PPV-Ausstieg
Älter als 7 Tage   EXKLUSIV 

Lufthansa kann Mainline kurzfristig um 33 A320 reduzieren

Lufthansa Airbus A321neo
Lufthansa Airbus A321neo, © Lufthansa

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FRANKFURT - Hat Lufthansa den Ausstieg aus der PPV von langer Hand geplant? Eine Regelung in den Tiefen des Tarifwerks alarmiert die Piloten - Lufthansa kann die Mainline im August 2022 offenbar auf einen Schlag um bis zu 33 A320 - oder 20 Langstreckenflugzeuge - reduzieren. Was steckt dahinter?

Lufthansa geht mit einer wesentlich kleineren Flotte aus der Krise - nur noch 610 statt der einst 760 Flugzeuge will der Konzern weiter nutzen. Zumindest vorerst.

Die Flottenreduktion ist laut Lufthansa auch der Hauptgrund für die Kündigung der PPV, die seit Oktober 2017 die Tarifbeziehungen zwischen Lufthansa und den Piloten der Kerngesellschaft flankiert.

"Ab nächsten Sommer werden keine 325 ... mit PPV-Kollegen:innen bereederten Flugzeuge eingesetzt werden können", ließ Lufthansa die PPV-Crews vergangene Woche wissen.

Der Konzern quittiert - unter Wahrung von sechs Monaten Kündigungsfrist - die PPV zum 30. Juni 2022. Und dann? Die Kündigung ändere "zunächst (...) wenig", beruhigte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit noch am 17. Dezember ihre Mitglieder Stunden nachdem Lufthansa die Tarifbombe gezündet hatte.

Freiwilligenprogramm auf PPV-Ausstieg getimt?

Zumindest aus Lufthansa-Sicht ändert der Rückzug aus der PPV allerdings doch so einiges. Konzerninsider argwöhnen, dass die Lufthansa-Tarifabteilung den PPV-Kündigungstermin möglicherweise schon im Sommer bei Verhandlungen zu einem Freiwilligenprogramm im Hinterkopf gehabt haben könnte.

Denn die PPV-Flottenzusage löst sich auch nach einer Kündigung nicht in Luft auf. Ein früherer VC-Präsident weist Kollegen im Crewforum auf zwei "Abschmelzpfade" hin, zwischen denen Lufthansa nach der Kündigung der PPV nun wählen kann: eine eher zähe, schrittweise Reduktion um 23 Flugzeuge - oder einen Abbau "um bis zu 72 Flugzeuge" auf einen Schlag.

Der zweite Weg stehe Lufthansa zwar nur offen, "wenn ab dem Zeitpunkt der Wirksamkeit der Kündigung entsprechend viel Personal ... ausscheidet".

Genau dieser Fall tritt aber 2022 ein: 389 PPV-Piloten werden Lufthansa freiwillig zum 31. Juli 2022 gegen Abfindungen verlassen. Den Endtermin der Arbeitsverhältnisse soll Lufthansa in das Freiwilligenprogramm diktiert haben.

"Ob Lufthansa bei den Verhandlungen zum Freiwilligenprogramm bereits eine Abschmelzung (der Flottenzusage, Red.) im Hinterkopf hatte, ist Spekulation", teilte die Gewerkschaft aero.de auf Anfrage mit. "Festzuhalten ist, dass Lufthansa mit einer deutlich geringeren Teilnahme am Freiwilligenprogramm gerechnet hatte."

Der Ausstieg von 389 Pilotinnen und Piloten im Sommer 2022 übersetzt sich laut Cockpit nach Lufthansa-Crewschlüssel in 33 Kurzstrecken- oder 20 Langstreckenflugzeuge. Lufthansa verortet den PPV-Flottenüberhang "vor dem Hintergrund der Markt- und Kostenentwicklung insbesondere im Kont-Bereich".

Laut Insidern will Lufthansa den Piloten der Kerngesellschaft im Gegenzug für eine neue Flottenzusage von 325 Flugzeugen Kostensenkungen um 25 bis 30 Prozent abringen - und hat durch die Wechselwirkungen von PPV-Ausstieg und Freiwilligenprogramm möglicherweise ein starkes Druckmittel in der Hand.

