Stephen Dickson
Älter als 7 Tage

FAA-Chef bremst Muilenburgs 737 MAX-Optimismus

Boeing 737 MAX
Boeing 737 MAX, © Tui

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SEATTLE - Wer zuletzt Boeing-Chef Dennis Muilenburg lauschte, wähnte den US-Flugzeugbauer auf der Zielgeraden zur Wiederzulassung der 737 MAX. Im Januar könnte es soweit sein, hieß es da. Doch der Chef der US-amerikanischen Flugsicherheitsbehörde FAA Stephen Dickson sendet eine andere Botschaft.

Es bleibe abzuwarten, ob die MAX im Januar wieder abheben werde, sagte Dickson am Rande der Dubai Air Show Mitte November. Mehr noch: Eine Wiederzulassung bis März ist ihm zufolge eine zurückhaltendere Zeitachse.

Tage zuvor stärkte er seinen Mitarbeitern öffentlich den Rücken und beschwor sie, sich bei den Prüfungen der 737 MAX nicht unter Zeitrdruck bringen zu lassen.

Einfach ist das nicht, schließlich stehen sie unter Beobachtung von Boeing und Airlines aus aller Welt. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden - eine Grenze nach oben ist noch nicht absehbar.

"Ich weiß, dass der Druck groß ist, dieses Flugzeug wieder in den Betrieb zu bringen", sagte Dicksen denn auch in einer Video-Botschaft zu seinen Mitarbeitern. "Aber Sie sollen wissen, dass ich möchte, dass Sie sich die Zeit nehmen, die Sie brauchen und dass Sie sich ausschließlich auf die Sicherheit konzentrieren. Ich stehe hinter Ihnen."

Mit dieser Botschaft feilt er zugleich am Image seiner Behörde. Denn nicht nur Boeing ist im Zuge der 737 MAX-Krise in die Kritik geraten. Auch die FAA hat nicht zuletzt wegen ihrer offenbar zu großen Nähe zu dem Flugzeugbauer an Glaubwürdigkeit verloren.

Zugespitzt lässt sich das Dilemma, das sich aus langsam bekanntwerdenden Details des Zertifizierungsprozesses abzeichnet, so beschreiben: Boeing-Mitarbeiter sind mit technischen Neuerungen an den FAA-Prüfern vorbeigezogen - und die haben's nicht kapiert. Oder sie haben aus freundschaftlicher Verbundenheit nicht genauer nachgefragt.

Dieses Bild zu revidieren, ist eine Mammutaufgabe für den Chef und die Mitarbeiter der einst Maßstäbe setzenden Sicherheitsbehörde. Europäische, kanadische und andere Sicherheitsbehörden bemühen sich wiederholt darum zu betonen, dass sie bei der 737 MAX selbst ganz genau hinsehen werden, ehe sie eine Wiederzulassung absegnen.

Experten wollen MCAS ganz entfernen

In einem Umfeld, in dem Zweifel und Hinterfragen wieder offen gefördert werden, lassen sie indes auch nicht lange auf sich warten:

"Den einzigen Weg, hier voranzukommen, sehe ich darin, den Fluglagekorrektor MCAS zu entfernen", zitiert die New York Times aus der E-Mail eines kanadischen Luftsicherheitsinspekteurs.

Ein FAA-Mitarbeiter stimmt ihm zu. "Das MCAS birgt katastrophale Gefahren, die vorher nicht da waren", zitiert die New York Times. "(Das System selbst, Red.) und seine Korrektur würde alles zu komplex machen." Ohne MCAS ist die 737 MAX nach Einschätzung von Experten allerdings kaum zertifizierbar.

Die FAA teilte außerdem mit, künftig die alleinige Entscheidungsmacht bei der Zertifizierung der Flugtauglichkeit aller produzierten 737-MAX-Jets zu beanspruchen und nichts mehr an Boeing zu delegieren. In der Vergangenheit hatte der Hersteller hier teilweise mitentscheiden dürfen, was nach den Abstürzen für viel Kritik sorgte.

Ein Boeing-Sprecher erklärte auf Nachfrage lediglich, dass das Unternehmen weiter eng mit der FAA zusammenarbeiten werde, damit die 737-MAX-Flotte wieder sicher in Betrieb genommen werden könne.
© aero.de (boa) | Abb.: Safran | 27.11.2019 06:04

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Beitrag vom 28.11.2019 - 17:17 Uhr
Besser passt: We still make mistakes...

Der hier irgendwo verlinkte Artikel zur Verlegung des headquartes nach Chicago zeigt auf, das war der Anfang des Übels. Vom Ingenieurs getriebenen führendem technischem Unternehmen zum von der Wall street getriebenem Finanzkonzern. Ja, die Amis können eines perfekt: Dollars machen - bis es kracht.
Beitrag vom 28.11.2019 - 15:49 Uhr
Boeing hat ja im Laufe langer Jahre regelmäßig sehr hohe Gewinne gemacht, außerdem die große Rüstungssparte und seit kurzem auch noch die brasilianische "Perle" Embraer - wenn es darauf ankommt kann Boeing also immer noch sehr viel zusetzen. Aber momentan kommt es da doch trotzdem etwas sehr dick, vor allem wenn man dann die 777X auch noch dazu rechnet.

Aber: Dafür, dass Public Relations in den USA erfunden wurden, ist die Öffentlichkeitsarbeit von Boeing einfach nur grottenschlecht - als CEO von Boeing (offensichtlich unabgestimmt mit der FAA) zu insinuieren, dass im Januar mit einer Wiederzulassung zu rechnen sei, nur um sich dann öffentlich vom Chef der FAA korrigieren lassen zu müssen, dass ist doch - rein PR-technisch gesehen - ein derart peinlicher, grottenschlechter Dilettantismus, dass es schon grotesk wird. Wer soll offiziellen Statements von Boeing denn in Zukunft noch glauben? Jedenfalls solange Mr. Muilenburg CEO von Boeing ist? Also wahrscheinlich noch langfristig? Wo bleibt da das CRM in der Boeing-Führung?

"We made mistakes." - Ja.
Beitrag vom 27.11.2019 - 15:53 Uhr
Dieses Eingeständnis von Fehlern bietet doch nun eine gute Grundlage für betroffenen Airlines Schadensersatzansprüche geltend zu machen.
Hoffentlich hat das Boeing-Fass einen stabilen Boden...


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