Klimaschutz
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Die Kurzstrecke ist nicht das Problem

Lufthansa CityLine Embraer E190
Lufthansa CityLine Embraer E190, © Lufthansa

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HAMBURG - Kurzen Flugstrecken eilt der Ruf des Klimateufels voraus. Forscher haben nachgerechnet - und diese These widerlegt. Der tatsächliche Effekt der Kurzstreckenfliegerei auf das Klima ist ziemlich überschaubar. Die Forscher verorten das Problem am anderen Ende der Verkehrsluftfahrt.

Kurze Flugstrecken sind oft entbehrlich. In vielen Fällen ist die Bahn inzwischen schneller - oder weniger umständlich. Frankreich verbietet seit diesem Jahr Inlandsflüge, wenn der TGV die gleiche Strecke in höchstens zweieinhalb Stunden schafft, nur für Hub-Zubringer an Langstrecken gilt eine Ausnahme.

Dessen ungeachtet hat die Kurzstreckenfliegerei ein Imageproblem - Klimaschützer brandmarken sie als Klimakiller.

Als Kanzlerkandidatin hatte sich Annalena Baerbock (Grüne) - die heutige Außenministerin ist von Berufswegen gerade Vielfliegerin - im Zeichen des Klimaschutzes für eine Abschaffung kurzer Flugstrecken ausgesprochen und die Debatte um das Für und Wider kurzer Flüge neu entfacht.

Eine im "Journal of Transport Geography" veröffentlichte Studie, über die zunächst "Der Spiegel" berichtete, räumt mit dem Klimaargument gegen die Kurzstrecke auf. Die Autoren verorten das Problem eher auf der Langstrecke.

Simple Gleichung

"Je länger ein Flug ist, desto mehr Treibstoff wird verbrannt", heißt es in dem Paper. "Unter Berücksichtigung aller Abflüge aus 31 europäischen Ländern ergab unsere Studie, dass auf Flügen mit Distanzen von unter 500 Kilometer 27,9 Prozent der Abflüge entfallen, aber 5,9 Prozent des Treibstoffs verbraucht werden."

Im Gegensatz dazu entfielen auf Flüge mit einer Länge von mehr als 4.000 Kilometer 6,2 Prozent der Abflüge, "aber 47,0 Prozent des verbrauchten Treibstoffs" - jeder zweite Liter Kerosin fließt in Europa in den Tank - und durch die Triebwerke - eines Interkontjets.

Ein Verbot kurzer Flüge werde daher "kaum dazu beitragen", die Auswirkungen des Luftverkehrs auf das Klima zu verringern, zumal Ausweicheffekte - etwa auf die Straße - den Effekt kontakarierten. Stattdessen sollte die Langstrecke von der Politik kritischer hinterfragt werden, schlussfolgern die Autoren.
© aero.de | Abb.: British Airways | 02.11.2022 07:22

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Beitrag vom 07.11.2022 - 07:49 Uhr
Hier stellt sich die Frage, ob ein globaler Faktor von 3 für Kurzstreckenflüge, die oftmals in geringen Flughöhen fliegen, als Klimaeffekt überhaupt repräsentativ ist?

Wie ich oben schrieb:
völlig überflüssige Diskussion.

Es findet sich immer wer/was ala 'aber das stimmt nicht, die anderen sind viel schlimmer'. Hier Kurzstrecke 'doch gut', aber Langstrecke 'böse'!
Fazit: "puh, wir müssen nichts einschänken/ändern".

Alles so weiter!
Beitrag vom 06.11.2022 - 23:18 Uhr
Die Studie zeigt, wie wichtig die Reduktion der Kurzstreckenflüge ist, nicht nur wegen des Klimas sondern auch wegen der Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Lärm und Feinstaub.
Für den Frankfurter Flughafen werden laufend Messungen zum Ultrafeinstaub durchgeführt siehe hier:  https://www.umwelthaus.org/umweltmonitoring/ultrafeinstaub/auftrag-unh/
Ergebnis:“..Auch Studien an internationalen Flughäfen (Kopenhagen 2012, Los Angeles 2013, Schiphol 2015) legen nahe, dass Flughäfen eine bedeutende Quelle für Ultrafeinstaub darstellen..“

Wenn die Kurzstrecken unter 500km alleine für ca. 28% der Flüge verantwortlich sind, erkennt man das Potenzial für eine gesündere Umwelt durch massive Einschränkung der Kurzstrecke.
Was bei allen Studien zur CO2 Emissionen durch Flugverkehr weggelassen wird, ist der Radiative Forcing Index (RFI), das ist der zusätzliche Klimaeffekt durch nicht CO2 bedingte Emissionen durch Jettriebwerke in Flughöhe. Dieser RFI wird vom Bundesumweltamt mit dem Faktor 3 bewertet, siehe hier: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-11-06_texte-130-2019_umweltschonender_luftverkehr_0.pdf.

Pro Tonne CO2 Emission also der 3 fache Klimaeffekt im Vergleich zu CO2 durch z.B. Autoverkehr.

Die Sturdie zeigt eigentlich genau das Gegenteil, nämlich, dass es sehr wenig Potential auf der Kurzstrecke einzusparen gibt. Lt- Studie entfallen zwar 27,9 Prozent der Abflüge auf Distanzen von unter 500 Kilometer, aber das sind nur 5,9 Prozent des Treibstoffs und damit des CO2. Im Gegensatz dazu entfielen auf Flüge mit einer Länge von mehr als 4.000 Kilometer 6,2 Prozent der Abflüge, aber 47,0 Prozent des verbrauchten Treibstoffs und damit CO2.

Leider funktioniert der von dir bereitgestellt Link zur Studie der Klimaeffekte nicht- hab sie aber trotzdem gefunden. Allerdings gilt der dort verwendete Faktor 3 ja global betrachtet und auch nur, wenn man die Vergangenheit (Zeithorizont je Metrik) mit einbezieht; auf keinen Fall jedoch für einen Einzelflug und auch nicht für eine Gruppe bestimmter Einzelflüge wie Kurzstrecken, da dort ein Erreichen der angenommenen Flughöhe von 9 km für die Entstehung von negative Klimaeffekten ja gar nicht immer möglich ist. Überdies ist in der Studie von kühlenden Effekten die Rede, deren Ausmaß noch ungenau sei. Hier stellt sich die Frage, ob ein globaler Faktor von 3 für Kurzstreckenflüge, die oftmals in geringen Flughöhen fliegen, als Klimaeffekt überhaupt repräsentativ ist?
Beitrag vom 06.11.2022 - 21:36 Uhr
Völlig überflüssige Diskussion hier.

Da diese so ähnlich überall, wo es Besitztümer, Privilegien oder auf stetes Wachstum (ergo Profitorientiertung) eingerichtete Produktionsarten (vorrangig in der sogenannten 1.Welt, inkl. China und Russland) gibt, zu verteidigen gilt, stattfinden.

Immer dasselbe Muster:
"Ja ist wichtig, aber wir können/brauchen/dürfen ... nicht, ausserdem ICH/WIR sind nur ganz klein, aber der/die/das Andere muss/kann/soll ... und dann (vielleicht) denken wir darüber nach. Aber nur, wenn wir NICHTS EINBÜSSEN oder ABGEBEN müssen.".

Hier halt:
ICH/WIR WILL/WOLLEN FLIEGEN - völlig egal, was das für Folgen (für Andere) hat!

Kann man gerade wieder gut beobachten, auf der sogenannten "Klimakonferenz" - wie da palavert, sich gewunden und nach Ausreden gesucht wird... 'der Berg kreiste und gebahr eine Maus' (wenn überhaupt).


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