BERLIN - Raufen sich Dassault und Airbus beim europäischen Kampfjet-Megaprojekt nochmal zusammen? Eher nicht - auf Industrieebene ist FCAS in aktueller Form implodiert. Nach einem Medienbericht sprechen die politischen Entscheidungsträger jetzt über eine dünne Kompromisslinie. Die bietet aber durchaus Chancen.
Der FCAS-Kuchen ist 100 Milliarden Euro groß. Bei dem Projekt stehe "viel Geld" auf dem Spiel, mahnte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im November Richtungsentscheidungen an, damit die Entwicklung des Kampfjetsystems in "Phase 2" vorrücken kann - und keine weitere Zeit verloren geht.
Eine Kraftprobe im Konsortium und ein industriepolitischer Patt blockieren FCAS seit Monaten. Dassault beansprucht im Projektteam den Taktstock, Airbus ist aber nicht geneigt, verhandelte Arbeitspakete wieder aufschnüren. Nach deutscher Darstellung will Frankreich noch einen weiteren - französischen - Konzern "umfänglich" bei FCAS einspulen.
Unter diesen Vorzeichen will Airbus das Konsortium mit Dassault und Indra Systems nicht um jeden Preis retten. "Unser Partner (Dassault, Red. ) hat sehr offen gezeigt, dass er mit den vereinbarten Arbeitspaketen im Programm unzufrieden ist, und fordert etwas ein, was nicht dem entspricht, was vereinbart wurde”, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury im Oktober.
Wenn Dassault "in dieser Konstellation" nicht weitermachen wolle, "steht es ihnen frei, sich aus FCAS zurückzuziehen". Hinter vorgehaltener Hand sprechen Airbus-Manager längst von "unüberbrückbaren Differenzen". Airbus und Dassault - das hat noch nie wirklich zusammengepasst.
Gemeinsamer Standard, eigene KampfflugzeugeEin Projektabbruch würde politisch allerdings ein veheerendes Signal senden - Europa will bei der Verteidigung an einem Strang ziehen und weniger abhängig von US-Rüstungsgütern werden. Der FCAS-Zoff muss also dringend entschärft werden.
Nach
Informationen der "WirtschaftsWoche" sprechen Berlin und Paris inzwischen über eine "Minimallösung": FCAS könnte aus jetztiger Form in eine gemeinsame "Combat Cloud" - das digitale Nervenzentrum hinter FCAS - und die dafür notwendige Software und Sensorik eingedampft werden.
Entlang dieser Kompromisslinie wäre ein Standard gesetzt, auf dem die deutsche und französische Industrie - in jeweils getrennten Projekten und Allianzen - FCAS-kompatible Kampfflugzeuge entwickeln kann.
Dieser politischen Kniff, für den es laut "WirtschaftsWoche" in Berlin "Sympathien" gibt, könnte nicht nur künftigen Spannungen zwischen Dassault und Airbus vorbeugen, sondern FCAS auch für andere europäische Kampfjethersteller öffen. Auf deutscher Seite wurde zuletzt über eine Einbindung von Saab mit der neuen "Gripen-E" nachgedacht.
© aero.de | Abb.: Airbus | 08.12.2025 06:19
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Beitrag vom 08.12.2025 - 12:30 Uhr
Wenn Merz seinen inneren Reformer nicht völlig unterdrücken und zur Merkel werden will killt er dieses bzw. ihr Projekt ohne mit der Wimper zu zucken.
Grundsätzlich sei noch gesagt dass man ein Projekt von der Größe und Qualität natürlich nicht als oder wie ein StartUp entwickeln kann aber man braucht auch keine riesige Arge sondern könnte z.B. für die wichtigsten Subsysteme wie Triebwerk, Radar usw. mit Partnernation(en) eine Platformlösung entwickeln oder diese Systeme auch ganz flexibel und völlig frei von einem Anwendungsfall entwickeln d.h. z.B. mit Israel ein Radar/EW System, mit Großbritannien ein Triebwerk, mit Schweden neue Bewaffnung etc.
