Kapitalerhöhung voraus
Älter als 7 Tage

Warum sich der Staat gerade von Lufthansa-Aktien trennt

Lufthansa Airbus A320 in Frankfurt
Lufthansa Airbus A320 in Frankfurt, © Lufthansa

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FRANKFURT - Der Bund stößt ein großes Aktienpaket an Lufthansa mit Gewinn ab. An dem Teilverkauf der Staatsbeteiligung wird der Steuerzahler rund 200 Millionen Euro verdienen. Der Zeitpunkt hängt nicht nur mit der Bundestagswahl zusammen - bei Lufthansa rückt eine Kapitalerhöhung näher.

Der Staat macht Kasse: 29,9 Millionen Lufthansa-Aktien, die der Bund 2020 zum Nennwert von je 2,56 Euro erworben hatte, um Lufthansa in der Hochphase der Krise zu stabilisieren, wirft die Regierung auf den Markt - und reduziert den Anteil damit von 20 auf bis zu 15 Prozent.

Gemessen am aktuellen Börsenkurs von rund 9,0 Euro realisiert der Staat über den Wirtschaftsstabililisierungsfond (WSF) bei Lufthansa so kurz vor der Wahl einen Fabelgewinn von rund 200 Millionen Euro - insgesamt ist die Beteiligung inzwischen über eine Milliarde Euro wert.

"Nach ersten Erfolgen der von der Deutschen Lufthansa eingeleiteten zukunftsgerichteten Maßnahmen passt der WSF damit seine Beteiligungshöhe unter Beachtung der Interessen beider Seiten zielgerichtet an", teilte die Deutsche Finanzagentur am Montag mit. "Im Rahmen der bestehenden Stabilisierungsmaßnahmen wird der WSF die Deutsche Lufthansa weiterhin entsprechend seiner Position als wesentlicher Aktionär begleiten."

Mit dem Aktienverkauf verschafft sich der WSF zugleich finanziellen Spielraum, um sich an einer anstehenden Kapitalerhöhung zu beteiligen - ohne dafür neues Steuergeld aufzuwenden.

Konzernchef Carsten Spohr will - möglichst noch vor September - neue Aktien ausgeben und mit dem Erlös weitere Staatshilfen ablösen. Im zweiten Quartal hatte Lufthansa weitere 1,5 Milliarden Euro aus der Stillen Einlage des Bundes gezogen - inzwischen steht der Lufthansa aus Staatshilfen beim Staat mit 4,0 Milliarden Euro in der Kreide.

Operation Blanche

Wie jeder Aktionär kann der WSF bei der Kapitalerhöhung mitziehen, muss aber nicht. "Der WSF wird zu gegebener Zeit bestehende Handlungsalternativen abwägen", teilte die Deutsche Finanzagentur mit. Erst wenn Lufthansa die Stillen Einlagen vollständig abgelöst hat, muss sich der Staat bei Lufthansa als Aktionär zurückziehen.

Unter beihilferechtlichen Erwägungen will Berlin den Einsatz frischer Gelder bei Lufthansa vermeiden. Im Rahmen einer sogenannten "Operation Blanche" könnte der WSF zudem einen Teil seiner Bezugsrechte für neue Aktien verkaufen und auch mit diesem Erlös die Kapitalerhöhung mitgehen.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 17.08.2021 08:02


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