737 MAX
Älter als 7 Tage

Gericht spricht Boeing von Betrugsabsichten frei

Boeing 737 MAX 7
Boeing 737 MAX 7, © Boeing

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CHICAGO - Boeing hat bei der 737 MAX Verträge gebrochen, Kunden aber nicht böswillig über Eigenschaften und Sicherheit des Flugzeugs getäuscht: ein US-Gericht hat Betrugsvorwürfe einer irischen Leasingfirma gegen Boeing verworfen. Der Fall barg besondere juristische Sprengkraft.

Die 737-Affäre hält die Rechtsabteilung von Boeing seit 2018 auf Trab. In Illinois drohte dem Konzern besonderes Ungemach. Timaero, die irische Flugzeug-Leasingsparte der russischen Bank VEB, zerrte Boeing am Konzernsitz mit einem höchst brisanten Vorwurf vor den Kadi.

Um das erfolgreiche Konkurrenzmodell Airbus A320neo einzuholen, habe Boeing nie vorgehabt, mit der 737 MAX ein "lufttüchtiges, sicheres und fehlerfreies" Flugzeug zu liefern, heißt es in der Klageschrift.

Vielmehr habe das Boeing-Management die eigene Designabteilung unter Zeitdruck gesetzt und die fehlerhafte Flugsteuerung später "nicht ausreichend getestet."

Timaero hatte 2014 22 Boeing 737 MAX bestellt - und klagte vor Gericht auf 189 Millionen US-Dollar Schadensersatz und Annullierung des Auftrags. Hat Boeing dem Lessor wider besseres Wissen unausgereifte Flugzeuge angedreht? "Nein", urteilte nun das Gericht.

"Angeblich betrügerische Stellungnahmen von Boeing stellten Versprechungen über ein zukünftiges Fluggerät dar und keine Beschreibungen einer Maschine mit bekannten Eigenschaften", entlastet das Urteil Boeing vom Betrugsvorwurf und verweist Timaero auf vertragliche Schadensersatzansprüche für verspätete Lieferungen.

Als Präzedenzfall war das Verfahren für Boeing besonders heikel - bei einem anderen Ausgang hätte dem Konzern nach Einschätzung von US-Rechtsexperten mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Klagewelle mit zusätzlichen Schadensersatzforderungen weiterer Kunden in Milliardenhöhe ins Haus gestanden.

Boeing schließt Milliardenvergleich

Anfang Januar legte Boeing vom US-Justizministerium in Zusammenhang mit der 737-MAX-Affäre erhobene Betrugsvorwürfe mit Zahlung von 2,5 Milliarden US-Dollar bei.

"Boeing-Mitarbeiter haben der (US-Luftfahrtaufsicht) FAA wesentliche Informationen über die 737 MAX verschwiegen und anschließend versucht, ihren Betrug zu vertuschen", erklärte das Ministerium. Die Strafzahlung ziehe Boeing "für das kriminelle Fehlverhalten seiner Mitarbeiter zur Rechenschaft".
© aero.de | Abb.: Boeing | 17.03.2021 12:05

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Beitrag vom 17.03.2021 - 18:13 Uhr
Ich sehe die Frage rechtlich korrekt beantwortet:
Die Klage war ja: "Um das erfolgreiche Konkurrenzmodell Airbus A320neo einzuholen, habe Boeing nie vorgehabt, mit der 737 MAX ein "lufttüchtiges, sicheres und fehlerfreies" Flugzeug zu liefern, heißt es in der Klageschrift.

Vielmehr habe das Boeing-Management die eigene Designabteilung unter Zeitdruck gesetzt und die fehlerhafte Flugsteuerung später "nicht ausreichend getestet."

Die Frage ist hier bestand von Anfang an Vorsatz oder anders ausgedrückt, sie wollten von Anfang an Menschen töten. Das sehe ich nicht als erfüllt oder ich habe bisher noch keinen Beweis dafür gesehen.

