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Die 777-9 hatte einen EIS-Termin: 2020. 737-MAX-Stress, Pandemie, Technikpannen und strengere Behördenvorgaben im Zulassungsverfahren beaufschlagten das Programm mit rund sieben Jahren Verzögerung - Boeing will die ersten 777-9 ab 2027 ausliefern, als Erstbetreiber steht Lufthansa parat.
Eine Frühserie der 777-9 birgt für Boeing vor den ersten Auslieferungen wirtschaftliche Risiken. Boeing hatte zwischen 2019 und 2021 bereits 777-9 produziert, darunter zehn Flugzeuge für Emirates.
Diese frühen 777-9 "werden wir nicht abnehmen", stellte Emirates-Chef Tim Clark diese Woche auf der Farnborough Airshow unmissverständlich klar. Zwingen kann Boeing Emirates kaum - die Airline ist mit 270 Flugzeugen der mit Abstand größte 777X-Kunde und lässt Herstellern ohnehin wenig durchgehen.
Auch Qatar Airways soll Boeing laut Kreisen inzwischen signalisiert haben, keine frühen 777-9 abzunehmen.
Boeing hatte auf die Problematik früher 777-9 im April 2026 hingewiesen. Im Konzern sei inzwischen ein Team mit einer auf mehrere Jahre angelegten "Change Incorporation" für "rund 30 Flugzeuge" befasst, sagte Konzernchef Kelly Ortberg vor Investoren: Boeing will die Flugzeuge vor Verkauf nachrüsten.
Kinderkrankheiten und Übergewicht sind für frühe Vertreter neuer Modellserien grundsätzlich nicht unüblich: Boeing hatte bei Einführung der 787 Ärger mit den sogenannten "Terrible Teens".
Erstbetreiber All Nippon Airways schlug mehrere Problem-Dreamliner aus der Charge vom 10. bis 20. Flugzeug aus. Boeing gab einige Flugzeuge laut Kennern mit gut 50 Prozent Nachlass auf den Listenpreis unter anderem an Ethiopian Airlines ab, andere "Teens" wurden später zu Business Jets umgerüstet oder dienten als hauseigene Test- und Demoflugzeuge.
Nach Informationen aus Luftfahrtkreisen plant Boeing bei den frühen 777-9 eine zweistufige Vermarktung: Die eigentlichen Besteller der Flugzeuge haben weiterhin grundsätzlich ersten Zugriff auf die - nachgerüsteten - Maschinen. Lehnen sie ab, will Boeing 777-9 für eine Neuvermarktung in Flottenpaketen "poolen".
Die Finanzrisiken der rund 30 frühen 777-9 hat der Konzern noch nicht beziffert: Abschreibungen und Nachrüstkosten könnten sich nach Branchenschätzungen auf drei bis fünf Milliarden US-Dollar summieren.
Auch Lufthansa steht vor einer Entscheidung - aus den frühen Chargen sind unter anderem die Prototypen N779XY und N779XZ für Lufthansa vorgesehen.
Clark bezeichnete die zehn 777-9, die Emirates ausschlägt, als "Abschreiber", da auch Strukturteile und Triebwerke nachgerüstet werden müssten. Bestenfalls sei jedes der Flugzeuge 10 Millionen US-Dollar wert.
Für mindestens eine für Emirates gebaute 777-9 hat Boeing die Nachrüstung tatsächlich verworfen. Wie zunächst "The Air Current" berichtete, hat Boeing die WH007 im Sommer 2025 zerlegt.
"Leeham News": United Airlines könnte auf einen Deal aus sein
Die technischen Reifegrade der rund 30 frühen 777-9 - und damit der jeweilige Umfang der Change Incorporation - fallen allerdings "sehr unterschiedlich" aus, sagte eine mit dem 777X-Programm vertraute Person aero.de am Dienstag: "Die meisten dieser Flugzeuge werden im Retrofit gut nutzbar sein."
Nach Informationen des in der Branche gut vernetzten Analystenhauses "Leeham News" könnte Boeing mehrere frühe 777-9 auf einen Schlag loswerden: United Airlines sei an bis zu 20 Flugzeugen aus dem Change-Incorporation-Programm interessiert. Der Lufthansa-Partner unterhält eine große 777-Flotte, hat bisher aber noch keine 777X bestellt.
© aero.de | Abb.: A. Mohl, Fraport | 22.07.2026 11:50







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