Nicht in dem Sinne dass man sich zu hochriskantem Projektmanagement hinreißen lässt und dann z.B. anfängt zu bauen bevor man fertig konstruiert hat sondern nur soweit dass man dass Projekt nicht von Anfang an in Beton gießt so wie das für Regierungsprojekte leider typisch ist und zu oft zu Problemen führt.
Nachdem die Tempest anscheinend garnicht mal so gut finanziert ist wie man es erwarten würde und wie es wohl auch nötig wäre tun sich somit auch in der Richtung sicher Möglichkeiten auf.
Deutschland wäre es Großbritannien auch schuldig nachdem die beim Eurofighter unter Einsatz signifikanter finanzieller und politischer Mittel dafür gesorgt haben dass die damaligen Deutschen Sparorgien dieses Flugzeug nicht ruinieren konnten.
Hätte sich Deutschland durchgesetzt wäre der Eurofighter eine Art Rafale geworden aber UK ging damals sogar so weit direkt die Deutsche Rüstungsforschung zu finanzieren.
Dass das FCAS als einzig wirklich konkrete Vorgabe "100 Mrd € Einsatz in 20 Jahren" hat ist leider wahr und geht zumindest auf Deutscher Seite (!) tatsächlich nicht auf die Industrie welche von Merkel&Company mit Tatsachen konfrontiert wurde zurück.
Airbus hat öffentlich bestätigt dass es so war.
Ob in dem Projekt schon irgendwas nennenswertes erarbeitet wurde würde ich auch bezweifeln.
Es gibt aus Deutscher Sicht wirklich keinen einzigen Grund dafür das FCAS fortzuführen.
Beitrag vom 08.12.2025 - 11:15 Uhr
Naja. Die Franzosen waren ja immer schon ein wenig Eigenbrötler, was ihr Militär angeht. Und im Konfliktfall heben sie die weisse Fahne unmittelbar nach dem ersten Schuss.
Wer vorwärts machen will, kann sich dem GCAP-Projekt der Engländer und Italiener anschliessen. Zusammen mit Japan könnte daraus eine Plattform werden, welche der amerikanischen Technologie ebenbürtig ist.
Beitrag vom 08.12.2025 - 08:30 Uhr
Dass es nicht hauptsächlich auf die Größe eines Projekts ankommt sieht man übrigens sehr gut am Beispiel Israel - die große EU-Macht Deutschland kauft dort in großem Stil das ein, was sie selbst nicht zustande bringt.
Stimmt, dabei muss man aber mMn mehrere Aspekte beachten.
1) Bürokratie: Wer in Deutschland/EU Waffensysteme entwickeln will, braucht eine Rechtsabteilung die doppelt so groß ist wie die Entwicklungsabteilung, selbst für mögliche Dual-Use Systeme.
Und selbst dann wird eine Genehmigung oft schlicht nicht erteilt.
So etwas leisten sich große, etablierte Firmen, wenn man sie mit genug staatlichem Geld dazu überredet.
Innovative Startups wird man deswegen hierzulande nicht in diesem Bereich finden.
2) Daraus ergibt sich ein wesentlicher Unterschied in der Größe der beteiligten Firmen. In Israel findet man oftmals kleinere, jüngere und innovative Unternehmen in diesem Bereich, während in der EU eher etablierte Großunternehmen dominieren.
3) Großunternehmen können öffentliche Aufträge in Berlin, Paris und Brüssel deutlich besser beeinflussen als kleine Unternehmen oder Startups. Daher dominieren in der EU große, weitgehend schlecht definierte Worthülsen (wie die nebulöse FCAS Systembeschreibung), deren einzige wirklich konkrete Vorgabe "100 Mrd €, Einsatz in 20 Jahren" lautet.
In Israel dagegen gibt es sehr konkrete Anforderungen, die auf einer kurzen Zeitschiene umgesetzt sein müssen. Das führt zu kleineren, weniger komplexen und damit kostengünstigeren Lösungen - die aber gerade in Bezug auf Kampfjets auch nur Umbauten und keine Eigenentwicklungen umfassen.
4) Die Prozesse, die Entscheidungsfindung und die akzeptierten langfristigen Abhängigkeiten von manchen Herstellern in der deutschen Wehrbeschaffung ist ein Trauerspiel für sich.
