KC-Y-Ausschreibung
Älter als 7 Tage

Boeing-Lobby zweifelt Sicherheit von Airbus-Flugzeugen an

Boeing KC-46 Pegasus
Boeing KC-46 Pegasus, © USAF

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WASHINGTON - Im letzten Tankerduell setzte sich Boeing mit viel politischer Hilfe durch. Von der KC-46A ist die US Air Force allerdings ziemlich enttäuscht. In der nächsten Ausschreibung ist der Airbus A330 MRTT nicht chancenlos. Die Boeing-Lobby will Airbus für das Rückspiel vorsorglich sperren - dafür ist jedes Mittel recht.

Der Stachel sitzt bei Airbus und Northrop Grumman auch nach fast elf Jahren noch immer tief: Boeing hatte die erste Vergabeentscheidung der KC-X-Ausschreibung an das europäisch-amerikanische Gespann erfolgreich angefochten.

Mit Rückendeckung der Lobby im US-Kongress erhielt Boeing in der Neuauflage Anfang 2011 dann den Zuschlag für den Bau von 179 Tankern auf Basis der 767-200ER. Die Ausschreibung war so zugespitzt formuliert, dass letzlich nur die KC-46A den Auftrag holen konnte.

Viel Freude hat Boeing an dem Sieg bis heute nicht. Der Auftrag entpuppte sich als dickes Verlustgeschäft, in dem der Konzern rund fünf Milliarden US-Dollar versenkt hat. Hinzu kommt ein gewaltiger Imageschaden - denn als Ersatz für die hochbetagten KC-10 und KC-135 taugt die KC-46A offenbar nur bedingt.

David Goldfein, Stabschef der US Air Force, stellte dem neuen Tanker 2020 im US-Senat jedenfalls ein vernichtendes Arbeitszeugnis aus: er würde die KC-46A nur im absoluten Notfall im Einsatz als Tankflugzeug heranziehen - etwa dann, wenn es zu einem Krieg mit China oder Russland käme. 

Boeing hat inzwischen 48 KC-46A an die US Air Force übergeben - wenn die US Air Force trotz der Kritik alle 13 Baulose der KC-X-Ausschreibung beauftragt, wird Boeing die letzte KC-46A im Jahr 2029 liefern. Wie es danach in der US-Tankerflotte weitergeht, wird in einer neuen Ausschreibung geregelt.

Auf KC-X folgt KC-Y

Erste Weichen für das "KC-Y"-Programm sind bereits gestellt. "Die Air Force sucht Unternehmen, die in der Lage sind, kommerzielle Tankflugzeuge zu liefern, um die Tankflugzeugflotte der Air Force am Ende der KC-46A-Produktion zu ergänzen", läutete die US Air Force im Juni 2021 eine Neuauflage im Tankerduell ein.

Laut Insidern wird die Ausschreibung 140 bis 160 Tanker umfassen, verteilt auf jährliche Liefermengen von 15 Flugzeugen. Angesichts der Kritik an der KC-46A kann sich Airbus nicht nur Außenseiterchancen ausrechnen - die Boeing-Lobby im US-Kongress will es am liebsten gar nicht erst zu einer Neuauflage des Duells kommen lassen.

"Airbus muss in Bieterverfahren für Rüstungsprojekte gegroundet werden", forderte die Politikberaterin Lynn Haueter in einem Beitrag auf "Real Clear Politics" einen Ausschluss von Airbus. "Die politischen Entscheidungsträger im Pentagon sollten Airbus auf eine Art Strafbank setzen."

Haueter, die für republikanische Kongressabgeordnete aus Kansas und Texas arbeitete, wirft Airbus nicht näher spezifiziertes "Fehlverhalten bei Verteidigungs-Ausschreibungen" der Vergangenheit vor.

Korruptionsermittlungen, auf die Haueter anspielt, hatte Airbus einst mit einer Selbstanzeige ins Rollen gebracht - und das Verfahren Anfang 2020 mit Zahlung einer Rekordbuße von 3,6 Milliarden Euro beigelegt. Ein über 15 Jahre vor der WTO geführter Schlagabtausch um Subventionen für Airbus und Boeing endete für die USA und die EU 2019 gleichermaßen mit einer blutigen Nase.

Hier verdreht Haueter einige Fakten - behauptet etwa, dass die WTO "Airbus eine Strafe über 7,5 Milliarden US-Dollar aufgebrummt hat".

Tatsächlich steckt die Summe lediglich den möglichen Rahmen für US-Strafzölle auf Importe aus der EU ab. Zudem kann die EU wegen illegaler Boeing-Beihilfen ihrerseits US-Exporte um bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar verteuern. Seit Juni 2021 gilt zwischen USA und EU ein Moratorium für gegenseitige Strafzölle.

Vorgeschmack auf neue Schlammschlacht

Fake News sind nicht der einzige schmutzige Trick, auf den Airbus bei einer Neuauflage des US-Tankerduells besser gefasst sein sollte. Die Sache könnte richtig unschön werden - Haueter streut in dem Beitrag mehr oder minder offen Zweifel an der generellen Sicherheit von Airbus-Flugzeugen.

