Verhandlungsdruck
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Lufthansa kippt PPV-Regelung mit Piloten

Lufthansa in Frankfurt
Lufthansa, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa baut im Ringen um eine neue Tarifregelung mit ihren Piloten Druck von zwei Seiten auf. Der Konzern steigt zum 30. Juni 2022 aus der Perspektivvereinbarung (PPV) aus. Germanwings hat kein Geld für Abfindungen. Die Vereinigung Cockpit zieht sich zu Beratungen zurück.

Wie weiter nach der Krise? Lufthansa und PPV-Piloten stecken in Verhandlungsgräben fest - und die Uhr tickt: Ende März 2022 läuft der aktuelle TV Corona Krise 2 aus. Kurz vor der Feiertagspause holt Lufthansa die Brechstange raus.

Über das "Crew Portal" hat Lufthansa ihre PPV-Piloten am Donnerstag über die Kündigung der Perspektivvereinbarung zum 30. Juni 2022 in Kenntnis gesetzt - der Konzern will insbesondere die bisherige Flottenzusage abstreifen.

"Die PPV-Flottenzusage passt weder zur aktuellen Krise, noch zu den mittelfristigen Rahmenbedingungen", heißt es in dem Schreiben, das aero.de vorliegt. "Ab nächsten Sommer werden keine 325 bzw. 310 mit PPV-Kolleg:innen bereederten Flugzeuge eingesetzt werden können."

"Sozialplan 0" bei Germanwings

Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit treten laut Lufthansa "auf der Stelle". Lufthansa pocht auf eine Absenkungen der vereinbarten Arbeitszeiten, um Pilotinnen und Piloten von Germanwings einen Übergang in andere Konzerncockpits zu ermöglichen.

"Es bleibt unser erklärtes Ziel, die ab April 2022 von betriebsbedingten Beendigungskündigungen betroffenen PPV-Kolleg:innen der Germanwings bei Lufthansa Airlines aufzunehmen", heißt es in dem Schreiben weiter. "Wenn alle weniger arbeiten, ist ausreichend Arbeit für alle da."

Zugleich stellt Lufthansa klar: Abfindungen wird es "angesichts fehlender finanzieller Kraft bei Germanwings" nach einer Entscheidung der einberufenen Einigungsstelle vom letzten Dienstag nicht geben. Bei Germanwings stehen 390 Pilotenjobs auf der Kippe, rund 150 Kapitäne könnten allerdings im Falle einer Einigung auf ihre alten Stellen bei Lufthansa zurückkehren.

Die Vereinigung Cockpit will jetzt intern beraten. "Obwohl die PPV Mechanismen für den Umgang mit solchen Krisen beinhaltet, hat sich der Arbeitgeber entschieden, sich auf diesen Pfad zu begeben", informierte die VC ihre Mitglieder noch am Donnerstag. Den Spruch der Einigungsstelle zu einem "Sozialplan 0" bei Germanwings nennt Cockpit darin "forciert".

"Lufthansa geht in den Verhandlungen sehr aggressiv vor und will dauerhafte Gehaltskürzungen durchsetzen", sagte VC-Tarifvorstand Marcel Gröls am Freitag.

Weiteres Tarifprovisorium?

Die Flottenzusage von 325 PPV-Flugzeugen bis 2022 ist das Herzstück der im Oktober 2017 zwischen Lufthansa und Piloten geschlossenen Perspektivvereinbarung. Mit der PPV zogen Lufthansa und Piloten einen Schlussstrich unter einen jahrelang schwelenden Tarifstreit. Im Gegenzug hatten die Piloten einer Senkung der Cockpitstückkosten um 15 Prozent zugestimmt.

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann hatte den PPV-Piloten im November eine neue Flottenzusage in Aussicht gestellt und dies von einer langfristigen "Vereinbarung mit strukturellen Kostensenkungen" abhängig gemacht. Von einem großen Wurf sind die Parteien aber wieder weit entfernt.

Im aktuellen Schreiben spricht Lufthansa nur noch vom Minimalziel einer "Verlängerung der wesentlichen Instrumente" des TV Corona Krise 2 über das Ablaufdatum Ende März 2022 hinaus.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 17.12.2021 07:25

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Beitrag vom 28.12.2021 - 22:25 Uhr
Nun ja, wenn die verantwortlichen Kollegen in der VC halbwegs fit wären, dann würden sie jetzt den Trumpf aus dem Ärmel ziehen, dass die PPV ausdrücklich kein Tarifvertrag ist, und daher gem. Tarifvertragsgesetz überhaupt nicht in der Lage war, den KTV auszusetzen!
Der KTV ist wiederum gerichtlich durchsetzbar, und damit wären die Karten neu gemischt...

