Boeing 737-200
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Airlines setzen weiter auf die Urgroßmutter der 737 MAX

Air Zimbabwe Boeing 737-200
Air Zimbabwe Boeing 737-200, © Maarten Visser, CCBYSA

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CHICAGO - Während die Boeing 737 MAX noch immer auf ein Ende des weltweiten Groundings wartet, reist ihre Urgroßmutter weiter quickfidel durch die Welt: Über 50 Jahre nach ihrem Erstflug setzen nach wie vor einige Airlines auf die 737-200. Und ein Ende scheint nicht in Sicht.

Seit dem Erstflug der Boeing 737-200 ist mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen. Am 18. Mai 1967 erhob sich die größere der beiden Ursprungs-737 zum ersten Mal in die Luft, und begründete in der Folgezeit mit über 1.100 Bestellungen den bahnbrechenden Erfolg, den Boeing mit der 737-Familie feierte.

Zum Vergleich: Von der kürzeren 737-100 konnte Boeing nur kümmerliche 30 Exemplare verkaufen. Wenig verwunderlich, dass von diesen 30 Maschinen heute keine einzige mehr flugfähig ist. Der größte Teil ist längst verschrottet worden – und womöglich schon mehrfach als Coladose wiedergeboren.

Kanadische Airlines setzen auf die 737-200

Die 737-200 indes ist noch immer im Geschäft – und zwar beinahe weltweit. Zwischen 70 und 80 Flugzeuge sind in einschlägigen Flugzeugdatenbanken aktuell als aktiv gemeldet. Auch wenn das tatsächliche Schicksal dieser 70 bis 80 "Donnerschweinchen" im Einzelfall oft undurchsichtig ist, dürfte ein guter Teil davon auch in Wirklichkeit regelmäßig in die Lüfte steigen.

Das trifft vor allem auf die in Kanada registrierten Exemplare zu, wo ganze 17 flugfähige 737-200 ihr Zuhause haben. Mit Nolinor Aviation aus Mirabel residiert in Kanada zugleich der größte 737-200-Betreiber der Welt: Die Charter-Airline betreibt gleich sieben 737-200.

Sie setzt dabei vor allem auf die Variante 737-200C ("Convertible"), die je nach Bedarf als reiner Passagierjet, reiner Frachter oder in Mischkonfiguration verwendet werden kann.

In Passagierausführung passen bis zu 119 Fluggäste in die rüstigen Oldies – Durchschnittsalter über 40 Jahre. Gravel Kits lassen die Jets von Nolinor darüber hinaus auch von unbefestigten Pisten aus operieren.

"Die Boeing 737-200 bietet die Zuverlässigkeit, Flexibilität, Nutzlast, Geschwindigkeit, den Komfort und die Reichweite, auf die sich jeder Kunde für seine spezifischen Charteranforderungen verlassen kann", schwärmen die Kanadier auf ihrer Webseite.

Die ältesten 737-200

Ein gutes Pflaster um in Würde alt zu werden, scheint für die 737-200 auch Lateinamerika zu sein. Sowohl in Mexiko und Honduras als auch in Chile, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela tummeln sich noch flugfähige Exemplare – teils in Regierungsdiensten, teils als kommerziell eingesetzte Passagier- oder Frachtmaschinen.

Die Luftwaffe Perus betreibt mit der als FAP 354 registrierten Maschine sogar die älteste noch fliegende 737-200 weltweit. Der Jet begann seine lange Karriere im Januar 1970 bei der irischen Aer Lingus mit der Kennung EI-ASF.

Über viele Umwege kam das mehr als 50 Jahre alte Flugzeug schließlich 1998 nach Peru, flog zwischenzeitlich für TANS Perú im Liniendienst und verbringt nun nach dem Ende dieser ehemaligen Staatsairline ihren Lebensabend in der peruanischen Regierungsflotte. Ihr noch älteres Schwesterflugzeug, die FAP 353 (Baujahr 1969), wurde Mitte 2018 stillgelegt.

Und die jüngsten 737-200

Die älteste noch in kommerziellen Diensten stehende 737-200 ist die 46 Jahre alte C-GNLE von Nolinor, die 1975 ebenfalls bei Aer Lingus debütierte, 1995 nach Kanada kam und erst Ende Februar 2017 zu Nolinor Aviation stieß.