Piloten sehen sich um Abmachungen betrogen

Die Piloten sind über das Lufthansa-Vorgehen schwer verärgert. Denn eigentlich sollte die PPV-Flottenzusage 2017 ein Netz unter die Sozialpartnerschaft spannen - im Kontext des Freiwilligenprogramms werden die PPV-Absprachen zum Fallstrick. Cockpit wirft dem Konzern bereits eine "Endlosschleifenpolitik" vor.

"Die Pilotenschaft soll sich ein und dieselbe Leistung immer wieder neu verhandeln und erkaufen", sagte VC-Tarifchef Marcel Gröls aero.de. "Die Flottenzusage der PPV wurde mit erheblichen Produktivitätsgewinnen in Höhe von 15 Prozent bezahlt. Eine möglicherweise erneuerte PPV auf gleichem oder niedrigerem Niveau soll nun wiederum bezahlt werden."

Cockpit misstraut zudem den Flottenaussagen des Vorstands. "Die Flottenstärke in der gesamten LH-Group wird zu beobachten sein", sagte Gröls aero.de. "So kann man letztendlich feststellen, ob die LH einen tarifpolitischen Etikettenschwindel betreiben will. Dem wird die VC entschieden entgegenstehen."

Die Piloten haben inzwischen reagiert und die Vergütungsverträge ebenfalls zum 30. Juni 2022 gekündigt - damit ist die Gewerkschaft 2022 streikfähig.
© aero.de | 22.12.2021 09:17

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Beitrag vom 24.12.2021 - 15:58 Uhr

Die Bürgschaft des Staates, auf die Sie anspielen, ist bereits vom besagten Insolvenzverwalter FLÖTHER zurückgezahlt worden. Fragen Sie doch mal, wie das alles zusammnengeht.

Nein, ich spiele auf Abu Dhabi an.
Beitrag vom 24.12.2021 - 15:48 Uhr
GORDON


"Sprechen Sie von der Air Berlin, die in den Jahren 2010 bis 2015 Verluste in Höhe von 1,5 Milliarden Euro aufgehäuft hatte, die von staatlicher Seite ausgeglichen wurden und auf deren Partys mit Duzfreund Rainer immer bis tief in die Nacht gesoffen wurde?
Oder ist das eine andere Airline?"


Lieber Gordon, Ihre gesistigen Tiefflüge sind hier leider nichts Neues.
Vielleicht kann ich ein wenig Licht in Ihr Dunkel bringen.
Meine Zeilen beleuchteten das unzoziale Verhalten von Spohr. Und als LH Pilotin weiß ich verdammt gut was abgeht. Die gesamte Belegschaft ist Dank Spohr und seinen Kollegen verunsichert. Und das Beispiel Air Berlin haben viele von uns im Kopf, zumal es inzwischen ja identische "Aktionen" bei Germanwings und Sun Express gab. Aber da mein Mann bei Air Berlin flog bin ich auch in diesem Fall direkt betroffen.

Seien Sie versichert, dass bei AB sehr hart gearbeitet wurde und nicht bis tief in die Nacht gesoffen, wie respektlos ist das denn?

Die Bürgschaft des Staates, auf die Sie anspielen, ist bereits vom besagten Insolvenzverwalter FLÖTHER zurückgezahlt worden. Fragen Sie doch mal, wie das alles zusammnengeht.
Und im übrigen, denn auch das gehört zur Wahrheit dazu, hat der deutsche Steuerzahler jahrzehntelang die aufgehäuften LH Verbindlichkeiten ausgeglichen. In diesen Zeiten mussten andere Fluggesellschaften wie LTU und HF ohne Staatshilfen auskommen.