Leider glaube ich bei der VC allerdings nicht mehr daran, dass die Kollegen dort tatsächlich an einer Lösung interessiert sind, immerhin hat die KTK bereits 2017 die Kollegen auf der Linie verraten, und für schnelle Upgrades etc. an die GL verkauft.
Und von den damalige KTK-Mitgliedern sitzen nun einige sogar im Vorstand.

Also wird die GL weiter schalten und walten können, bis sich einzelne Kollegen auf dem Gerichtsweg für den KTV einsetzen!
Beitrag vom 18.12.2021 - 12:07 Uhr
Aber wenn ich heute schon weiß, dass ich eine vertragliche Leistung in Zukunft nicht mehr erbringen kann, ein Zeitfenster zur Beendigung dieses Vertrages verstreichen zu lassen und mich damit morgen erpressbar zu machen. Was würden denn die Topmanager hier an dieser Stelle machen? Ins offene Messer laufen?

Dass die Täter sich gerne als Opfer präsentieren, ist nicht nur bei sog. Managern en vogue ... das gibt es bekanntlich auch in der "großen" Politik ... vorzugsweise bei den sog. "lupenreinen" Demokraten weit rechts von der Mitte.
Die Uneinsichtigkeit der Bevölkerung bzw. von Arbeitnehmern zwingt sie förmlich immer wieder zu einseitigem Handeln.
Es ist aber auch nicht einfach.
Da sagen Sie was :-) Sieht so aus, dass bei Uneinsichtigkeit beide Seiten das einseitige Handeln beherrschen.

Ganz und gar nicht.
Sie bezeichnen Opfer, die sich wehren, gerne mal als Täter. Ich dagegen spreche von Tätern, die sich selber als Opfer darstellen, um ihre Machtphantasien ausleben zu können
Garnicht, die Opfernummer haben Sie hier ins Spiel gebracht. Gut, spielen wir es mal weiter. Wenn dann in ein paar Jahren der hier prognostizierte Pilotenmangel herrscht und die nächsten Verhandlungen anstehen erinnern wir uns an Ihre Täter/Opfer Analogie und wer dann die Machtphantasien auslebt ;-)
Mal von LH oder Piloten abgesehen. Die Welt ist im Wandel, schon immer, und es gibt Positionen, die diesen Wandel täglich managen müssen. Dann gibt es die, die sich in einem geschützen Raum bewegen und ihr Schicksal in die Hände der Manager gegeben haben. Also alle in einem nichtselbstständigen Beschäftigungsverhältnis. Das man grundsätzlich Veränderungen skeptisch gegenübersteht liegt tief in uns verankert, es sei denn, die Veränderung ist klar positiv. Alles andere wird erst mal verdrängt oder auch bekämpft. Davon geht aber die Veränderung nicht weg. Da machen wir Flieger keine Ausnahme, die klassische Veränderungsformel gilt auch für uns, siehe Air Berlin.
Sie als entscheidungsfreudiger, informierter Fachmann, was würden Sie in der Situation machen? TV ist kündbar, Bedingungen lassen sich nicht mehr erfüllen, Zukunft unklar, Verhandlungen laufen und der Wettbewerb rüstet massiv auf. Sich nur auf die Opferrolle zu berufen ändert nichts an der Sitaution. Nur zu.
Beitrag vom 17.12.2021 - 19:37 Uhr
Solange es seitens der VC keine ernsthafte, sinnvollerweise europäische, Strategie zum Umgang mit den LCC gibt, bleibt CS nicht viel Raum, um seine Konkurrenzfähigkeit wieder herzustellen. Solange das untere Ende der “Tarifverträge” nicht mit Minimumbedingungen gesichert wird (so gerade geschehen in Italien) werden die Bedingungen bei der LH-Group und ganz speziell der PPV Bereich weiter erodieren.
Leider ist der Sinneswandel, dass man seine Energie besser für die Kollegen im LCC Bereich einsetzen sollte, bei den glücklich im KTV Angestellten noch nicht weit fortgeschritten. Hier wird weiterhin der Traum am Leben gehalten, dass es ewig so weitergehen wird wie vor langer Zeit. Die Fakten, die gerade durch CS geschaffen werden, sprechen allerdings eine andere Sprache.
Es wird dringend Zeit, die extremsten Wildwüchse europaweit zu unterbinden und damit gleiche Bedingungen für Alle zu schaffen. Nur dann werden in Verbindung mit einem (möglichen) Pilotenmangel die Bedingungen für die gesamte Pilotenschaft auf einem akzeptablen Niveau zu halten sein.


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