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Singapore Airlines mustert ihren ersten Airbus A380 aus

Singapore Airlines Airbus A380
Singapore Airlines Airbus A380, © Kentaro Iemoto

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SINGAPUR - Singapore Airlines hat den Leasingvertrag ihres ersten Airbus A380 beendet. Bislang wollte das Unternehmen damit warten, bis die erste von fünf neu nachbestellten A380 "auf dem Hof" steht. Damit befinden sich aktuell noch 18 aktive A380-841 in der Flotte des Star-Alliance-Schwergewichts.

Der Leasingvertrag für die erste, im Oktober 2007 ausgelieferte A380-841 von SIA, 9V-SKA, Werknummer MSN003, sie ist das älteste Kundenflugzeug überhaupt, sei am 12. Juni beendet worden, meldete die inoffizielle aber wohlinformierte Webseite "SQTalk".

Das jetzt ausgemusterte, 11,3 Jahre alte Flugzeug, stehe im Hangar der Wartungstochter von Singapore Airlines SIAEC in Singapur. Der letzte Flugeinsatz von "Kilo Alpha" mit Passagieren soll am 11. Juni mit Flug SQ317 aus London-Heathrow stattgefunden haben.

SIA war die erste Fluggesellschaft, die den Doppelstock-Riesen in Dienst stellte und mit ihren "Suiten" mit eigenen Betten und den spektakulär breiten Sitzen in der Raffles Business Class setzte das Unternehmen Maßstäbe mit dem Giganten.

Als Betreiberin der ersten Kundenflugzeuge litt SIA aber auch an den anfänglichen Kinderkrankheiten des Riesen. So hatten bei den allerersten Flugzeugen die Kabelbäume manuell verlängert werden müssen. Später mussten Flügelrippen aus Kohlefaser einheitlich gegen solche aus Aluminium ausgetauscht werden, da sich unerwartete Materialspannungen bildeten.

Damit sind die ersten fünf SIA-Flugzeuge technisch gesehen "Exoten" und wartungsaufwändiger. Im Einsatz und bei den Passagieren bewährte sich die A380 dagegen einheitlich und SIA genoß mit ihrem neuen Flaggschiff das weltweite Rampenlicht.

Ab Oktober und bis Frühjahr 2018 sollen fünf neu gebaute A380 zur SIA-Flotte stoßen und dort die ältesten fünf, davon nun noch vier aktiven, Flugzeuge ersetzen, deren Leasingverträge auslaufen. Die restlichen 14 Airbus A380 im SIA-Bestand, sie sind jünger und bereits ab Werk verbessert, werden dann überholt und erhalten verjüngte Kabineneinrichtungen. Dabei wandert die erste Klasse angeblich vom Haupt- ins Oberdeck.

Die jetzt ausgemusterte MSN003 war, wie ihre SIA-Schwesterflugzeuge MSN005, MSN008 und MSN010, bei der deutschen Leasingfirma Dr. Peters Group gemietet worden, die unter anderem auch fünf A380 an Air France verleast hat. Die Monatsmiete für das nach tatsächlichem Kaufpreis 197 Mio. Dollar teure Flugzeug soll angeblich bei 1,71 Mio. Dollar gelegen haben.

Grundüberholung oder Zerlegung in Ersatzteile


Normalerweise erhalten die Leasingflugzeuge nach dem Ablauf der typischen Leasingdauer von zehn oder zwölf Jahren eine Grundüberholung und, gegebenfalls für einen anderen Kunden, eine Kabineneinrichtung nach dessen Vorgaben, bevor der nächste Leasingvertrag folgt. Technisch erreichen moderne Passagierflugzeuge eine Lebensdauer von 20 bis 40 Jahren.

In einigen Fällen lohnt es sich aber auch, die Leasingflugzeuge zu zerlegen, um sie als Ersatzteile zu vermarkten.

Da A380-Ersatzteile gerade in Hinblick auf Triebwerke ein knappes Gut seien, "könnte eine Zerlegung der ersten ein oder zwei Flugzeuge, die zurückkommen, ebenfalls Sinn ergeben", sagte Anselm Gehling, Vorstandschef des Fondsanbieters Dr. Peters Group, im Juli. Gleichwohl gebe es sechs Interessenten für die Leasing-Rückläufer aus Singapur.

Die jetzt ausgemusterte A380 von SIA ist die weltweit erste Airline-A380, die außer Dienst gestellt wurde. Auch bei A380-Großkunde Emirates laufen in Kürze Leasingverträge aus, nach deren Ende die Flugzeuge bei Emirates ausgemustert werden und mit neu gebauten Flugzeugen ersetzt werden sollen. Bislang war auch bei SIA eine nahtlose Ablösung mit den Neuflugzeugen ab Oktober erwartet worden.

Airlines tendieren zu flexiblen Zweistrahlern

Airbus und Boeing kämpfen am Markt der sehr großen Flugzeuge derzeit mit einer allgemeinen Nachfrageflaute, da viele Airlines auf ihren wichtigsten Routen auf mehrere Flüge pro Tag mit mittelgroßen Zweistrahlern setzen, um lukrative Geschäftsreisende genau zu deren Nachfragespitzen optimal zu erreichen.

Außerdem gelten die mittelgroßen Jets als leichter weiterverkauf- und vermietbar. Die noch jungen A380-Leasingrückläufer sorgen künftig für zusätzliches Gebrauchtangebot am Markt. Der aktuelle Listenpreis einer fabrikneuen A380-800 liegt bei 436,9 Mio. Dollar.
© FLUG REVUE - Sebastian Steinke | Abb.: Airbus | 14.08.2017 15:00

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Beitrag vom 14.08.2017 - 23:37 Uhr
@Aileron
Da habt Ihr tolle Arbeit geleistet! Hoffen wir, dass sie noch eine Weile fliegt.
Beitrag vom 14.08.2017 - 20:56 Uhr
MSN 003

das waren harte Zeiten. Das Flugzeug werde ich nie vergessen. Gute 9 Monate haben wir in EDHI an ihr gearbeitet. Am Ende hat sie sich mit einem grandiosen winken der Flügel verabschiedet.
Beitrag vom 14.08.2017 - 20:36 Uhr
Also wenn die Zahlen stimmen, hat Dr. Peters zumindest keinen Verlust gemacht.


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