Typisch deutsch?
08:40 Uhr

"Die Reformfähigkeit ist einfach unterentwickelt"

Carsten Spohr
Carsten Spohr, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa und Vereinigung Cockpit verheddern sich im Tarifgeflecht - wieder einmal. Eine auf Geldfragen begrenzte Schlichtung ist gerade geplatzt. Reformen sind im Lufthansa-Kern "schwerer" umsetzbar "als überall sonst im Konzern", meint Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Typisch deutsch?

"Ergebnisse gibt es nicht": Lufthansa und Vereinigung Cockpit hangeln sich nach einer geplatzten Schlichtung in eine Mediation mit vagen Erfolgsaussichten. Insider beschreiben auch dieses Verfahren als eher dickflüssig.

Carsten Spohr, Lufthansa-Chef seit 2014, sieht "tatsächlich Parallelen" zwischen der Situation im deutschen Lufthansa-Kern und der Bundesrepublik 2026. "Die Reformfähigkeit ist einfach unterentwickelt", attestierte Spohr in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

"An den Mitarbeitern liegt es nicht, die sind und bleiben der Kern unseres Erfolgs, gerade in Deutschland", sagte Spohr. "Jahrzehntealte betriebliche und tarifliche Strukturen" und die "Intensität von Mitbestimmung und Tarifregelungen" würden Veränderungen im deutschen Konzernteil aber erschweren.

"Wir tun uns mit Reformen im deutschen Kern schwerer als überall sonst im Konzern", sagte Spohr. "Das führt zu deutlich höheren Kosten pro Flugstunde und am Ende zu weniger Wachstum."

Italien und Portugal: Lufthansa investiert in Südeuropa

Lufthansa lenkt Investitionen deswegen aktuell vermehrt nach Südeuropa - 2026 hat Lufthansa eine Option zur Mehrheitsübernahme von ITA Airways in Italien eingelöst und den Zuschlag für einen Einstieg bei TAP Air Portugal erhalten.

"Wir investieren dort, wo das Geld am meisten verdient", hatte Spohr laut "Handelsblatt" das Geschäft mit Portugal auf einer einer Mitarbeiterveranstaltung im München kürzlich gegen interne Skepsis verteidigt und neben niedrigeren Strukturkosten in Portugal auch auf ein vorteilhafteres Steuersystem "als das in Deutschland" hingewiesen.

Bereits vor dem TAP-Deal hatte Lufthansa im Flugsommer 2026 "mehr Flugzeuge an unseren nicht deutschen Drehkreuzen stationiert als in Frankfurt und München zusammen", sagte Spohr dem "Spiegel".

"Königin der Betriebsvereinbarungen"

Vor Spohr hatte bereits Ex-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley in einem Interview mit der "F.A.Z." im Sommer 2026 auf verkrustete Strukturen hingewiesen und Lufthansa im deutschen Konzernumfeld als "Königin der Tarif- und Betriebsvereinbarungen" neben der Deutschen Bahn bezeichnet. 

Ausgedruckt würden alle Betriebsvereinbarungen allein der Deutschen Lufthansa AG laut Kley "mehr als 6.000 Seiten" ergeben. Schierer Umfang, Struktur und Nachwirkungen der Regelungen lähmen laut Kley ein Vorankommen. "Wir haben (...) Vereinbarungen, die stammen noch aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren."
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 27.10.2026 08:40


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