Tornado-Nachfolge
Älter als 7 Tage

US-Regierung sieht F-18 im Zeitvorteil gegenüber Eurofighter

Tornado
Tornado, © Gerhard Vysocan

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BERLIN - Bei der Entscheidung über einen Nachfolger des Kampfflugzeugs Tornado in der Luftwaffe gibt es laut US-Regierung einen deutlichen Zeitvorteil für das US-Modell F-18. Die Zertifizierung des Konkurrenzmodells Eurofighter werde drei bis fünf Jahre länger dauern als beim US-Flugzeug.

Das schreibt die Regierung in Washington in einem Bericht an das deutsche Verteidigungsministerium, über den die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag berichtet hat.  Insbesondere geht es bei dem langwierigen Prozess um die Zertifizierung für die sogenannte nukleare Teilhabe der Bundeswehr an US-Atombomben.

Ab 2030 drohen zusätzliche Milliardenkosten für den Betrieb der ab 1981 eingeführten Tornados. Schon ab 2024 steht Deutschland als letztes verbleibendes Land mit Tornados vor steigenden Betriebskosten. Über Jahre gab es aber wenig Bereitschaft, sich des Themas anzunehmen.

Denn Deutschland setzt die Jets auch als Teil eines Abschreckungskonzeptes der Nato ein, bei dem Verbündete im Kriegsfall Zugriff auf Atomwaffen der USA haben können. Dazu muss die Tornado-Nachfolgemaschine aber von den USA zertifiziert werden. Die F-18 hatte eine solche Zulassung bereits in einer früheren Baureihe.

Über das Thema wird öffentlich wenig gesprochen, auch weil mit Atombomben in Deutschland kein politisches Kapital zu gewinnen ist. Offiziell nie bestätigt, aber doch eine Art offenes Geheimnis: In Büchel in der Eifel sollen 20 thermonukleare B61-Gravitationsbomben der US-Streitkräfte lagern. 

Die Luftwaffe setzt den in die Jahre gekommenen Tornado allerdings auch in einer Version für die elektronische Kampfführung gegen feindliche Radaranlagen ein.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat bei ihrem Besuch in der vergangenen Woche in Washington deutlich gemacht, sie wolle "bruchlos sicherstellen", dass die Fähigkeiten des Tornado von einem anderen Fluggerät übernommen werden können. 

"Das heißt, wir haben einen relativ engen Zeitplan, in dem man das auf den Weg bringen kann." Im ersten Quartal 2020 wolle sie entscheiden, sagte sie nach ihrer Rückkehr.

"Abschreckung Teil Europäischer Sicherheitsarchitektur"

Die Entscheidung sei nicht unmittelbar dringend, stehe aber jetzt durchaus an, sagt der SPD-Verteidigungspolitiker Fritz Felgentreu der Deutschen Presse-Agentur. "Der Tornado hält nicht mehr ewig, jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand." 

Die SPD stehe zur in der Koalition getroffenen Entscheidung, auch die F-18 zu prüfen. Und: "Nukleare Abschreckung bleibt auf absehbare Zeit ein wesentlicher Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur. Die nukleare Teilhabe sichert Deutschland einen größeren Einfluss auf die Nuklearstrategie der Nato", so Felgentreu. "Den sollten wir nicht leichtfertig aufgeben - gerade dann nicht, wenn wir Rüstungskontrolle und Abrüstung durchsetzen wollen."

Der US-Bericht liegt dem Verteidigungsministerium nach dpa-Informationen vor. Die Details werden demnach aber nicht öffentlich und werden als vertraulich bezeichnet. "Wir stehen in stetem Austausch, auch schriftlich, mit unseren Partnern und Verbündeten", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Freitag auf Anfrage.

Knapp 90 Tornados sollen von 2025 ausgemustert werden, davon sind etwa 40 in der "Sonderrolle" der nuklearen Teilhabe. Aus der Führung der Luftwaffe war mehrfach deutlich geworden, dass man dort dem "F/A-18" als "Tornado"-Nachfolger deutlich zugeneigt ist: wegen der Fähigkeiten des Flugzeugs. 

Airbus fordert klares Signal der Bundesregierung

Auf der anderen Seite stehen erhebliche industriepolitische Interessen Deutschlands und die Frage, wohin - abhängig vom Gesamtpaket - ein zweistelliger Milliardenbetrag fließen soll.

Hersteller des Eurofighter ist der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Airbus. "Die Situation ist unverändert", sagt Airbus-Sprecher Florian Taitsch zu dem Berichten. "Der Eurofighter besitzt alle technischen Voraussetzungen, um auch die Nukleare-Teilhabe-Rolle des Tornados bis 2030 zu übernehmen."

Wenn die Entscheidung des Ministeriums bereits im Jahr 2020 falle, sei das Zeitfenster für die Zertifizierung ohnehin großzügig. Die nötigen Vorarbeiten auf Industrieseite seien jedenfalls erfüllt. 

Er sagt: "Wichtig, um den Prozess gegenüber den US-Zertifizierungsbehörden aktiv zu starten, wäre eine konkrete Willensbekundung pro Eurofighter der Bundesregierung." 

© dpa-AFX | Abb.: Gerhard Vysocan | 04.10.2019 11:04

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Beitrag vom 06.10.2019 - 02:09 Uhr
muss schon deprimierend sein, sich die ganze Zeit andere Flugzeuge von hinten anzusehen...
Sicher würde er gerne mit einem Rasenmäher vom Typ Saab vorbeistechen ..
😂👌
Beitrag vom 05.10.2019 - 12:07 Uhr
... wozu braucht D Atombombenträger, wenn Lenkraketen dasselbe Geschäft übernehmen. Man spart damit sogar Sprit. Also nochmal darüber nachdenken, oder ist die internationale Lage so deprimierend, daß übermorgen wir in einen Konflikt reingerissen würden.
Beitrag vom 05.10.2019 - 10:52 Uhr
@720_Pitch,

wenn man Flugzeugsysteme nicht weiterentwickelt, dann veralten sie...
So spart man zunächst Geld. Anschliessend wundert masn sich, was ein neues Flugzeug so kostet.
Wenn man "black boxes" kauft, bezahlt man nur. Bei "America First" ist dann explizit der Geld- und auf alle Fälle auch der know how-Transfer geregelt.
Das gilt für die F35 und galt für die Ami-Drohne bei der Bundeswehr.

Da eine deutsche F18 nie solo unterwegs sein würde, kann man sich leicht ausmalen, wie einfach die Kommunikation mit nicht-amerikanischen Flugzeugen sein wird. Die Integration in ein europäischen System ist sicherlich mit schwer abschätzbaren Kosten und Zeitrahmen versehen.
Eine paar F18 als reine Atombombenträger könnte die billigste Lösung sein.


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