Rekordverlust
Älter als 7 Tage

Boeing bringt 777-9 erst Ende 2023

Erste Lufthansa Boeing 777-9 in der Endmontage
Erste Lufthansa Boeing 777-9 in der Endmontage, © Lufthansa

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CHICAGO - Die Krise, das Debakel um die 737 MAX und neue Verzögerungen beim Großraumjet 777X haben dem US-Flugzeugbauer Boeing 2020 einen Rekordverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von mehr als 11,9 Milliarden US-Dollar (9,8 Mrd Euro), wie der Airbus-Rivale am Mittwoch in Chicago mitteilte.

Es ist das mit Abstand höchste Minus, das Boeing in seiner mehr als 100-jährigen Konzerngeschichte bislang verschmerzen musste. 2019 hatte es bereits einen Verlust von 636 Millionen gegeben.

Allein wegen der 777X legte Boeing zum Jahresende 6,5 Milliarden Dollar zurück. Unterm Strich verlor der Konzern allein in den drei Monaten bis Ende Dezember 8,4 Milliarden Dollar, vor einem Jahr hatte die Quartalsbilanz mit gut einer Milliarde im negativen Bereich gelegen. Verschmerzen musste der Hersteller auch noch Kosten für einen Vergleich mit dem US-Justizministerium wegen Betrugsvorwürfen beim 737-MAX-Skandal.

Boeings Umsatz fiel 2020 um 24 Prozent auf 58,2 Milliarden Dollar - der schwächste Wert seit rund 15 Jahren. Die Erlöse litten zusätzlich unter Problemen beim Langstreckenjet 787 "Dreamliner", dessen Auslieferung wegen Produktionsmängeln stockte.

Die Zahlen reflektierten die starken Belastungen für die Luftfahrt durch die Corona-Pandemie und das lange Flugverbot für den Unglücksflieger 737 Max, erklärte Boeing-Chef Dave Calhoun in einem Memo an die Mitarbeiter. Der Konzern habe jedoch wichtige Fortschritte dabei gemacht, die Sicherheitsprozesse zu verstärken, Vertrauen zurückzugewinnen und die Weichen für eine geschäftliche Erholung zu stellen.

Bei Anlegern kamen die Zahlen indes nicht gut an, die Aktie reagierte vorbörslich mit deutlichen Kursabschlägen.

Besonders die neuen Probleme und immensen Kosten beim modernisierten Großraumjet 777X dürften am Markt für schlechte Stimmung gesorgt haben. So soll das erste Exemplar nun sogar erst Ende 2023 ausgeliefert werden. Boeing hatte die Neuauflage der 777, die dank neuer Triebwerke und verbesserter Aerodynamik deutlich weniger Kerosin verbrauchen soll, zuvor bereits mehrfach verschoben - zuletzt auf 2022.

Als Gründe für die erneute Verzögerung nannte der Konzern unter anderem veränderte Voraussetzungen für die Zulassung des Jets und die veränderte Nachfrage infolge der Corona-Krise.

Dabei gab es zuletzt eigentlich auch gute Nachrichten für den kriselnden US-Konzern. So erhielt Boeings Unglücksjet 737 MAX im November nach mehr als anderthalbjährigem Flugverbot endlich wieder eine Starterlaubnis der US-Luftfahrtbehörde FAA. Am Mittwoch gab auch die europäische Flugaufsicht EASA grünes Licht für den im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten aus dem Verkehr gezogenen Jet.

Die 737 MAX ist Boeings meistverkauftes Modell und wichtigster Gewinnbringer. Seit die Maschinen in den USA wieder abheben dürfen, wurden laut Boeing bereits mehr als 40 Stück ausgeliefert.

Dass die 737 MAX während der Startverbote nicht an die Kundschaft gebracht werden konnte, hat Boeing in den vergangenen beiden Jahren massiv belastet - bereits 2019 überholte Airbus den US-Konkurrenten als weltgrößter Flugzeugbauer. Nun darf der Problemflieger zwar wieder abheben, doch die Corona-Pandemie hat die Luftfahrtbranche in eine ihrer tiefsten Krisen gebracht.

