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Wie Delta und LATAM die Luftfahrt durcheinanderwirbeln

LATAM Airbus A320neo
LATAM Airbus A320neo, © Airbus

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SANTIAGO DE CHILE - Das Erstaunen lässt sich förmlich greifen, das sich Ende September in Chefetagen in Fort Worth, São Paulo, Chicago und Doha Raum geschaffen haben muss. Wochen nach Deltas Einstieg bei LATAM sind nun erste Köpfe gerollt - und eine eifrige Geschäftigkeit ist ausgebrochen.

American Airlines trennt sich von Joe Mohan, der als Vizepräsident für das Einfädeln neuer und die Pflege alter Allianzen zuständig war. Ihm war im Mai misslungen, was den Delta-Managern nun offenbar glückt: Mohans Versuch, gemeinsam mit LATAM ein Joint Venture für Strecken zwischen den USA und Lateinamerika auf den Weg zu bringen, scheiterte an den chilenischen Wettbewerbshütern.

Delta Air Lines dagegen hat sich nun zwanzig Prozent von LATAM gekauft – grünes Licht aus Chile gibt es für die geplanten Routen zwar noch nicht, ein Einspruch ist jedoch unwahrscheinlich: Die Streckennetze der beiden Airlines überschneiden sich nach deren Angaben nur auf einer Route.

Ein "Dritter" habe ihn vor zirka drei Monaten auf die Idee gebracht, sich eine Zusammenarbeit mit LATAM genauer anzusehen, lies Delta-CEO Ed Bastian "Reuters" wissen. 

Das war etwa zu der Zeit, als seine Kollegen von United, Oscar Muñoz, und American, Doug Parker, bei US-Präsident Donald Trump vorsprachen, um Beistand im Dauerstreit mit den Golf-Airlines zu erbitten. 

Auch Delta arbeitet angestrengt gegen die unliebsame Konkurrenz vom Golf, doch bei dem Termin im Weißen Haus fehlte Bastian. Während Trump Muñoz und Parker in Anwesenheit ihres Lieblingsfeindes Akbar Al Baker vorführte und sie zur Schlichtung ihres Streits an die zuständigen Instanzen verwies, fädelte Bastian einen Überraschungscoup ein.

Damit verblüffte er nicht nur Muñoz, Parker und den Chef der Partner-Airline Gol sondern wischte obendrein Akbar Al Baker elegant eins aus. Qatar Airways ist mit knapp zehn Prozent an LATAM beteiligt – und kann sich nach jüngsten Äußerungen ihres Chefs eine Ausweitung des Anteils vorstellen.

Dieses Vorhaben dürfte durch eine mächtige Aktionärin namens Delta nicht einfacher geworden sein. Mit ihrem Schachzug verengt Delta die Einflugschneisen für arabische Airlines nach Lateinamerika weiter. 

American-Management fürchtet Verlust

Durch ihren Einfluss und ihre knapp 50-prozentige Beteiligung an Aeroméxico war es ihr bis vor kurzem gelungen, Emirates aus dem mexikanischen Markt herauszuhalten.

Einen Verlust auf dem lateinamerikanischen Markt fürchtet nun offenbar auch American, worauf nicht nur die Personalie um Joe Mohan hindeutet. Das American-Management und das der brasilianischen Gol verhandeln mit Hochdruck eine Zusammenarbeit, heißt es in brasilianischen Medien. Delta verkauft ihren zehn prozentigen Anteil an Gol im Zuge des LATAM-Geschäfts.

Bei United versucht das Management wiederum, den Einfluss der Airline auf dem Kontinent auszuweiten, indem es ein Netz zwischen der kolumbianischen Avianca, der panamaischen Copa und der brasilianischen Azul spinnt.

Der Ausstieg aus Gol dürfte indes nicht nur bei deren CEO Paulo Kakinoff sondern auch bei Delta-Beteiligung Air France zumindest Verwunderung ausgelöst haben. Für Air France-KLM gilt Gol seit 2018 als Schlüssel für Verbindungen in Brasilien von Fortaleza aus. Es bleibt abzuwarten, ob LATAM diese Rolle nun übernimmt – und Delta damit ihre Bande zwischen den Kontinenten weiter verstärkt.
© aero.de (boa) | Abb.: LATAM | 28.10.2019 07:38


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