Korrekt ist für mich Tötung im Affekt (um bei der Analogie zum Mord zu bleiben) Am Anfang wollten sie noch ein gutes Flugzeug bauen und dann haben sie gemerkt, dass sie das nicht ohne Schummelei schaffen und dann wurde der Betrug immer grösser und es wurden immer mehr Personen involviert.

Also Heimtücke, wie man das nennt, sehe ich hier nicht. Also der Willen von Boeing war nicht darauf gerichtet, ihren Kunden schlechtes anzutun, sondern ihnen ein Flugzeug zu verkaufen, was nur mit Tricks fliegt. Ihre Hoffnung war, dass es nie einer merken wird und das sie und ihre Kunden damit goldene Profite einfliegen.

Für mich wurde die Klage korrekt abgewiesen. Bei einer anderen Klage kann das schon anders aussehen

Genau darum geht es. Was wurde geklagt, wie war das fomuliert, wie genau lautet das Urteil?

Nichts in den Auflistungen von @krüger und @triangloum nimmt Bezug auf diese Differenzierung, es heißt nur "War ja klar, ein US Gericht...." und dann eine Reihe von Beispielen und als Referenz VW. Das ist völlig unbrauchbar, da es auf jedes Detail ankommt.

Wer sich interessiert findet die Klageschrift hier
 https://www.whipgroup.com/wp-content/uploads/2019/12/Timaero_Complaint.pdf

Welcher Punkt der Klageschrift ist hier mit VW vergleichbar?

Im Urteil wurde einiges gekippt und einiges weiter zugelassen und einiges muss, wenn man bestimmte Vorwürfe weiter aufrechterhalten will, umformuliert werden.

Urteil gibt´s hier, muss man sich kostenfrei registrieren.
 https://www.law360.com/commercialcontracts/articles/1365257?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=section

Vor diesem Hintergrund bleibe ich dabei, "War ja klar, ein US Gericht...." sehe ich als Stammtischphrase.

Das heißt nicht, man kann nicht dafür sein, dass Boeing insgesamt hart bestraft wird.

Dieser Beitrag wurde am 17.03.2021 18:14 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 17.03.2021 - 17:29 Uhr
Ich will auf keinen Fall Boeing frei sprechen aber wenn ich sie wegen Betruges ran kriegen will, dann darf ich sie nicht wegen Autodiebstahl verklagen. Da wird die Klage abgewiesen.
Beitrag vom 17.03.2021 - 17:22 Uhr
Ich sehe die Frage rechtlich korrekt beantwortet:
Die Klage war ja: "Um das erfolgreiche Konkurrenzmodell Airbus A320neo einzuholen, habe Boeing nie vorgehabt, mit der 737 MAX ein "lufttüchtiges, sicheres und fehlerfreies" Flugzeug zu liefern, heißt es in der Klageschrift.

Vielmehr habe das Boeing-Management die eigene Designabteilung unter Zeitdruck gesetzt und die fehlerhafte Flugsteuerung später "nicht ausreichend getestet."

Die Frage ist hier bestand von Anfang an Vorsatz oder anders ausgedrückt, sie wollten von Anfang an Menschen töten. Das sehe ich nicht als erfüllt oder ich habe bisher noch keinen Beweis dafür gesehen.

Korrekt ist für mich Tötung im Affekt (um bei der Analogie zum Mord zu bleiben) Am Anfang wollten sie noch ein gutes Flugzeug bauen und dann haben sie gemerkt, dass sie das nicht ohne Schummelei schaffen und dann wurde der Betrug immer grösser und es wurden immer mehr Personen involviert.

Also Heimtücke, wie man das nennt, sehe ich hier nicht. Also der Willen von Boeing war nicht darauf gerichtet, ihren Kunden schlechtes anzutun, sondern ihnen ein Flugzeug zu verkaufen, was nur mit Tricks fliegt. Ihre Hoffnung war, dass es nie einer merken wird und das sie und ihre Kunden damit goldene Profite einfliegen.

Für mich wurde die Klage korrekt abgewiesen. Bei einer anderen Klage kann das schon anders aussehen


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