Taiwan-Krise
Älter als 7 Tage

Boeing plant vorerst ohne China

Air China Boeing 737 MAX 8
Air China Boeing 737 MAX 8, © Boeing

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SEATTLE - Peking schäumt nach dem Taipeh-Besuch von Nancy Pelosi. An Taiwan heizt sich der Konflikt zwischen den Wirtschaftsmächten am Pazifik wieder auf. Boeing droht bei der Wiederaufnahme von Auslieferungen der 737 MAX in China ein erneuter Rücksetzer. Der Airbus-Konkurrent plant vorerst ohne China.

Die B-1396 sorgte in Seattle einen kurzen Hoffnungsschimmer: Anfang Juli startete die 737 MAX von Air China zu einem Testflug in Peking - ein möglicher Vorbote auf eine anstehende Wiederzulassung des Typs? Endlich Bewegung?

China war das erste Land, das die 737 MAX nach dem zweiten Totalverlust 2019 sperrte - und verschleppt seither die Wiederfreigabe. Systematisch, heißt es aus dem Boeing-Umfeld hinter vorgehaltener Hand.

Denn der Airbus-Rivale hatte eigentlich schon zu Jahresbeginn fest mit einer Wiederfreigabe seines Brot-und-Butter-Flugzeugs in dessen wichtigstem Exportmarkt gerechnet. Angesichts politischer Spannungen zwischen Washington und Peking schlägt die Boeing-Spitze inzwischen deutlich verhaltendere Töne an.

"Wir haben etwa 290 737 MAX im Bestand, rund die Hälfte davon ist für Kunden aus China vorgesehen", sagte Boeing-Chef David Calhoun jüngst bei Vorlage der Boeing-Quartalsbilanz. Für Wiederaufnahme der Auslieferungen brauche es "Tauwetter" und eine "geopolitische Atempause zwischen China und den USA".

Nach der sieht es gerade allerdings nicht aus. China zürnt über die Taiwan-Visite der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi in dieser Woche - und prüft wirtschaftspolitische Retourkutschen. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan als Teil ihres Staatsgebiets, Taipeh versteht sich als eigenständig.

Chinas Militär hält seit Pelosis Abreise Übungen mit scharfer Munition im Seegebiet und Luftraum vor Taiwan ab - der zivile Flugverkehr in der Region läuft deswegen deutlich eingeschränkt.

Resignation in Seattle

In dieser Gemengelage werden Boeing-Rufe nach einer Wiederzulassung der 737 MAX in China kaum Gehör finden. Darüber war man sich in Seattle auch schon vor der Taiwan-Krise im Klaren.

"Wir haben unser kurzfristiges Lieferprofil an das Chinarisiko angepasst", beruhigte Boeing-Finanzvorstand Brian West die Investoren. Boeing rechnet inzwischen nicht mehr vor 2024 mit einem vollständigen Abbau der 737 MAX-Bestände - mindestens ein Jahr länger als zuvor erwartet.

Der Großabnehmer China Southern Airlines hatte schon im Mai mehr als 100 737 MAX aus den mittelfristigen Liefererwartungen gestrichen.

Eine Ratenanhebung von 31 auf 38 Flugzeuge will das Boeing-Management nicht mehr wie noch zu Jahresbeginn von der Wiederzulassung der 737 MAX in China abhängig machen. "Es gibt genug andere Nachfrage im Markt", änderte West die Linie. Kurzfristig werde Boeing hier eher von der eingeschränkten Verfügbarkeit von Triebwerken gehemmt.

Sporadische Auslieferungen

In China - vor der Pandemie der dynamischte Luftverkehrsmarkt der Welt - ist für Boeing derzeit auch abseits der 737 MAX kaum ein Stich zu machen. "Wir liefern sporadisch Flugzeuge nach China - rein nach Bedarf", sagte Calhoun. "Dabei handelt es sich in der Regel um Großraumflugzeuge, hauptsächlich Frachter."

Auch bei Neuaufträgen bleibt Boeing in China außen vor - zuletzt durfte Boeing nicht einmal mitbieten, heißt es in Luftfahrt-Kreisen: Air China, China Eastern Airlines, China Southern Airlines und Shenzhen Airlines deckten sich Anfang Juli in einer milliardenschweren Sammelbestellung mit 292 A320neo direkt bei Airbus ein.
© aero.de | Abb.: Boeing | 07.08.2022 07:49

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Beitrag vom 07.08.2022 - 20:10 Uhr
Unglaublich wie blöd sich die amerikanische Politik hier angestellt hat... -unabhängig von der eigentlichen Thematik Taiwan/China-!
[...]
Das unabhängig bezieht sich darauf ob die Ansprüche Chinas auf Taiwan berechtigt sind oder nicht...

Also lautet Ihre Aussage:
Unglaublich wie blöd sich die amerikanische Politik hier angestellt hat... -unabhängig davon, ob die Ansprüche Chinas auf Taiwan berechtigt sind oder nicht...

Sie sind also der Meinung, dass ein Staat selbst einen irrational handelnden regionalen Agressor besser nicht verärgern soll, damit eine seiner Firmen ungestört Flugzeuge dorthin verkaufen kann?

Wag the dog?
Beitrag vom 07.08.2022 - 19:29 Uhr
Das Politik schon immer Einfluss auf solche Geschäfte hat ist ja kein Geheimnis. Einmal ist sie der Türöffner und ein anderes mal ein Hemmschuh.

Klar ist dass China eine andere Sicht in der Taiwan-Frage hat als die USA und deren Abhängige.

Boeing tut gut daran erst einmal ohne China zu planen. Sie müssen sich nun auf ihre Hausaufgaben konzentrieren und zusehen dass das ganze Portfolio wieder fliegen kann!! Es ist nicht China verantwortlich warum es in Everett nicht gut aussieht!

Nach dem Ausbruch von Corona und dem Krieg der russischen Föderation mit der Ukraine ist alles im freien Fall und eine Prognose absolut Wahrsagerei oder Wahnsinn.
Beitrag vom 07.08.2022 - 19:11 Uhr
Das unabhängig bezieht sich darauf ob die Ansprüche Chinas auf Taiwan berechtigt sind oder nicht...


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