Tu-214
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Aeroflot-Chef moniert Dreimann-Cockpit

Tupolew Tu-214
Tupolew Tu-214, © UAC

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MOSKAU - Russlands Flag Carrier Aeroflot muss, wohl oder übel, auf russisches Fluggerät umsatteln. Dazu zählt auch die bereits angestaubte Tupolew Tu-214. Doch mit der hadert Airline-Chef Alexandrowski noch. Vor allem die Cockpit-Auslegung passt ihm nicht. Verständlicherweise.

Eigentlich hatte man bei Aeroflot einmal andere Pläne. Eine Fünfsterne-Airline wollte der russische Flag Carrier werden, alle russischen Flugzeugmuster an die Tochter Rossija weiterreichen und sich vor allem auf moderne Airbus-Jets wie die A350 konzentrieren.

Dieses Ziel, zu erreichen bis 2028, gaben die damaligen Aeroflot-Verantwortlichen um Chef Witali Saweljew noch im Sommer 2020 vor. Damit einhergehen sollte eine Umschichtung innerhalb des Konzerns, bei der Aeroflot zur Premiummarke und die Töchter zu arbeitsamen Brot-und-Butter-Gesellschaften werden sollten.

Damals schienen diese Ziele zwar gewagt, aber doch einigermaßen realistisch. Zweieinhalb Jahre später wirken sie geradezu irrwitzig.

Mit dem 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine, hat für Russland wie für den Westen eine neue Zeitrechnung begonnen. Was zuvor selbstverständlich schien, ist plötzlich weit weg - und dazu zählt auch die Lieferung fabrikneuer, westlicher Flugzeuge an russische Fluggesellschaften.

Witali Saweljew ist inzwischen Verkehrsminister - und steht, zusammen mit anderen Regierungsmitgliedern, vor der Herausforderung, den zivilen Flugverkehr in Russland für die neuen Gegebenheiten umzubauen. Künftig werden russische Airlines - ob sie wollen oder nicht - wieder auf Fluggerät russischer Bauart setzen.

Mehr als 1.000 neue Maschinen sollen bis Ende 2030 aus den Flugzeugwerken des Landes rollen. Allein 339 davon sind für die verhinderte Fünf-Sterne-Airline Aeroflot bestimmt: Im September 2022 unterschrieben Aeroflot und die staatliche Flugzeugbau-Holding UAC (OAK) eine entsprechende Absichtserklärung.

Sie umfasst neben 210 Irkut MS-21 und 89 russifizierten Suchoi Superjet-NEW auch 40 Exemplare der Tupolew Tu-214. Die ersten sieben Tu-214 sollen 2024 in Dienst gehen.

Reibungspunkt Dreimann-Cockpit

Der neue Aeroflot-Generaldirektor Sergej Alexandrowski, seit März 2022 im Amt, ist von der Tu-214 allerdings noch nicht überzeugt. Das sagte er jüngst in einem Interview mit dem russischen Wirtschaftsmagazin RBK. Konkret stört sich Alexandrowski nach eigenem Bekunden an der antiquierten Cockpit-Auslegung der Tu-214.

Denn der Zweistrahler fliegt zwar per Fly-by-Wire und besitzt Glasbildschirme statt analoger Instrumente - dennoch ist er standardmäßig für den Betrieb mit einer dreiköpfigen Flight Crew ausgelegt. Das aber ist für den Aeroflot-Boss nicht akzeptabel - aus verständlichen Gründen.

So sei ein dritter Mann im Cockpit nicht nur "mit zusätzlichen Kosten verbunden". Es gebe auf dem Markt auch schlichtweg nicht mehr genug qualifizierte Flugingenieure und "keine Schule mehr", um sie auszubilden. "Das ist ein Stück Geschichte", das sich nur das Militär und Frachtunternehmen leisten könnten, so Alexandrowski.

Deshalb werde Aeroflot "auf jeden Fall" die Anforderung stellen, die Tu-214 für eine zweiköpfige Besatzung auszulegen. "Dies ist eine schwierige Aufgabe für den Hersteller, aber wir werden diese Anforderung nicht aufheben, sondern darauf bestehen", unterstreicht Alexandrowski im RBK-Gespräch.