"Es ist an der Zeit, dass Spohr mal endlich seine Grenzen aufgezeigt werden. Er versucht gerade auf seine eigene perfide arbeitnehmerfeindliche Art, mit der Lufthansa ein ähnliches Szenario wie seinerzeit mit Air Berlin aufzuziehen. Die 8000 Air Berliner, die auf einmal auf der Strasse standen, sind nicht vergessen. Unter gütiger Mitarbeit seines Kumpels Winkelmann, der schon bei Germanwings gnadenlos versagte, aber im Gegensatz zu den Air Berliner, die Stütze beantragen durften, mit zwei Mio abgefunden wurde und einem windigen Insolvenzverwalters namens Lucas Flöther, der übrigens auch schon wieder Gewehr bei Fusse stand, als Spohr im letzten Jahr die Lufthansa in ein Insolvenzverfahren führen wollte..."


Liebe DC 10,
Als langjähriger KTV Pilot, der jetzt seine Pension geniesst, kann ich sehr gut einschätzen, dass Sie hier
sehr viel Unsinn verbreiten. Ich weiß zwar nicht, unter welchen Nicknames Sie hier schon schrieben, aber mit 2 Beiträgen waren Sie ja noch nicht so sehr aktiv.
Sie sollten wirklich mal die monatlichen „Offen gesagt“ ansehen, die in beeindruckender Weise regelmässig von CS abgehalten werden.
Natürlich muss er nicht nur sein Personal befriedigen, aber auch die Aktionäre, denn die finanzieren die Sache ja mit,
wie kürzlich durch die Kapitalerhöhung, durch die der Aktienkurs der LH ja nochmal um einiges gesunken ist.
CS hat selbst oft genug gesagt, dass es in dieser, noch nie dagewesene Krise schwierig sein wird, jeden Arbeitsplatz im Konzern zu erhalten,
aber auch dass man versucht, ohne Entlassungen durchzukommen.
Auch die sogenannte Staatshilfe, die viele hier als „Subvention“ verstanden, war nichts anderes als ein kurzfristiger Überbrückungskredit, durch den der Steuerzahler, also der Staat noch sehr gut dran verdient hat.
Ich könnte hier noch seitenweise Argumente bringen, das spare ich mir angesichts der Weihnachtstage.
Ich jedenfalls bin ganz sicher, dass CS einen richtig guten Job macht, und wenn man seine Vorträge hört, ohne einmal auf sein Manuskript schaut,
alles frei redet, auch die Gestellten Fragen ohne Zögern klar und deutlich beantwortet. Ganz anders übrigens als die meisten Politiker wie unsere ehemalige Bundeskanzlerin, oder der aktuelle Kanzler, die jeden Satz nur immer abgelesen haben, und auch das oft fehlerhaft.
Übrigens ist CS kürzlich auch im Managermagazin oder so zum CEO des Jahres ernannt worden, warum wohl?

Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und dass euch die Seuche hoffentlich erspart bleibt!
Beitrag vom 24.12.2021 - 14:18 Uhr
Wenn die Welt so einfach wäre wie Pilotin sich das vorstellt...

Ist sie aber nicht. Z.B. gibt es Arbeitnehmer die zu schätzen wissen was "Spohr" zur Sicherung von Arbeitplätzen leistet. Die haben keine Verträge das mindestens soundsoviel Passagiere mit LH fliegen oder Technikkunden mindestens soundsoviel Geräte/Triebwerke/younameit überholen lassen. Aber Piloten haben einen Vertrag erzwungen 325(?) Flugzeuge im KTV/PPV zu betreiben! Egal ob wirtschaftlich sinnvoll nicht! .

Die Aufwände hierfür gehen nicht etwa zu Lasten der Verursacher sondern zu Lasten des Betriebsergebnisses.

Und jetzt jammern die bestbezahlten Piloten des Planeten das solche Verträge gekündigt werden wenn sie dem Unternehmen die wirtschaftliche Grundlage entziehen...

Zu Weihnachten wünsche ich mir das dass Personal aus der ersten Reihe sich mal umschaut und die Leute sieht die hinter ihnen sitzen. Damit meine ich nicht nur die Passagiere die uns alle bezahlen sondern auch im übertragenen Sinne all die Menschen die mit ihrer Arbeit zum guten Produkt genauso beitragen!

Frohe Weihnachten!


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