Ansage der Türkei
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Wenn wir keine F-16 kriegen, kaufen wir halt Su-57

Lockheed Martin F-16
Lockheed Martin F-16, © USAF

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ISTANBUL - Nach dem Rauswurf aus dem F-35-Programm ist die Türkei weiter auf der Suche nach neuen Kampfjets. Als Ausgleich für bereits geleistete Zahlungen könnten die USA 40 F-16 an die Türken liefern. Für den Fall, dass der Deal platzt, hat Ankara bereits einen Plan B in petto.

1,4 Milliarden US-Dollar hat die Türkei einst an die USA überwiesen – als Anzahlung für rund 100 F-35A. Damals war die Welt zwsichen beiden Staaten noch in Ordnung, türkische Firmen lieferten gut 1.000 Teile für jede einzlne F-35, die bei Lockheed Martin in Fort Worth aus der Halle rollte.

Doch weil die Türkei etwas später auch Geld an Russland überwies und dafür russische S-400-Flugabwehrraketen geliefert bekam, ließen die USA die Türken in die Röhre gucken: man kegelte den NATO-Partner kurzerhand aus dem F-35-Programm. Die Anzahlung allerdings behielt die US-Regierung ein. Bis heute.

Plan A: F-16 statt F-35

Nun scheint es in Washington D.C. Überlegungen zu geben, der Türkei als Ausgleich für die Dollars neue F-16 zu verkaufen. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters. Konkret geht es demzufolge um den Kauf von 40 Maschinen des Standards Block 70/72. Außerdem sollen knapp 80 der bereits bei der türkischen Luftwaffe im Einsatz stehenden F-16 entsprechend aufgerüstet werden.

"Wir haben 1,4 Milliarden Dollar für die F-35 gezahlt, und die USA hatten als Gegenleistung für diese Zahlungen einen solchen Vorschlag", erklärte der türkische Staatspräsident Erdogan. Allerdings müsste der US-Kongress einem solchen Deal vorher zustimmen - und genau daran könnte es letzten Endes scheitern.

Reuters mutmaßt, der Antrag der US-Regierung werde es "wahrscheinlich schwer haben, die Zustimmung des US-Kongresses zu bekommen", da dort die Stimmung gegenüber der Türkei seit einiger Zeit "stark eingetrübt" sei.

Plan B: Einkauf bei den Russen

Für diesen Fall baut man in Ankara offenbar schon vor – und sucht abermals den Draht zu Russland. Die Russen hatten ihrerseits wiederholt versucht, der Türkei den Stealth-Fighter Su-57 sowie die Su-35 schmackhaft zu machen.

Russlands Präsident Putin höchstpersönlich hatte seinem Amtskollegen Erdogan zur Eröffnung des Aviasalons MAKS 2019 in Schukowski die Jets aus nächster Nähe präsentiert.

Zu einem Kauf durchringen konnte sich die Türkei jedoch bisher nicht – auch weil man mit dem "Milli Muharip Uçak" ( MMU, "Nationales Kampfflugzeug") bereits einen eigenen Kampfjet der fünften Generatiion entwickelt. Allerdings sagte der Leiter der türkischen Verteidigungsindustrie, Ismail Demir, dem türkischen Fernsehsender NTV am Montag, das Thema sei keineswegs vom Tisch.

Die Türkei sei nach wie vor bereit, den Kauf von Kampfjets der Typen Su-35 und Su-57 in Betracht zu ziehen. "Wenn die Vereinigten Staaten nach der Situation mit den F-35-Flugzeugen kein Abkommen über die F-16 genehmigen, wird die Türkei nicht ohne Alternativen dastehen", so Demir.

Erdogan will neue S-400

Präsident Erdogan derweil kündigte in einem Interview mit dem US-Sender CBS News bereits Ende September an, weitere S-400-Abwehrsysteme beschaffen zu wollen. Die Reaktion der USA oder eines anderen NATO-Verbündeten kümmere ihn bei dieser Entscheidung wenig: "Künftig wird sich niemand mehr einmischen können, welche Verteidigungssysteme wir von welchem Land auf welcher Ebene erwerben", machte Erdogan klar.

Klar ist jedoch auch: Die Chancen auf einen F-16-Deal dürften in diesem Fall nicht gerade steigen. Also doch eher Plan B?
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | 20.10.2021 14:02

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Beitrag vom 21.10.2021 - 15:33 Uhr
Die F-16 hat jedoch kein Zukunftspotential, wenn man Einsatzzeiträume > 40 Jahre denkt.

Andererseits muss man nicht wirklich in 40 Jahres-Zeiträumen denken, wenn man relativ günstige off-the-shelf Hardware einkauft anstatt die Entwicklung und den Kauf Milliardenschwerer Technologieträger zu finanzieren wie Europa das tut...

Die Türkei ist bei günstigen Drohnen schon militärisch führend. Das ist vermutlich auf lange Sicht mehr wert als die Entwicklung einer neuen Generation Kampfflugzeuge nach veralteter Denkweise...


Dieser Beitrag wurde am 21.10.2021 17:38 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.10.2021 - 15:33 Uhr
Die F-16 hat jedoch kein Zukunftspotential, wenn man Einsatzzeiträume > 40 Jahre denkt.

Werden die nicht gerade Kampfwertgesteigert?

Ich meine was gelesen zu haben.

Die F18 hat Boeing zur Super Hornet weiter entwickelt, die F15 zur Strike Eagle.

Die F22 war/ ist zu teuer, die F35 hat das selbe Problem.

Die F 16 ist wie die Currywurst oder der Döner - man könnte auch ins Sternelokal gehen und die Mission mit der F22 fliegen, aber ob der Taliban Trupp da unten wirklich den einsatz einer B2 oder F22 rechtfertigt?

Oder ob es nicht auch die 500kg Bombe aus einer F16 tut?

Die Chance einer grossen Konflikts in dem die Türkei einen hochgezüchteten Luftüberlegenheitsjäger braucht, ist wohl unwahrscheinlich.
Besonders wenn man die entwicklung aus den letzten auseinandersetzungenn betrachtet - im Bergkarabachkonflikt muss man sich sowieso fragen ob es so sinnvoll ist wenige teure Waffensysteme anzuschaffen.

Und wie die Türkei mit ihren Leo 2 Panzern eindrucksvoll gezeigt hat, können sie mit modernem Kriegsgerät eh nicht umgehen.
Beitrag vom 21.10.2021 - 15:26 Uhr
Die F-16 hat jedoch kein Zukunftspotential, wenn man Einsatzzeiträume > 40 Jahre denkt.

Zum verletzen des griechischen Luftraums gestern reichen die allemal.


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