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Das "Fliegende Känguru" ist schwer gebeutelt

Qantas-Chef Alan Joyce
Qantas-Chef Alan Joyce, © Jetstar

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SYDNEY / BANGKOK - Es war ein Paukenschlag, der den ganzen fünften Kontinent erschüttert hat: aus Frust über die ständigen Streiks hat das "Fliegende Känguru" Qantas seinen Flugbetrieb eingestellt. Allerdings sorgt ein unabhängiges Schiedsgericht am frühen Montagmorgen (Ortszeit) zumindest vorerst für eine Lösung: Die Airline muss den Flugbetrieb wieder aufnehmen, ein 21-tägiger Waffenstillstand zwischen Qantas und den Gewerkschaften wird angeordnet.

Wie tief der Graben zwischen Qantas-Chef Alan Joyce (45) und den Gewerkschaften der Piloten, der Ingenieure und des Bodenpersonals ist, wird im verbalen Schlagabtausch deutlich. "Verrückt" nennt der Sprecher der Piloten, Richard Woodward, seinen Chef. "Qantas hat den Mitarbeitern den Krieg erklärt", sagt der Chef der Gewerkschaft der Transportarbeiter, Tony Sheldon. "Sie wollen die Fluggesellschaft killen", kontert Joyce.

"Wir mussten es zum Schwur kommen lassen", meint der Airline-Chef im Interview mit dem Fernsehsender ABC. "Diese Maßnahme ist für unsere Kunden langfristig weniger schlimm als wenn die Gewerkschaften ihre Streiks das ganze nächste Jahr fortsetzen, wie sie angekündigt haben." Es reiche, meint Joyce.

Der streitlustige Ire hat öffentlich fast die ganze Nation gegen sich. Australier haben ein ganz besonderes Verhältnis zu "ihrer" Airline, sie gehört zur nationalen Identität wie Koalas und Kängurus. Dem Airline-Chef ist alles andere als eine Sympathiewelle entgegen geschlagen. Zumal er sich gerade erst eine Gehaltserhöhung um 71 Prozent hat genehmigen lassen, auf fünf Millionen australische Dollar (3,8 Mio Euro). Die Gewerkschaften sind stark in Australien, und dass die Piloten, Ingenieure und das Bodenpersonal gegen eine Verlagerung des Qantas-Business ins Ausland sind, stößt auf Verständnis.

Die Tourismusbranche ist in heller Aufregung. "Hier gibt es keine Gewinner: Wir brauchen Qantas, und Qantas muss fliegen", sagt der Chef des Industrieverbandes Transport- und Tourismus-Forums, John Lee. Er fürchtet Verluste von 150 Millionen australischen Dollar pro Tag.

Hört man Joyce, denkt man, die Airline stehe mit dem Rücken zur Wand. Das Überleben des fast 100 Jahre alten Unternehmens sei in Gefahr. Dabei hat Qantas im vergangenen Geschäftsjahr (30. Juni) Gewinn gemacht, 552 Millionen australische Dollar (418 Millionen Euro), ein Plus von 46 Prozent. Und das trotz der Aschewolke im Pazifik und einer wochenlangen Zwangspause für den Riesenairbus A 380 wegen Triebwerksproblemen. Aber das internationale Geschäft macht Miese.

Joyce will Qantas-Ableger im Ausland gründen und die hart umkämpften Strecken mit Personal bedienen, das weniger verdient. Nur so sieht er eine Chance, billigere Konkurrenten wie Emirates oder Etihad auf Distanz zu halten. "Mit uns ist die Asianisierung von Qantas nicht zu machen", wettert Sheldon.

"Ich bin überwältigt von der Welle der Unterstützung, die mir von unseren Geschäftspartnern entgegengeschlagen ist", sagt Joyce im Fernsehen. "Sie stimmen zu: wir mussten handeln."

Öffentlich halten sich diese Geschäftspartner allerdings bedeckt. Einer der wenigen, die Joyce öffentlich zujubelten, war Dick Smith, früher Vorsitzender der Luftfahrtsicherheitsbehörde. "Qantas wird untergehen, wenn die Löhne nicht globalisiert werden", schrieb er im "Daily Telegraph". "Wenn ich bei Qantas angestellt wäre, würde ich dem Management helfen, so viel zu sparen wie möglich, weil mein Job sonst in Gefahr wäre."
© Sid Astbury und Christiane Oelrich, dpa | Abb.: Jetstar, Archiv | 31.10.2011 06:55


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