaatlichen und europäischen Rahmenbedingugen. Wenn diese Menschen dann über Nacht nichts mehr bezahlt bekommen und sogar noch vom eigenen Geld ihre Rückreise bezahlen müssen, ist etwas ober-ober-faul in der EU.

Übrigens gibt es dafür in Deutschland das sogenannte Insolvenzausfallgeld, welches jedes deutsches Unternehmen monatlich für seine Mitarbeiter zu bezahlen hat. Die wissen das meistens überhaupt nicht, daß ihr Unternehmen so eine Art Insolvenzausfallversicherung für die betroffenen Mitarbeiter bezahlt.





Dieser Beitrag wurde am 05.10.2018 17:25 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 05.10.2018 - 16:58 Uhr
Nexus
...

Ja und? LH versucht auf aktuelle Gegebenheiten zu reagieren. Aber nicht hektisch. Mehr zweifelte ich nicht an.
Dass mit dem neuen Flughafen in IST sich die Paxströme verschieben könnten ist auch mir klar. Trotzdem, abwarten.

So ist es. Auf den Wettbewerb mit anderen Airlines kann eben LH reagieren, auf die Abfertigung, Komfort, Schnelligkeit, etc. des Flughafens nicht. Dort scheinen aber inzwischen ähnliche Manager zu sitzen wie die von den Billigheimern. Reisen kostet Geld, Zeit UND Nerven. Gut, aber wenn ich Geld und Zeit investieren, weshalb noch Nerven obendarauf? Eine flüssige zügige Abfertigung ist schon angesagt. Aber das geht mit Billigheimern nicht. Offensichtlich sehen das noch andere Kunden der Airlines, sonst würden nicht soviele Billigheimer so schnell wieder vom Markt weggeblasen werden.

Dieser Beitrag wurde am 05.10.2018 16:59 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 05.10.2018 - 13:27 Uhr

Sehen wir es aus der Sicht des Kunden. Wieso soll er mit TK im Besonderen und über Istanbul im Allgemeinen fliegen? Es ist immer ein Mehraufwand im Vergleich zum Einstieg Europa, wo der Kunde wohnt.

Also muß TK sehr billig anbieten, damit sie genommen wird. Da hat LH Einfluß und kann mithalten.


TK ist bereits deutlich billiger als die LH, Grund dürfte der Wettbewerb mit ME3 sein. Wenn die LH da mithalten will, dann stehen erhebliche Preissenkungen an. Das Niveau von TK und ME3 dürfte ausgeschlossen sein. Die hektischen Verschiebungen Richtung München könnten schon etwas mit der Buchungslage zu tun haben. Richtung Asien und Afrika werden die Preise fallen, die LH wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten nachziehen.
Was sich mir nicht erschließt ist, was ist morgen anders als heute? Der neue Flughafen in IST? Was soll sich da ändern?
TK fliegt hier wie dort jedes Dorf an. Was soll jetzt noch kommen? Die meisten Ziele sind so speziell, da gibt es nur begrenztes Volumen und TK ist in diesen Märkten mit ME3 und ET im Wettbewerb.
Was die Preise angeht, die sind ja, wie Sie sagen, jetzt schon billig und LH hält dagegen, macht 3 Mrd Gewinn. Soviel zur TK Theorie.
Nun zur Buchungslage. Man hat LS Volumen nach MUC transferiert, aus den bekannten Gründen. Dazu braucht es auch ein bestimmtes Feed-Volumen. Das kann man aber nicht in 1/10 Schritten hochfahren. Also fährt man es hoch, um die LS zu füllen. Die ist voll, aber man hat noch Restvolumen Feed übrig. Also, noch eine LS dazu. Das dies BKK ist und nicht Austin liegt wohl eher an der Anpassung TG und Austausch mit EW. TK und ME3 sind in diesem Markt ja schon präsent. TK fliegt jetzt schon 5 x Tag MUC nach IST. Was soll sich daran mit dem neuen Flughafen ändern?
Ich sehe das eher wie A320Fam, ganz normale Anpassung zwischen den HUBs, schon gar nicht hektisch.

Dieser Beitrag wurde am 05.10.2018 13:29 Uhr bearbeitet.


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