Airline-Pleiten
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Kleine Flughäfen unter Druck

Germania Airbus A319
Germania Airbus A319, © Flughafen Lübeck

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BERLIN - Die Germania-Insolvenz hat die Passagierzahlen an zahlreichen Flughäfen einbrechen lassen - vor allem im Osten. In der  deutschen Airportlandschaft wird die Schere inzwischen Gewinnern und Verlieren größer - der Flughafenverband ADV spricht von einem "zweigeteilten Bild".

Kurz vor Beginn der Sommerferien bietet der Flughafen Dresden ein entspanntes Bild: Zwei Dutzend Menschen stehen am Nachmittag mit ihren Koffern am Schalter und warten auf das Einchecken, Eltern beobachten mit ihren Kindern einen startenden Flieger.

Bis zu den nächsten Abflügen nach Köln, Düsseldorf und München dauert es noch gut eine Stunde. Der Airport der sächsischen Landeshauptstadt rühmt sich mit kurzen Wegen. "Von der Bordsteinkante bis zum Gate sind es keine fünf Minuten", sagt Uwe Schuhart, Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG, zu der auch der Flughafen Halle/Leipzig gehört - Deutschlands zweitgrößter Cargo-Airport.

Ist es seit der Germania-Pleite im Februar stiller geworden am Dresdner Flughafen? Die Insolvenz sei ein "wirklich harter Schlag" gewesen, räumt Schuhart ein. Immerhin steuerte Germania 23 Ziele an, machte knapp 20 Prozent der Abflüge aus. Mittlerweile aber sei man wieder positiv gestimmt. Drei Airlines sind in die Lücke gesprungen - teilweise binnen weniger Stunden. So stehen nun Mallorca, Antalya und Kos wieder auf dem Programm, die Kanaren und London ab Herbst.

Dennoch, die Germania-Pleite geht nicht spurlos am Dresdner Airport vorüber: Die aktuellen Passagierzahlen des Flughafenverbandes ADV zeigen von Januar bis Mai 2019 einen Rückgang. In Dresden flogen in dieser Zeit knapp 564.000 Passagiere und damit 9,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Drastischer macht sich der Rückgang in Erfurt bemerkbar: Der Flughafen zählte rund 38.700 Passagiere und damit gut 45 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

"Wir haben ein zweigeteiltes Bild in unserem Land", sagt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Von den 22 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland - von denen mit Erfurt und Dresden nur zwei im Osten liegen - verbuchten in den ersten fünf Monaten des Jahres nur elf ein Wachstum. Die Germania-Pleite habe viel zur Verschärfung der Situation beigetragen.

Auch Airports wie Frankfurt-Hahn (-27,5) oder Weeze/Niederrhein (-33,1) zählten ein dickes Minus - ihnen machte aber vor allem die Abwanderung von Billigfliegern an größere Standorte zu schaffen. Der Flughafen Berlin-Tegel dagegen verbuchte 28 Prozent mehr Passagiere.

"Die Frage, ob es im deutschen Markt zu viele Flughäfen gibt, wird oft gestellt. Aber warum wird eigentlich nicht die Frage gestellt, ob es zu wenige Airlines im deutschen Markt gibt?", so Beisel. Fluggesellschaften wie Air Berlin, Cirrus, LTU oder Intersky hätten ihren Flugbetrieb in den vergangenen Jahren eingestellt.

Das Flughafennetz sei hingegen historisch gewachsen - parallel zu den Wirtschaftszentren im Land. So stieg etwa nach der Wiedervereinigung die Bedeutung des Luftverkehrs im Osten an - laut ADV gingen die Passagierzahlen bis 1995 "explosionsartig" um bis zu 55 Prozent nach oben. Entsprechend wurde investiert - in Terminals, Start- und Landebahnen. Bei vielen Standortentscheidungen von Unternehmen nach der Wende hätten Flughäfen eine wichtige Rolle gespielt, so Beisel.

Am Tropf der Ferienflieger

Allein in Dresden flossen 99 Millionen Euro in das 2001 eröffnete Airport-Terminal. Der Freistaat Sachsen ist mit gut 77 Prozent Hauptanteilseigner der Mitteldeutschen Airport Holding. Auch in Thüringen ist das Land Hauptgesellschafter: der Erfurter Flughafen wurde in den 1990er Jahren mit einem dreistelligen Millionenbetrag auf internationalen Standard gehoben.

Nun der Rückschlag nach der Germania-Pleite: Die Airline sollte 2019 etwa 70 Prozent der Abflüge bestreiten.

Germania Boeing 737
Germania Boeing 737, © Flughafen Erfurt, Alice Koch

Zwar ist eine Airline in die Lücke gesprungen und fliegt zweimal wöchentlich nach Mallorca - die füllt den Flugplan aber nur sehr punktuell. Nach der Germania-Insolvenz entschied die Landesregierung, für 2019 und 2020 insgesamt 7,6 Millionen und damit 2 Millionen Euro mehr als ursprünglich vorgesehen an die Flughafengesellschaft zu zahlen.

Der Flughafen Rostock-Laage musste neben Germania auch die Insolvenz der britischen Regional-Fluggesellschaft FlyBMI verkraften. Geschäftsführerin Dörthe Hausmann schaffte es, die Lufthansa davon zu überzeugen, zehnmal pro Woche die München-Laage-Verbindung aufzunehmen.