Am anderen Ende der Skala steht dagegen eine Maschine, die seit September 2016 in Pakistan registriert ist: Mit der AP-BMZ, gebaut als MSN 24236 im Jahr 1988 in Renton, besitzt die in Karatschi beheimatete Vision Air International die letzte jemals gefertigte 737-200.

Sie flog bis Juni 2003 für Xiamen Airlines in China, wurde dann für die indische Blue Dart Aviation zum Frachter umgebaut, 2014 abgestellt und zwei Jahre später von Vision Air übernommen. Ob sie tatsächlich noch im Dienst steht, ist nicht ganz klar – eine Anfrage an die Airline blieb bis zum Erscheinen dieses Artikels unbeantwortet. Geflogen ist sie jedenfalls schon einige Monate nicht mehr.

"Jungspund" in Venezuela

Ähnliches trifft auf die jüngste "aktiv" gemeldete 737-200 mit Passagierkabine zu. Sie gehört der mexikanischen Global Air und trägt das Kennzeichen XA-UMQ. Das 32 Jahre alte Flugzeug begann seine Laufbahn 1988 bei Southwest Air Lines in Japan, flog später in den USA, Kasachsten, Kenia und Indonesien, bevor Global Air den damals fast noch jugendlichen Jet im Jahr 2009 übernahm.

Allerdings hat Global Air den kommerziellen Betrieb inzwischen eingestellt, nachdem im Mai 2018 eine weitere, von Cubana geleaste, 737-200 der Airline kurz nach dem Start in Havanna abstürzte und 112 Menschen ihr Leben verloren. Die mexikanischen Behörden entzogen Global Air daraufhin die Lizenz.

Die Airline erhielt sie im August 2018 zwar zurück, gab allerdings 2019 auf. Die XA-UMQ steht dem Vernehmen nach seitdem geparkt auf dem Flughafen von Toluca, Schicksal ungewiss. So dürfte der Stab der jüngsten fliegenden 737-200 auf die YV2937 von Avior aus Venezuela übergehen. Diese 1987 gebaute Maschine war zumindest vor Hereinbrechen der Corona-Krise noch regelmäßig unterwegs.

D-Check bei Air Zimbabwe

In Zimbabwe im Süden Afrikas musste die staatliche Air Zimbabwe dagegen lange auf ihre einzige flugfähige 737-200 verzichten. Die Airline besitzt mit der Z-WPA und der Z-WPB eigentlich sogar zwei 737-200 – aber nur die Z-WPA war in den letzten Jahren aktiv.

Jedoch wurde das 1986 fabrikneu an Air Zimbabwe gelieferte Flugzeug zuletzt durch einen teuren und langwierigen D-Check ausgebremst. Ingenieure und Mechaniker der Airline nutzten die Phase des Corona-Lockdowns offenbar produktiv: Wie lokale Medien berichten, machten sie die Z-WPA unter großer Anstrengung in monatelanger Arbeit wieder fit.

Anschließend soll sie in Harare zu einem dreistündigen Testflug abgehoben sein, der allen Beteiligten ein Lächeln auf die Lippen gezaubert habe. Somit könnte dem 34 Jahre alten Jet, der den Namen der Nationalheldin Mbuya Nehanda trägt, noch eine ganze Reihe weiterer Dienstjahre bevorstehen – genauso wie vielen anderen 737-200 rund um den Globus.

Die Boeing 737 ist und bleibt ein Dauerbrenner. Das gilt erst recht für die "Originalversion" 737-200, die zwar mit ihren schlanken, lauten und überaus durstigen JT8D-Triebwerken so gar nicht mehr in die Zeit passen will, deren Dienste aber auch in Zukunft weiter gefragt sein dürften.

Auch wenn die Zahl flugfähiger Exemplare weiter abnehmen wird, ein paar Oasen und Rückzugsräume werden sich für das legendäre "Donnerschwein" noch lange finden. So rüstet Nolinor seine 737-200 mit Glascockpits aus und will die Teilflotte sogar noch erweitern. Mit der richtigen Wartung sind schließlich auch 40 Jahre für ein Flugzeug kein Alter...
© FLUGREVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Air Zimbabwe, Nolinor Aviation | 19.07.2020 20:29


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