KC-46A
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Boeing löst neues Pegasus-Problem mit Klettverschluss

Boeing KC-46 Pegasus
Boeing KC-46 Pegasus, © USAF

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SEATTLE - Neuer Wirbel um die KC-46A Pegasus: Boeing hat bei dem Tanker einen weiteren Mangel entdeckt: Eine Verkleidung verhindert, dass sich Notausgänge öffnen lassen. Doch im Unterschied zu anderen Problemen lässt sich der neue Missstand pragmatisch und rasch beheben - zumindest temporär.

Die Liste der Mängel, mit denen sich Boeing bei der KC-46A konfrontiert sind, wird eher länger als kürzer. Seit Jahren schlägt sich der neue Tanker für die US Air Force mit gravierenden Defiziten herum, die weit größere Dimensionen besitzen als die kaum vermeidbaren Kinderkrankheiten.

Nicht weniger als sieben Mängel der Kategorie 1 standen Ende 2021 noch im Lastenheft für die KC-46A. Mängel dieser Stufe gefährden per Definition die Einsatzfähigkeit der Staffel oder können zum Verlust des Waffensystems, Todesfällen sowie schweren Verletzungen führen - sind also kein Kleinkram.

Ungelöst bleiben zum Beispiel die Probleme mit dem "Remote Vision System" für den Bediener des Tankauslegers. Die hierfür eingesetzten Kameras und Sensoren vermitteln bei bestimmten Lichtverhältnissen irreführende Eindrücke. Boeing arbeitet an einem Neuentwurf des Systems, da Software-Updates keine Besserung brachten.

Auch der Tankausleger selbst wird nachgebessert. Doch das dauert Jahre: Die erste mängelfreie Pegasus wird nach Angaben der US Air Force nicht vor 2024 erwartet.

Gegen diesen Wust an Problemen mutet der jüngst entdeckte Mangel an der KC-46A beinahe trivial an. Zumindest stuft die Air Force ihn nicht in die Kategorie 1 ein. Auf die Funktion der Pegasus als Tankflugzeug hat er ebenfalls keinen direkten Einfluss, findet er sich doch in der Kabine des Großraumjets.

Die ist, neben je zwei Türen vorn und hinten, mit zwei Notausgängen in der Mitte, links und rechts über dem Flügel, ausgestattet. Genau diese Notausgänge aber lassen sich im Ernstfall nicht richtig öffnen - weil eine über den Türen montierte Verkleidung dem im Wege steht.

Da die KC-46A nicht nur als Tanker, sondern auch als Frachter, Truppentransporter und MedEvac-Flugzeug konzipiert ist, mutet es etwas befremdlich an, dass der Umstand bislang übersehen wurde. Tatsächlich entdeckte Boeing selbst das Problem nach eigenen Angaben am 17. März.

"Wir untersuchen unsere Prozesse sorgfältig, um festzustellen, warum es nicht früher erkannt wurde", erklärte der Hersteller gegenüber der Tageszeitung "Seattle Times". Bei Airlinern wird im Zulassungsprogramm stets getestet, ob die Kabine im Ernstfall binnen 90 Sekunden geräumt werden kann. Bei der KC-46A gab es einen solchen Test offenbar nicht. Auf jeden Fall habe man die US-Luftwaffe umgehend über die Entdeckung informiert, so Boeing.

Klettverschluss als Zwischenlösung

Das Problem mit der Türverkleidung betrifft laut "Seattle Times" alle 57 bisher ausgelieferten KC-46A der US Air Force sowie zwei Exemplare, die bei der japanischen Luftwaffe im Einsatz stehen.

Der Flugzeugbauer arbeitet an einer dauerhaften Lösung. Bis diese gefunden ist, sollen die Pegasus-Betreiber gemäß eines Service-Bulletins die betreffenden Verkleidungsteile abschrauben - und sie stattdessen mit Klettverschluss befestigen. So erhalte man "eine vorübergehende Lösung, um einen fortgesetzten sicheren Betrieb des Flugzeugs zu gewährleisten", wie Boeing weiter mitteilte.

Die US-Luftwaffe gibt sich damit fürs Erste zufrieden: "Diese Änderung beseitigt das damit verbundene Notfallrisiko, bis eine dauerhafte Änderung vorgenommen werden kann." Die Air Force machte außerdem klar, dass die nicht zu öffnenden Notausgangstüren die Evakuierung der KC-46A im Ernstfall zwar verlangsamen, aber nicht gänzlich blockieren könne.

Schließlich verfüge das Flugzeug im Heck über ein weiteres Paar Notausgänge, die nicht von einer Blockade durch Verkleidungsteile betroffen seien. Boeing unterstrich: "In den mehr als 7.000 Einsätzen, die die KC-46 geflogen ist, gab es keine Notfälle, die die Verwendung der Notausgänge über den Tragflächen erforderten." Mit Blick auf die nun entdeckte Fehlfunktion möchte man hinzufügen: zum Glück...
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: USAF | 08.04.2022 06:45

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Beitrag vom 10.04.2022 - 20:54 Uhr
Die vielen Milliarden aus dem Sondertopf des deutschen Verteidigungsministeriums werden die Mängel golden übertünchen.
Das verstehe ich jetzt nicht. Was hat das deutsche Verzeidigungsministerium damit zu tun. Hat keine solchem Flugzeige im Einsatz und nicht in Bestellung.

Aber andere Bestellungen bei Boeing, z.B. P-8A Poseidon.

Vielleicht kann man ja dann Airbus bitten, ein Auge drauf zu werfen, die beiden sind ja bald "Best Buddy´s"
 https://esut.de/2022/03/meldungen/33169/schwerer-transporthubschrauber-boeing-airbus-helicopters/

Einen Sikorsky durch einen Sikorsky zu ersetzen scheint Airbus auch ein Dorn im Auge zu sein.
Oder man hat ihnen nicht erlaubt, dort die Hand aufzuhalten...
Beitrag vom 10.04.2022 - 20:40 Uhr
Die vielen Milliarden aus dem Sondertopf des deutschen Verteidigungsministeriums werden die Mängel golden übertünchen.
Das verstehe ich jetzt nicht. Was hat das deutsche Verzeidigungsministerium damit zu tun. Hat keine solchem Flugzeige im Einsatz und nicht in Bestellung.

Aber andere Bestellungen bei Boeing, z.B. P-8A Poseidon.
Beitrag vom 09.04.2022 - 17:55 Uhr
Die vielen Milliarden aus dem Sondertopf des deutschen Verteidigungsministeriums werden die Mängel golden übertünchen.
Das verstehe ich jetzt nicht. Was hat das deutsche Verzeidigungsministerium damit zu tun. Hat keine solchem Flugzeige im Einsatz und nicht in Bestellung.


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