Erfolgreich seien auch die neuen Ferienflieger, die türkische Airline Corendon und die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion. "Wir sind nun in einem ruhigeren Fahrwasser." Doch die Folgen bleiben nicht aus: Hausmann erwartet für 2019 eine Passagierzahl von rund 150.000 - eine Reduzierung um rund 50 Prozent.

Cochstedt ändert Geschäftsmodell

Nach zahlreichen Rückschlägen setzt der Regionalflughafen Magdeburg-Cochstedt nun auf eine neue Strategie: Statt Urlaubsflieger starten hier künftig unbemannte Luftfahrtsysteme. Seit Anfang Juni steht fest, dass das Gelände südlich von Magdeburg zum Testzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) umgebaut wird.

25 Millionen Euro investiert die Forschungseinrichtung gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt - und erlöst den Airport damit aus einer Stillstandsphase und dreijähriger Insolvenz.

Laut Leitlinien der EU sind staatliche Subventionen zum laufenden Betrieb von Flughäfen nur noch bis 2024 möglich. Verbandschef Beisel spricht sich dafür aus, das EU-Beihilfe-Recht generell zu lockern und den Weg für stärkere Unterstützung etwa durch Übernahme von Kosten zum Beispiel für Feuerwehren oder Luftsicherung freizumachen.

Das seien Stellschrauben, mit denen Bund und Länder ihre Flughäfen unterstützen könnten. "Sonst gibt es bald gar keine Flughäfen mehr in manchen Regionen in Ost- und Südeuropa."
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Flughafen Lübeck, Flughafen Erfurt | 08.07.2019 08:13
#14476
Beitrag vom 12.07.2019 - 19:44 Uhr
11 Beiträge gelöscht wegen zuviel OT und gegenseitige Scharmützel, welche hier niemand lesen möchte.

Der Thread ist damit R e a d - o n l y.

Dieser Beitrag wurde am 12.07.2019 19:46 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 11.07.2019 - 17:06 Uhr
Wenn ich mir die Deutsche (und nur daran denke ich hier, nicht an zB Südböhmen/Budweis; dort bin ich nicht im Thema) Regionalflughafenstruktur ansehe, dann weiß ich nicht, ob ich eher lachen oder weinen soll. zum Beispiel Dresden und Halle/Leipzig, ersterer erübrigt sich quasi. oder - der Gipfel des Reginalfürst-Gehabes - (Kassel-)Calden, den man nie wirklich brauchte

Hallo YankeeZulu1,
Wie ich finde eine ziemlich undifferenzierte Betrachtung LEJ/DRS zwischen Saarbrücken und Kassel einzureihen. Auch gehen Sie leider nicht auf Argumente ein, sondern pauschalisieren, "ersterer erübrigt sich quasi". Warum?
Beitrag vom 11.07.2019 - 09:46 Uhr
@AirMarshall: ich mache die Zahl nicht am Bundesland fest; zB hat das Saarland "nur" einen Flughafen, aber der ist für mich so überflüssig wie was-weiß-ich-was; nicht nur, daß er schwer anzufliegen ist, sehr nahe in Zweibrücken gab es einen Regionalflughafen mit guter, langer Piste und einfachem Anflug, aber der mußte dicht gemacht werden. Ja, auch der war nicht wirklich nötig. Gute Bahnverbindungen nach Frankfurt, nach Luxemburg, nach Stuttgart (nein, nicht Baden-Airport, auch den braucht´s nicht wirklich) wären hilfreich.
Wenn ich mir die Deutsche (und nur daran denke ich hier, nicht an zB Südböhmen/Budweis; dort bin ich nicht im Thema) Regionalflughafenstruktur ansehe, dann weiß ich nicht, ob ich eher lachen oder weinen soll. zum Beispiel Dresden und Halle/Leipzig, ersterer erübrigt sich quasi. oder - der Gipfel des Reginalfürst-Gehabes - (Kassel-)Calden, den man nie wirklich brauchte und der sich nie rechnen kann, aber wegen angeblich zu kurzer Start- und Landebahn mußte alles NEU gemacht werden, anstatt die alte zu verlängern - oder besser Herabstufen der Einrichtung. Der Hahn war auch so ne Art Totgeburt ab Beginn, mit der Argumentation des strukturschwachen Raums und des Vorhandenseins der Bahnen hat man Geld in größtem Stil versenkt. Die Reihe kann sehr lange fortgesetzt werden!
Und das alles nur, um politisch etwas vorzuweisen, dafür werden nicht benötigte Airlines mit ohnehin knappem öffentlichem Geld subventioniert (MoL - RyanAir ist ein passendes Beispiel), womit sich die Airlines bzw der Eigner die Taschen füllen und Menschen für minimales Geld irgendwohin fliegen, oft wo sie gar nicht hinwollen, aber es ist ja billig - die öffentliche Hand zahlt´s ja.
Offen und ehrlich: auch wenn (oft gering vergütete) Arbeitsplätze dranhängen: ein Teil dieser Millionengräber gehört einfach "dicht gemacht", sei es herabgestuft oder ganz zu.


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