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Boeing erleidet Milliardenverlust

Boeing 777-9
Boeing 777-9, © A. Mohl

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ARLINGTON - Boeing kommt nicht aus der Krise. Der US-Luftfahrtriese ächzt unter hohen Kosten - im vergangenen Vierteljahr geriet die Bilanz tief ins Minus. Boeing belastete besonders die Rüstungssparte, die nicht zuletzt unter einem missglückten Deal mit Ex-Präsident Trump leidet.

Probleme im Rüstungsgeschäft haben den US-Flugzeugbauer Boeing im dritten Quartal erneut tief in die roten Zahlen gebracht.

Vor allem gestiegene Kosten und technische Probleme beim Tankflugzeug für die US-Luftwaffe, der Präsidentenmaschine Air Force One, einer Tarnkappendrohne und einem Schulflugzeug führten zu einem Quartalsverlust von 3,3 Milliarden US-Dollar (rund 3,3 Mrd Euro), wie Boeing am Mittwoch in Arlington mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte sich das Minus auf lediglich 132 Millionen Dollar belaufen.

"Umschwünge brauchen Zeit", verkündete Boeing-Chef Dave Calhoun mit Blick auf die Dauerkrise beim Airbus-Rivalen. "Aber ich habe Vertrauen in unser Team und die Maßnahmen, die wir für die Zukunft ergreifen", erklärte der Vorstandsvorsitzende in einem Memo an die Beschäftigten.

Boeing kämpft seit zwei Abstürzen von Maschinen seiner wichtigen Modellreihe 737 MAX aufgrund technischer Fehler, bei denen 2018 und 2019 insgesamt 346 Menschen starben, mit immer neuen Problemen.

Nicht nur die Rüstungssparte, auch das Geschäft mit Passagier- und Frachtflugzeugen für die kommerzielle Luftfahrt blieb im dritten Quartal in der Verlustzone - obwohl der Umsatz hier dank deutlich gestiegener Auslieferungszahlen im Jahresvergleich um 40 Prozent wuchs.

Konzernweit legten die Erlöse nur um vier Prozent auf knapp 16 Milliarden Dollar zu. Grund war die Rüstungs- und Raumfahrtsparte, deren Erlöse um ein Fünftel auf 5,3 Milliarden Dollar einbrachen.

Zum Hintergrund der Probleme zählt auch ein Auftrag, den Boeing 2018 unter Ex-Chef Dennis Muilenburg mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump für den Bau der neuen Air Force One vereinbarte. Muilenburg hatte nach Attacken Trumps einen guten Preis versprochen, doch die Kosten liefen aus dem Ruder.

Im April räumte Calhoun ein, dass der Deal zu milliardenschweren Belastungen führte und Boeing ihn "wahrscheinlich" nicht hätte eingehen sollen. Auch die Verluste im jüngsten Quartal seien nicht zuletzt den vereinbarten Festpreisen im Rüstungsgeschäft geschuldet, sagte der Boeing-Chef jetzt.

Boeing verfehlt Erwartungen

Insgesamt verfehlte Boeing mit seinen Quartalszahlen klar die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten. Die Aktie geriet vorbörslich leicht ins Minus. Mit einem Großauftrag der Fluggesellschaft Alaska Air für 52 Boeing 737 MAX gab es am Mittwoch aber immerhin auch eine kleine positive Nachricht.

In den vergangenen Jahren hatte Boeing vor allem wegen Problemen mit seinen Passagierflugzeugen immer wieder Verluste in Milliardenhöhe erlitten. Der europäische Konkurrent Airbus hatte dem einstigen Weltmarktführer bereits 2019 die Position als weltgrößter Flugzeugbauer abgejagt.
© dpa-AFX | Abb.: A. Mohl | 26.10.2022 14:32

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Beitrag vom 28.10.2022 - 19:21 Uhr
Eigentlich eine Traumsituation, bis ein neuer agressiver Player den Markt betritt. Nicht das es sowas wie einen inoffziellen Nichtangriffspakt gibt.

Naja, sollte Boeing wie auch immer aus dem Markt austreten, wäre Airbus automatisch weltweiter Monopolist in mehreren sehr umsatzstarken Bereichen und damit hätten sie automatisch die Wettbewerbsbehörden aller Standort- und Kundenländer am Hals.
Das könnte schon motivieren, Boeing aktuell nicht ganz so hart anzugehen...

Der Trick ist ja das man Boeing den Weg von McDonell Douglas gehen lassen muss. Nicht aus dem Markt austreten lassen, sondern langsam mit seinen veraltenden Produkten vor sich hin sterben lassen.
Wenn man sich das anschaut, MD11 und MD90 bzw. MD95 waren letztendlich alle unterlegenen Flieger, sowohl gegen die jeweiligen Boeing Modelle als auch die Airbus Modelle.
Finanziell angeschlagen, unterlegene Produkte.

Donell- Douglas war ja eigentlich am Ende als Boeing 97 zuschlug.


Allerdings frage ich mich schon, inwieweit die aktuellen Boeing Probleme in der Bilanz überzeichnet werden, um Stimmung für die Genehmigungs-Verlängerung der MAX zu machen.
Diese selbst für Boeing überraschend miesen Bilanzen eigenen sich etwas zu gut, um Druck in Washington aufzubauen ...

ich weiss nicht wie weit der politsche einfluss dort reicht.
Beitrag vom 28.10.2022 - 18:35 Uhr
Würde Airbus jetzt Druck machen, die Preise anheben usw. die US Politik für den Wirtschaftskrieg nur noch ernster und härter gegen uns führen. Der Chip FAA und XLR halten die auch noch. Da wird es auch einen Deal geben wollen. Kein dritter Sensor bei Max8 und 9 (und auch 10 und 7) und wir winken den XLR dann durch. Wenn nicht, ja dann...

Nee, Airbus wird politisch gar nicht dürfen anders zu fahren. Es wird Boeing nur nicht mehr helfen. Denen fehlt nicht nur Geld. Denen fehlen auch Entwickler, Fertiger usw. Die bekommen ja einfachste Dinge gar nicht mehr auf die Kette. S oder so wird Airbus verweisen müssen auf China und auch Russland. Spätestens dann muss Europa die US Drohungen ignorieren auch wenn das schon mal Schäden an der Infrastruktur bedeutet. Aber dann sind eh andere gefragt.
Beitrag vom 28.10.2022 - 12:57 Uhr
Eigentlich eine Traumsituation, bis ein neuer agressiver Player den Markt betritt. Nicht das es sowas wie einen inoffziellen Nichtangriffspakt gibt.

Naja, sollte Boeing wie auch immer aus dem Markt austreten, wäre Airbus automatisch weltweiter Monopolist in mehreren sehr umsatzstarken Bereichen und damit hätten sie automatisch die Wettbewerbsbehörden aller Standort- und Kundenländer am Hals.
Das könnte schon motivieren, Boeing aktuell nicht ganz so hart anzugehen...

Allerdings frage ich mich schon, inwieweit die aktuellen Boeing Probleme in der Bilanz überzeichnet werden, um Stimmung für die Genehmigungs-Verlängerung der MAX zu machen.
Diese selbst für Boeing überraschend miesen Bilanzen eigenen sich etwas zu gut, um Druck in Washington aufzubauen ...

Dieser Beitrag wurde am 28.10.2022 13:06 Uhr bearbeitet.


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