"Es geht nicht darum, dass die Flugzeuge dieses Unternehmens grundsätzlich gefährlich sind. Vielleicht sind sie es, aber das ist nicht der Punkt", leitet Haueter ihren Beitrag ein. "Amerikanische Leben" sollten Airbus aus Sicht der Autorin sicherheitshalber aber ebenso wenig "anvertraut werden wie Rüstungsverträge".
© aero.de | Abb.: Airbus | 04.01.2022 16:00

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Beitrag vom 06.01.2022 - 18:34 Uhr

Was mich allerdings interessieren würde. Auf der 767-Linie werden gerade nicht wenige Frachter produziert, welche irgendwann wegfallen (wegen zu lauter Triebwerke). Dann werden die Fixkosten für die Produktion der Militär 767 zwangsläufig steigen.
Will Boeing die 767-Linie in ihrer jetzigen Form weiter produzieren lassen, dann muss die zivile 767 wohl neue Triebwerke bekommen.
Dann kann Boeing diese neuen Triebwerke auf bei der KC-46 ins Rennen schicken. Folglich muss Airbus dann eine A330MRTT anbieten, welche auch moderne Triebwerke hat (z.B. RR Trent 7000).

Beide Bieter müssen (und dürfen) nur genau das Anbieten, was der Auftraggeber im Leistungsheft für die Ausschreibung definiert. Bietet ein Bieter ein Flugzeug mit abweichenden Spezifikationen (z.B. anderes Triebwerk), ist das Angebot streng genommen nicht gültig und würde zum Ausschluss vom Vergabeverfahren führen.
Ein Bieter könnte höchstens ein zweites Angebot einreichen, wo die seiner Meinung nach besseren technischen Specs abgebildet sind.
So würde der Bieter zumindest im Vergabeverfahren bleiben.

Sollte dieses „verbesserte“ Angebot den Zuschlag erhalten, ohne dass der andere Bieter Gelegenheit zu einem Vergleichsangebot hatte, dürfte mit einem Beschwerdeverfahren zu rechnen sein, da sich die Vergabeentscheidung nicht mehr auf die veröffentlichten Leistungspositionen bezieht.

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2022 18:36 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.01.2022 - 15:09 Uhr
Danke für das Feedback.

Natürlich sind die Probleme bei Boeing hausgemacht, die Mängelliste unfassbar lang, dennoch werden sie alle Möglichkeiten nutzen, auch den nächsten Tankerauftrag an Land zu ziehen. Die Verwendung der Steuergelder für heimische Produkte im Rüstungsbereich ist ein nicht zu verachtendes Bollwerk für Boeing, aber primär natürlich eine politische Entscheidung. Ein Politiker, der eine fremde Firma für einen Milliardenauftrag unterstützt, schmälert gleichzeitig seine Wiederwahl, sofern der eigene Bundesstaat nicht unmittelbar davon profitiert.

Vielleicht setzt sich Airbus diesmal durch, vielleicht splittet man den Auftrag, Amerika kauft manchmal eben doch ausländische Erzeugnisse für seine Streitkräfte, wie den „Lakota- Hubschrauber", der ja von Airbus stammt.

Allerdings müssen wir einfach immer davon ausgehen, dass unter dem Tisch mit harten und oft unfairen Bandagen gekämpft wird, um im Spiel zu bleiben und eigene Interessen zu vertreten.

Ich denke auch, dass man den Auftrag splitten sollte. Vielleicht läuft es darauf hinaus. Der unterlegene Bieter wird so oder so klagen, dann ist der Zeitplan (wie bei KC-X auch) hinfällig.

Was mich allerdings interessieren würde. Auf der 767-Linie werden gerade nicht wenige Frachter produziert, welche irgendwann wegfallen (wegen zu lauter Triebwerke). Dann werden die Fixkosten für die Produktion der Militär 767 zwangsläufig steigen.
Will Boeing die 767-Linie in ihrer jetzigen Form weiter produzieren lassen, dann muss die zivile 767 wohl neue Triebwerke bekommen.
Dann kann Boeing diese neuen Triebwerke auf bei der KC-46 ins Rennen schicken. Folglich muss Airbus dann eine A330MRTT anbieten, welche auch moderne Triebwerke hat (z.B. RR Trent 7000).

Beitrag vom 05.01.2022 - 19:03 Uhr
Danke für das Feedback.

Natürlich sind die Probleme bei Boeing hausgemacht, die Mängelliste unfassbar lang, dennoch werden sie alle Möglichkeiten nutzen, auch den nächsten Tankerauftrag an Land zu ziehen. Die Verwendung der Steuergelder für heimische Produkte im Rüstungsbereich ist ein nicht zu verachtendes Bollwerk für Boeing, aber primär natürlich eine politische Entscheidung. Ein Politiker, der eine fremde Firma für einen Milliardenauftrag unterstützt, schmälert gleichzeitig seine Wiederwahl, sofern der eigene Bundesstaat nicht unmittelbar davon profitiert.

Vielleicht setzt sich Airbus diesmal durch, vielleicht splittet man den Auftrag, Amerika kauft manchmal eben doch ausländische Erzeugnisse für seine Streitkräfte, wie den „Lakota- Hubschrauber", der ja von Airbus stammt.

Allerdings müssen wir einfach immer davon ausgehen, dass unter dem Tisch mit harten und oft unfairen Bandagen gekämpft wird, um im Spiel zu bleiben und eigene Interessen zu vertreten.

Wenn US AF Generäle sich äußern das sie im Ernstfall lieber ihre KC 135 weiter einsetzen und nur im Kriegsfall gegen Russland oder China die KC 46 verwenden werden, dann ist alles gesagt.

Schrott.

Man hat zum Glück noch 400 Kc 135 und knapp 60 KC 10.
Da kann man auch 179 Kc 46 verkraften.
Aber die anderen 280 FLieger ersetzt man besser durch etwas das man auch gebrauchen kann.


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