Das kostet Boeing viele Aufträge - nach Angaben des Unternehmens gab es 2020 unterm Strich gut 650 Stornierungen. Insgesamt wurden sogar mehr als 1.000 Bestellungen aus dem Orderbuch gestrichen, weil viele Aufträge als unsicher gelten.
© dpa-AFX | Abb.: Boeing | 27.01.2021 14:06

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Beitrag vom 28.01.2021 - 11:34 Uhr
....Zumal die Frage ist, ob das dem geliebten Vorzeigeunternehmen Airbus langfristig so gut täte. Eine Zeit lang konkurrenzlos zu sein macht träge, faul und angreifbar. Dann droht das gleiche Schicksal, dass mittelfristig den europäischen Autobauern droht (auch wenn die nicht konkurrenzlos sind - die haben trotz Konkurrenz gepennt).<

Dem stimme ich zu. Ich will Boeing nicht weg haben aber doch etwas demüter und wieder mehr der Ingenieurswissenschaft zugewandt als dem schnellen Geld und der Prozessoptimierung. Was mich bei ihnen am Meisten anschiesst ist weniger der Designfehler in der MAX als der Umgang um Zertifizierungsverfahren und in den Umgang mit den Abstürzen in den ersten Monaten. Das zeigt ein generelles konzernpolitisches Problem auf und eine völlig falsche Ausrichtung des Konzerns und ich denke dieses Problem ist noch nicht mal im Ansatz bei Boeing angegangen wurden, denn das würde bedeuten, dass man diese falsche Politik mit der FAA aufgibt und sich wieder zu seinen Wurzeln besinnt. Davon habe ich noch nichts gesehen oder gelesen...ja eventuell Management blabla aber nichts was als Ergebnis dieser Neuausrichtung nun angegangen und geändert wird.
Beitrag vom 28.01.2021 - 11:31 Uhr
D-ABYT stimme ich da zu, Leute, bleibt mal auf dem Teppich.
Bei uns, also bei Airbus gab es auch schon Phasen, in denen es besch... lief. Im Großen (A380) wie im Kleinen (Mitte der 2000er Satelliten-Internet in die 340-500,-600, wir haben die Flieger gefühlt 18 mal neu umgebaut, BEVOR der Kunde das Ding überhaupt hatte.) war so manche Entscheidung im Nachhinein fraglich.
Aber so ist das im Flugzeugbau, es ist ein langfristiges Geschäft. Alles voraus zu sehen ist unmöglich.
Und ja, zur Zeit hat B eher einen schlechten Lauf und tatsächlich ist da viel selbst verschuldet in den letzten 20 Jahren. Ich hoffe ja, sie lernen draus und A schaut bissl mit hin, um in Zukunft nicht ähnliche Fehler zu machen. Ansonsten wünsche ich mir aber auch weiterhin den Wettbewerb.
Beitrag vom 28.01.2021 - 10:53 Uhr
Die übliche Schadenfreude und Häme, gepaart mit dem Wunsch, es möge noch schlimmer werden (Abbestellung der 77X durch LH, Wechsel von Großkunden zur Airbus).
Kritik an Fehlern bei Boeing in der letzten Zeit ist richtig und angebracht. Aber die Art und Weise, wie Negativmeldungen hier gefeiert werden, ist für ein Luftfahrtforum schon traurig. Ich gehe beim Lesen der Beiträge davon aus, dass mindestens drei Viertel der Teilnehmer sich lieber heute als morgen das Ende von Boeing als Flugzeugbauer herbeisehnen. Und das finde ich gelinde gesagt beschämend. Zumal die Frage ist, ob das dem geliebten Vorzeigeunternehmen Airbus langfristig so gut täte. Eine Zeit lang konkurrenzlos zu sein macht träge, faul und angreifbar. Dann droht das gleiche Schicksal, dass mittelfristig den europäischen Autobauern droht (auch wenn die nicht konkurrenzlos sind - die haben trotz Konkurrenz gepennt).

Dieser Beitrag wurde am 28.01.2021 10:56 Uhr bearbeitet.


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