Völliges Neuland wäre ein Zweimann-Cockpit in der Tu-214 für die Projektbeteiligten nicht. Denn in der Riege der Tu-204-Versionen, zu der auch die Tu-214 gehört, gab es bereits eine Vertreterin, bei der der dritte Mann gestrichen wurde: die Tu-204SM, die zu diesem Zweck die neue, in Russland entwickelte, Avionik-Suite PNK 204 mit stärkerem Computer und neuem Flugmanagementsystem erhielt.

Des Weiteren besaß die Tu-204SM Head-up-Displays sowie ein automatisches Wartungs- und Diagnosesystem. Allerdings wurden von der Tu-204SM gemäß der Datenbank russianplanes.net lediglich vier Exemplare gebaut, zwei weitere sind bisher unvollendet.

Warum Aeroflot die Tu-214 braucht

Für Aeroflot-Mann Alexandrowski gibt es an einer Zwei-Mann-Auslegung der Tu-214 indes keine Kompromisse. Selbst wenn es aus Zeitgründen zunächst zur Auslieferung von Exemplaren mit Dreimann-Cockpit käme, müsse die Industrie das Flugzeug langfristig mit den Aeroflot-Forderungen in Einklang bringen und auf Zweimann-Betrieb umstellen.

Ziel sei es nach wie vor, die ersten Tu-214 im Jahr 2024 einzuflotten. Jedoch habe man "noch keine Bestätigung, dass sie unsere Anforderungen bis zu diesem Zeitraum erfüllen können."

Generell aber sieht der Aeroflot-Generaldirektor die Übernahme des schon etwas angestaubten Tupolew-Twinjets als sinnvoll an. Schließlich sei die Tu-214 ein bewährtes, technisch ausgereiftes Flugzeug, dessen Eigenheiten bekannt und verstanden seien.

Demgegenüber käme etwa die MS-21 als vollständig neues Flugzeug vom Band. "Wie es fliegen wird, wie es sich im Passagierbetrieb verhalten wird, wie der Prozess der gemeinsamen Verbesserungen ablaufen wird – diese Fragen wird jetzt niemand beantworten", stellt Alexandrowski dar.

Die Tu-214 könne hier Druck aus dem Kessel nehmen: Ihre Nutzung "wird es uns ermöglichen, die MS-21 in Ruhe in den erforderlichen Zustand zu bringen."
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: OAK | 15.01.2023 14:00

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Beitrag vom 23.01.2023 - 20:27 Uhr
> Russland hat eigene Chip-Produktion und eine große "Kaderschmiede" an IT Spezialisten. Mit welcher Arroganz glauben Sie, dass dieses Land vor die Hunde gehen wird.

Viele Spezialisten (nicht nur IT-) haben Russland bereits verlassen, andere werden als Kanonenfutter verheizt.

Habe Sie dazu verlässliche Quellen?
Echt jetzt?? Das ist seit Monaten in den Medien. Googeln Sie "Braindrain Russia" Da sind es 16+Mio Treffer, da wird schon was Verlässliches dabei sein.

Nicht ich habe diese These aufgestellt- also ist es an dem Foristen diese zu untermauern/ zu verifizieren.

Und nochmal: trotz des "Braindrain", der unzweifelhaft stattgefunden hat bzw. stattfindet, hat
Was denn nun? Wenn es selbst für Sie unzweifelhaft ist, warum verlangen Sie da eine Verifizierung?

@EricM schrieb:
"Viele Spezialisten (nicht nur IT-) haben Russland bereits verlassen, andere werden als Kanonenfutter verheizt."

Und ich fragte daher nach einer Quelle, aus der man die ungefähre Anzahl 'der Spezialisten die Russland vetlassen haben bzw. verheizt werden, erfahren kann.


und wird Russland immer noch genügend fähige Köpfe haben.
Fähig ja, ob genügend ist die Diskussion.

Warum reißen Sie meinen Satz auseinander? Um die Aussage zu verdrehen?

Genau darum geht es mir doch und das war meine Aussage!
Ich bin der Meinung: Russland hat noch genügend fähige Köpfe und ein "verheizen" findet nicht statt.

Googeln Sie mal zu Universitäten in Russland und deren Entwicklung.
Das ist ein Rückblick auf die Entwicklung bisher. @EricM beschrieb ja den Ist-Zustand mit der Auswirkung auf das Morgen.

Genau auf das 'Morgen' reflektiere ich doch auch! Und warne davor zu glauben, daß Russland "dem Untergang geweiht ist'.
Beitrag vom 23.01.2023 - 09:06 Uhr
Russland hat eigene Chip-Produktion und eine große "Kaderschmiede" an IT Spezialisten. Mit welcher Arroganz glauben Sie, dass dieses Land vor die Hunde gehen wird.