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Grundsätzlich sei noch gesagt dass man ein Projekt von der Größe und Qualität natürlich nicht als oder wie ein StartUp entwickeln kann aber man braucht auch keine riesige Arge sondern könnte z.B. für die wichtigsten Subsysteme wie Triebwerk, Radar usw. mit Partnernation(en) eine Platformlösung entwickeln oder diese Systeme auch ganz flexibel und völlig frei von einem Anwendungsfall entwickeln d.h. z.B. mit Israel ein Radar/EW System, mit Großbritannien ein Triebwerk, mit Schweden neue Bewaffnung etc.
Nicht in dem Sinne dass man sich zu hochriskantem Projektmanagement hinreißen lässt und dann z.B. anfängt zu bauen bevor man fertig konstruiert hat sondern nur soweit dass man dass Projekt nicht von Anfang an in Beton gießt so wie das für Regierungsprojekte leider typisch ist und zu oft zu Problemen führt.
Nachdem die Tempest anscheinend garnicht mal so gut finanziert ist wie man es erwarten würde und wie es wohl auch nötig wäre tun sich somit auch in der Richtung sicher Möglichkeiten auf.
Deutschland wäre es Großbritannien auch schuldig nachdem die beim Eurofighter unter Einsatz signifikanter finanzieller und politischer Mittel dafür gesorgt haben dass die damaligen Deutschen Sparorgien dieses Flugzeug nicht ruinieren konnten.
Hätte sich Deutschland durchgesetzt wäre der Eurofighter eine Art Rafale geworden aber UK ging damals sogar so weit direkt die Deutsche Rüstungsforschung zu finanzieren.
Dass das FCAS als einzig wirklich konkrete Vorgabe "100 Mrd € Einsatz in 20 Jahren" hat ist leider wahr und geht zumindest auf Deutscher Seite (!) tatsächlich nicht auf die Industrie welche von Merkel&Company mit Tatsachen konfrontiert wurde zurück.
Airbus hat öffentlich bestätigt dass es so war.
Ob in dem Projekt schon irgendwas nennenswertes erarbeitet wurde würde ich auch bezweifeln.
Es gibt aus Deutscher Sicht wirklich keinen einzigen Grund dafür das FCAS fortzuführen.
Wer vorwärts machen will, kann sich dem GCAP-Projekt der Engländer und Italiener anschliessen. Zusammen mit Japan könnte daraus eine Plattform werden, welche der amerikanischen Technologie ebenbürtig ist.
Stimmt, dabei muss man aber mMn mehrere Aspekte beachten.
1) Bürokratie: Wer in Deutschland/EU Waffensysteme entwickeln will, braucht eine Rechtsabteilung die doppelt so groß ist wie die Entwicklungsabteilung, selbst für mögliche Dual-Use Systeme.
Und selbst dann wird eine Genehmigung oft schlicht nicht erteilt.
So etwas leisten sich große, etablierte Firmen, wenn man sie mit genug staatlichem Geld dazu überredet.
Innovative Startups wird man deswegen hierzulande nicht in diesem Bereich finden.
2) Daraus ergibt sich ein wesentlicher Unterschied in der Größe der beteiligten Firmen. In Israel findet man oftmals kleinere, jüngere und innovative Unternehmen in diesem Bereich, während in der EU eher etablierte Großunternehmen dominieren.
3) Großunternehmen können öffentliche Aufträge in Berlin, Paris und Brüssel deutlich besser beeinflussen als kleine Unternehmen oder Startups. Daher dominieren in der EU große, weitgehend schlecht definierte Worthülsen (wie die nebulöse FCAS Systembeschreibung), deren einzige wirklich konkrete Vorgabe "100 Mrd €, Einsatz in 20 Jahren" lautet.
In Israel dagegen gibt es sehr konkrete Anforderungen, die auf einer kurzen Zeitschiene umgesetzt sein müssen. Das führt zu kleineren, weniger komplexen und damit kostengünstigeren Lösungen - die aber gerade in Bezug auf Kampfjets auch nur Umbauten und keine Eigenentwicklungen umfassen.
4) Die Prozesse, die Entscheidungsfindung und die akzeptierten langfristigen Abhängigkeiten von manchen Herstellern in der deutschen Wehrbeschaffung ist ein Trauerspiel für sich.