FAA-Chef
Älter als 7 Tage

Wiederzulassung von Boeing 737 MAX erst 2020

Air China Boeing 737 MAX
Air China Boeing 737 MAX, © Boeing

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WASHINGTON - Schlechte Nachrichten für Boeing: Die US-Luftfahrtaufsicht FAA schließt eine Wiederzulassung des nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten Unglücksjets 737 MAX für dieses Jahr aus. Das sagte FAA-Chef Steve Dickson am Mittwoch dem US-Sender CNBC.

"Wir werden bei dem Prozess alle nötigen Schritte befolgen, wie lange auch immer es dauern wird", so Dickson in dem TV-Interview.

Die Aufsicht werde die Sache sehr sorgfältig prüfen, denn Sicherheit habe bei diesem Flugzeug die absolute Priorität, erklärte der Behördenchef weiter. Damit zerschlägt sich Boeings Hoffnung, seinen am stärksten gefragten Flugzeugtyp und einen seiner wichtigsten Profitbringer noch in diesem Jahr wieder in die Luft zu bekommen. An der Börse sackten die Aktien des Konzerns deutlich ab.

Die Ansage Dicksons kommt indes wenig überraschend, die FAA hatte Boeings Optimismus, dass der Krisenflieger schnell wieder abheben darf, bereits Ende November gedämpft. Der Airbus-Rivale hatte bis zuletzt noch Zuversicht verbreitet, rasch eine FAA-Zertifizierung der überarbeiteten Steuerungs-Software MCAS zu bekommen. Das Programm gilt als Hauptursache der zwei Abstürze mit insgesamt 346 Toten.

Boeing hatte im November die Hoffnung geäußert, dass die FAA die Verbesserungen an der 737 MAX noch vor dem Jahreswechsel abnickt. Dann wollte der Hersteller im Januar die neuen Trainingspläne für die Piloten entwickeln. In jedem Fall wird es nach der Wiederzulassung mehrere Wochen oder Monate dauern, bis die Fluggesellschaften ihre Maschinen in Betrieb nehmen können. Boeing setzt zunächst vor allem darauf, den Bestseller möglichst schnell wieder ausliefern zu können.

Zu den 737-MAX-Kunden zählen in Europa etwa der Billigflieger Ryanair, der Reisekonzern Tui und der Lufthansa-Ableger Sunexpress. In den USA haben die großen heimischen Fluggesellschaften Southwest, United und American Airlines den Krisenflieger in ihren Flotten. Der Ausfall des Jets hat bereits zur Streichung zahlreicher Flüge geführt und ist besonders in der von starkem Reiseaufkommen geprägten Weihnachtszeit eine große Belastung für die Fluglinien.

Luftfahrtbehörden in aller Welt hatten im März, nach dem zweiten verheerenden Absturz binnen fünf Monaten, ein Startverbot für die 737 MAX erlassen. Bei dem Typ handelt es sich um die spritsparende Neuauflage des Mittelstreckenjets Boeing 737. Die für die Max entwickelte Steuerungssoftware MCAS wird für die Abstürze mitverantwortlich gemacht. Boeing will die Mängel mit einem Update beheben. Zwischenzeitlich tauchten aber noch weitere Probleme auf.

FAA-Chef Dickson soll an diesem Mittwoch vor einem Kongressausschuss in den USA aussagen. Dabei soll es auch um Fehler bei der Zulassung des Jets durch die US-Behörde gehen. Ob bei der ursprünglichen 737-Max-Zertifizierung alles mit rechten Dingen zuging, ist in den USA Gegenstand verschiedener Ermittlungen.

Boeing wird vorgeworfen, die Unglücksflieger im scharfen Wettbewerb mit Airbus überstürzt auf den Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Southwest Airlines | 11.12.2019 15:45

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Beitrag vom 11.12.2019 - 20:40 Uhr
Eine kurze Nachbemerkung: Wenn Boeing mit seiner 787 so weiter macht wie von der "Seattle Times" jetzt berichtet (siehe den Artikel hier bei aero.de), dann kräht demnächst vielleicht doch wieder ein Hahn danach. Vielleicht sogar eine ganze Reihe von Hähnen. Man kann ein großes, traditionsreiches, erfolgreiches und hoch renommiertes Unternehmen durch Raffgier kombiniert mit Arroganz und Inkompetenz kaputt kriegen - manchmal ganz schnell. Boeing wäre da nicht der erste Fall in der Wirtschaftsgeschichte.
Beitrag vom 11.12.2019 - 19:56 Uhr
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/faa-chief-boeing-whistleblower-and-others-to-testify-in-congress-today/

z.Zt. ist Pause bei der Kongressanhörung. Wer Zeit hat, einfach mal den Link anklicken und mithören und sehen...

Vlt. ergeben sich neue Erkenntnisse.
Beitrag vom 11.12.2019 - 19:49 Uhr
Diese Aussage von Mr. Dickson, dem Chef der FAA, kommt in der Tat nicht überraschend, sie bestätigt aber immerhin offiziell, was bisher nur eine begründete Vermutung war. Dass die FAA konsequent nach dem Safety-Fist-Prinzip prüfen will, wäre unter anderen Umständen natürlich eine Selbstverständlichkeit. Nach all dem, was bisher über die faktisch weitgehende Selbst-Zertifizierung der 737 MAX und den Missbrauch dieser Freizügigkeit durch Boeing bekannt geworden ist, ist es das aber nicht. Das Schlimmste, was dieser Maschine passieren kann ist ja, dass es nach der Wiederzulassung einen weiteren systemisch bedingten Crash gibt - nicht nur wegen der weiteren Menschenleben, die dann vermutlich zu beklagen wären, sondern weil es für die 737 MAX Finis bedeuten würde. Aus dem, was man immer noch von Boeing über eine vor allem möglichst schnell gewünschte Zulassung hört, gewinnt man zuweilen den irritierenden Eindruck, dass man dort immer noch nicht begriffen hat, dass die FAA hier tatsächlich im ureigensten Interesse von Boeing handelt, wenn sie jetzt nach dem Prinzip "Safety First" vorgeht.

@Luftfahrt und Ei...
Was das Annehmen einer wieder zugelassenen 737 MAX durch die Kunden betrifft: In jedem anderen Fall würde ich Ihnen unbedingt zustimmen, dass jenseits der "Freaks" ein Grounding den meisten Kunden - platt gesagt - wurscht ist und nur zählt: Wie komme ich zu meinen finanziellen Vorstellungen und/ oder Möglichkeiten zum gewünschten oder erforderlichen Zeitpunkt von A nach B? Nach den Anfangsproblemen des "Dreamliners" kräht inzwischen außerhalb der "Freak-Szene" ja tatsächlich kein Hahn mehr. Aber ob das bei der 737 MAX zumindest gleich von Anfang an auch so sein wird, da bin ich mir offen gesagt nicht sicher. Boeing hat alles dafür getan, dass das öffentliche Image dieses Flugzeugs so unterirdisch geworden ist - ja, im Grunde, dass das Image von Boeing itself so angeschlagen ist, dass es womöglich bis zu den "common people" diffundiert ist. Es bleibt einfach abzuwarten wie die Kunden reagieren wenn ihnen Airlines wieder eine 737 MAX als Transportmittel offerieren.


Dieser Beitrag wurde am 11.12.2019 19:55 Uhr bearbeitet.


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