Viele Spezialisten (nicht nur IT-) haben Russland bereits verlassen, andere werden als Kanonenfutter verheizt.

Habe Sie dazu verlässliche Quellen?
Echt jetzt?? Das ist seit Monaten in den Medien. Googeln Sie "Braindrain Russia" Da sind es 16+Mio Treffer, da wird schon was Verlässliches dabei sein.

Nicht ich habe diese These aufgestellt- also ist es an dem Foristen diese zu untermauern/ zu verifizieren.

Und nochmal: trotz des "Braindrain", der unzweifelhaft stattgefunden hat bzw. stattfindet, hat
Was denn nun? Wenn es selbst für Sie unzweifelhaft ist, warum verlangen Sie da eine Verifizierung?
und wird Russland immer noch genügend fähige Köpfe haben.
Fähig ja, ob genügend ist die Diskussion.
Googeln Sie mal zu Universitäten in Russland und deren Entwicklung.
Das ist ein Rückblick auf die Entwicklung bisher. @EricM beschrieb ja den Ist-Zustand mit der Auswirkung auf das Morgen.


Dieser Beitrag wurde am 23.01.2023 09:09 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 23.01.2023 - 01:12 Uhr
Russland hat eigene Chip-Produktion und eine große "Kaderschmiede" an IT Spezialisten. Mit welcher Arroganz glauben Sie, dass dieses Land vor die Hunde gehen wird.

Viele Spezialisten (nicht nur IT-) haben Russland bereits verlassen, andere werden als Kanonenfutter verheizt.

Habe Sie dazu verlässliche Quellen?
Echt jetzt?? Das ist seit Monaten in den Medien. Googeln Sie "Braindrain Russia" Da sind es 16+Mio Treffer, da wird schon was Verlässliches dabei sein.

Nicht ich habe diese These aufgestellt- also ist es an dem Foristen diese zu untermauern/ zu verifizieren.

Und nochmal: trotz des "Braindrain", der unzweifelhaft stattgefunden hat bzw. stattfindet, hat und wird Russland immer noch genügend fähige Köpfe haben. Googeln Sie mal zu Universitäten in Russland und deren Entwicklung. Das Niveau ist anerkannt hoch und das gepaart mit der politischen Indoktrinierung, kann da durchaus eine ähnliche Entwicklung wie in China stattfinden.

Jetzt bereits zu "frohlocken" (siehe den ersten Beitrag in diesem Thread) halte ich für falsch und sehr gefährlich.

Bei einem gebe ich dem Foristen @EricM allerdings recht:
politisch - ideologische Einmischung, insbesondere utopische Zielvorgaben von "oben" sind für die Entwicklung einer Wirtschaft / Industrie nicht förderlich, eher im Gegenteil.

Und dieses sollten wir auch nicht vergessen:
wenn jemand in den 1990igern vorausgesagt hätte das China (ebenfalls eine Diktatur!) ab 2010 zu einer bzw. zu der führenden Industrienation der Welt aufsteigen würde, der wäre doch für verrückt erklärt worden.

Putin ist ein Diktator und Verbrecher, daran besteht nicht der geringste Zweifel.
Aber er ist auch nicht dämlich. Ich bezweifle Ihre These - insbesondere den zweiten Teil.
Unstrittig haben viele Fachleute Russland verlassen. Aber für Geld und Privilegien sind eben auch sehr viele (ja leider auch in den Demokratien des Westens) bereit, quasi 'über Leichen zu gehen' und jegliche Moral und Menschlichkeit zu vergessen (erster Teil Ihrer These). Ich glaube da hat Russland schon noch ein großes Potenzial an fähigen Leuten.

Alles keine gute Ausgangslage, um aus der Ist-Situation heraus Autarkie zu entwickeln, denn dafür wären Gestaltungswille, Kritikfähigkeit, Initiative und Wille zu bzw. Akzeptanz starker Veränderungen Grundvoraussetzungen.

Es wäre unverantwortlich diese o.g. Tatsachen zu 'ignorieren'. Stellen Sie sich vor in Russland kommt ein Führer vom Format des chinesischen Diktators (nach/für Putin) an die Macht... .

Die Folgen für das geostrategische Entwicklung möchte ich mir nicht vorstellen (und schon gar nicht erleben).


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