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Irkut MS-21 für Türkei und Golfstaaten?

Irkut MS-21
Irkut MS-21, © UAC

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MOSKAU - Russland möchte mit der Irkut MS-21 den Platzhirschen Airbus und Boeing im Standardrumpf-Segment Konkurrenz machen. Doch feste Orders für das neue Flugzeug gab es schon seit Jahren nicht mehr. Irkut sucht deshalb aktiv nach neuen Kunden für den Jet - vor allem im Ausland.

Die Flugerprobung läuft auf Hochtouren: drei MS-21-Protoytpen drehen derzeit regelmäßig ihre Testrunden um den Flughafen Schukowski, zwei weitere sollen bald folgen. Am Boden wird parallel dazu eine Bruchzelle sprichwörtlich auf Biegen und Brechen getestet.

Experten der russischen sowie der europäischen Luftfahrtbehörde EASA sind regelmäßig bei den Testflügen mit an Bord, um sich ein Bild von Russlands neuestem Verkehrsflugzeug zu machen. Für 2020 (Russland), bzw. 2021 (EU) peilt Hersteller Irkut die Zulassung an.

Dann sollen in Irkutsk auch die ersten Serienflugzeuge vom Band laufen und dem russischen Flugzeugbau im zivilen Bereich neue Dimensionen öffnen. Sechs Auslieferungen plant die Irkut-Konzernmutter Rostec nach eigenen Angaben fürs erste Jahr, 2022 sollen es schon zwölf sein. Im Folgejahr sollen 25 weitere MS-21 hinzukommen. Bis 2025 möchte Rostec die Fertigung auf jährlich 72 Flugzeuge hochschrauben.

Seit 2017 keine neuen Festbestellungen

Abnehmer für die ersten Chargen gibt es bereits: 175 Festbestellungen hat Irkut im Orderbuch für die MS-21 vermerkt, die meisten davon aus Russland. Mit 50 fest georderten Exemplaren reklamiert Erstkunde Aeroflot fast ein Drittel des gesamten Auftragsbestandes für sich. Weitere 35 Optionen hält Russlands Flag Carrier für das Flugzeug außerdem.

Die Produktion der MS-21 dürfte damit für die ersten Jahre gesichert sein. Der Haken aber ist: Zu den 175 bestellten Flugzeugen sind schon seit geraumer Zeit keine weiteren hinzugekommen. Zwar äußerten in jüngster Vergangenheit immer wieder Airlines ihr Interesse an der MS-21, mehr als unverbindliche Kaufabsichten resultierten bislang aber nicht daraus.

Darüber hinaus hat Irkut die bisherigen Maschinen offenbar weit unter Wert verkauft: Laut einem Bericht von aviation21.ru beläuft sich das Auftragsvolumen für die bislang 175 bestellten MS-21 auf neun Milliarden US-Dollar (8,2 Milliarden Euro). Geht man vom regulären Preis für das neue Flugzeug aus, müsste es aber gut das Doppelte sein.

Ziel: 1000 MS-21 bis 2037

Nun ist es natürlich durchaus üblich, dass Hersteller ihren Kunden gegenüber dem Listenpreis großzügig Rabatt gewähren – erst recht bei der Einführung eines völlig neuen Flugzeugs. Allerdings müssen die Russen sich augenscheinlich etwas einfallen lassen, um das vom Rostec-Chef Sergei Tschemesow ausgegebene Verkaufsziel zu erreichen – und das lautet, bis 2037 mindestens 1000 MS-21 auszuliefern.

Aus diesem Hintergrund sehen sich die Verantwortlichen derzeit vor allem auf dem Exportmarkt nach neuen Interessenten um. So ließ Juri Sljussar, Vorsitzender des Luftfahrtkonsortiums UAC, zu dem Irkut gehört, im Zuge der Dubai Airshow vergangene Woche durchblicken, man diskutiere aktuell mit der Türkei "sowohl über die MS-21 als auch den Suchoi Superjet".

Türkei und Golfregion im Fokus

Die Türkei steht bei UAC schon seit geraumer Zeit als Absatzmarkt auf dem Zettel. In Russland ist man deshalb bemüht, den dortigen Gesprächspartnern vor allem die MS-21 möglichst schmackhaft zu machen.

Auf dem Moskauer Aviasalon im August führte Russlands Präsident Putin seinen türkischen Amtskollegen Erdogan persönlich durch das Flugzeug, einen Monat später feierte die MS-21 beim Teknofest in Istanbul ihre Auslandspremiere.

Schenkt man den Worten des Rostec-Vorsitzenden Tschemesow Glauben, könnten allerdings auch Airlines "diverser Golfstaaten" bald den Kundenkreis für die MS-21 bereichern. Entsprechende Verhandlungen liefen bereits, teilte Tschemesow am Rande der Dubai Airshow mit.

Allgemein gehe er davon aus, "dass der erfolgreiche Abschluss des Testprogramms und die Erlangung eines Musterzertifikats, einschließlich des europäischen", dem neuen Flugzeug auf dem Weltmarkt "einen starken Impuls verleihen" werden.

Russland auf Partnersuche

Sollte dies tatsächlich der Fall sein und die Nachfrage für die MS-21 sprunghaft ansteigen, liebäugelt UAC-Chef Sljussar bereits mit der Möglichkeit, die Produktion auf bis zu 120 Flugzeuge im Jahr zu steigern. Da dieser erhöhte Ausstoß die Möglichkeiten des Werks in irkutsk aber sprengen würde, wäre man hierfür ebenfalls auf Partner aus dem Ausland angewiesen:

UAC sei deshalb sehr an einer internationalen Zusammenarbeit interessiert – vor allem mit Firmen, die sich mit Verbundwerkstoffen auskennen, so Sljussar.
© FLUG REVUE - PZ | Abb.: UAC | 01.12.2019 08:49

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Beitrag vom 01.12.2019 - 17:31 Uhr
Ich sehe da wenig Chancen. Der Golf setzt eher auf Boeing und Airbus. Die Türkei hat zwar ihre Beziehungen zu Russland verbessert, wird aber sicherlich nicht automatisch ein Großkunde von russischen Herstellern. Wenn Turkish und Co., weiterhin ihren Aufgaben gerecht werden wollen, müssen sie auf die bewährten Airbus und Boeingmodele zurückgreifen. Die Russen haben in der zivilen Luftfahrt viel verschlafen, geschweige das nach wie vor schlechte Supportnetz. Ich sehe nur Verkäufe in Russland selbst und einigen seiner Vasallenstaaten!

Dieser Beitrag wurde am 01.12.2019 17:32 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 01.12.2019 - 15:03 Uhr
Oder dort wo man gezwungenermaßen auf die Max warten muss?
Beitrag vom 01.12.2019 - 12:22 Uhr
Vielleicht sollte es man statt in der Golfregion in Afrika versuchen.


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